Foreigner in der Meistersingerhalle
Akustische Leckerbissen der Unverwüstlichen

Foreigner-Gründer Mick Jones (links), Sänger Kelly Hansen (Mitte) und Bassist Jeff Pilson (rechts) präsentierten mit ihren Kollegen ihre Hits in Nürnberg in der "Unplugged"-Version. Bild: Stüdemann

Es läuft: Die Mannen von Foreigner begeistern die ausverkaufte Meistersingerhalle. Dabei beweisen sie, dass ein gutes Lied ein gutes Lied ist.

Nürnberg.Es kann richtig traurig werden, wenn altgediente Bands nach fast 40 Jahren im Dienst immer noch keine Ruhe geben wollen. Wenn sie nur noch Spuren der Originalbesetzung an Bord haben, die alten Hits nudeln und sich auf mittelgroßen Bühnen vor 150 Fans durch ihr Programm quälen - frustriert, unmotiviert, gebrochen. So läuft das nicht bei Foreigner.

Die US-Rocker um Gründungsvater Mick Jones sind seit 1976 unterwegs und seit rund zehn Jahren besser im Geschäft denn je, auf der Höhe ihrer Kunst. Da kann man es sich schon mal leisten, ohne großen Verstärkerlärm durch Europa zu tingeln und in exquisiterem Rahmen seine Hits entschlackt zu präsentieren: Am Sonntag machten die Musiker auf ihrer "Acoustique"-Tour Station in der ausverkauften Nürnberger Meistersingerhalle und spielten vor rund 3000 Menschen.

Echter Genuss

Solche "Unplugged"-Konzerte, in den 90er Jahren durch MTV sehr in Mode gekommen, bergen allerdings eine große Gefahr: Schwache Songs zeigen ihre Schwächen erst so richtig, wenn Starkstromgitarren, Keyboard-Gewummere und andere Effekte subtrahiert werden oder das Arrangement einfach bescheiden ist. Auch hier: So läuft das nicht bei Foreigner. Schon bei "Double Vision", dem ersten Song auf der Setlist, war dank der hervorragenden Soundmischung zu hören, dass ein gutes Lied einfach ein gutes Lied ist - auch wenn es nur auf akustischen Gitarren und Akustikbass sowie mit minimaler Perkussion dargeboten wird.

Der zwischen den Songs freundlich plaudernde Jones, der im Dezember 70 Jahre alt wird, hatte es sich mit seinen Kollegen auf Barhockern vor schlichter Bühnendeko bequem gemacht und bekam später bei der Bandvorstellung die ersten stehenden Ovationen des Abends.

Leadsänger Kelly Hansen, seit elf Jahren dabei, führte Regie, flankiert von Bassist Jeff Pilson, Neu-Gitarrist Bruce Watson und Multitalent Tom Gimbel (Gitarre, Bass, Saxofon, Querflöte). Neben dem unermüdlichen, stimmgewaltigen Hansen, der längst aus dem Schatten seines berühmten Vorgängers Lou Gramm getreten ist, sorgten auch alle anderen Herren mit ihrem auf den Punkt gesetzten Harmoniegesang für einen echten Genuss. Gerade bei Songs wie "Say you will", "Waiting for a Girl like you", "Cold as Ice" oder "Fool for you anyway" entfaltete sich die volle Klangpracht des Quintetts. Aber auch rockigere Nummern wie "Juke Box Hero", "Hot Blooded", "Dirty white Boy", "Feels like the first time" und "Long long way from Home" verloren im reduzierten Gewand kaum an Kraft. Und als bei der Zugabe "I wanna know what Love is" auch noch ein Nürnberger Gospelchor auf die Bühne kam, war klar: Manche Altrocker verschleudern ihre Hits lieblos wie abgenutztes Tafelsilber. So läuft das nicht bei Foreigner.
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