Fotopirsch durch Raum und Zeit

Michael Bry lebt seit zehn Jahren in Regensburg. Die Galerie Peter Bäumler zeigt seine "Bleibenden Augenblicke". Bild: Wolke

Wahrscheinlich hat es ihn den ganzen Abend lang in den Fingern gejuckt. Seit seiner Ankunft in Regensburg vor nunmehr zehn Jahren ist Michael Bry dort auf Fotopirsch und lässt dabei auch kaum eine Ausstellungseröffnung aus.

Regensburg.Mit der Kamera um die Schulter ist er längst zum Teil der Szene geworden. Seine ständige Begleiterin hielt der Fotograf letztens allerdings etwas verdeckt. Ausgerechnet bei dieser Vernissage - gerade bei dieser. Schließlich waren es Brys eigene Werke, die hier ausgestellt wurden. Der stille Beobachter im Hintergrund wurde zum Star des Abends.

"Michael Bry. Bleibende Augenblicke" lautet der Titel der aktuellen Schau in der Galerie Peter Bäumler. Die Inhaberin Dr. Andrea Madesta hat hierfür rund 60 Arbeiten des Fotografen von 1965 bis heute zusammengestellt. Mit großer öffentlicher Wirksamkeit: Das Publikum zollte dem Wahlregensburger Michael Bry in Scharen seine Bewunderung und Sympathie.

"Mit Bildern beschäftigen"

Und die Hauptperson selbst? Die Hände hinter dem Rücken verschränkt, wahrte Bry bei den Eröffnungsreden einen gewissen Abstand zu dem Rummel um seine Person. Von der ersten Zuschauerreihe halb verdeckt, drückte sich der mittlerweile 90-Jährige etwas unbehaglich herum, ergriff aber letztendlich selbst das Wort. "Bitte beschäftigt euch mit den Bildern", richtete er sich mit leiser Stimme an die Besucher. "Sie sind humorvoll und sollen Freude bringen."

Beispiele für diesen Humor gibt es in der neuen Schau genug. Das Bild von dem Straßenzug in Berlin etwa. Michael Bry hat dort ein Gewirr von rosa gestrichenen Rohrleitungen in den Fokus gerückt. Ein von einer altehrwürdigen Fassadendekoration stammender Frauenkopf guckt verwirrt ins Bild. Völlig durch den Wind scheint dieses Relikt vergangener Zeiten durch das vor ihm prangende Schild: "Umleitung."

Michael Bry hält Augenblicke fest. Er macht sie bleibend, wie es auch der Titel der Schau in der Galerie Bäumler sagt. Aber zunächst einmal muss er diese Augenblicke finden. Und darin ist Michael Bry Großmeister. Faszinierend, wie er genau im richtigen Moment auf den Auslöser drückt. Sei es dann, wenn das Licht gerade besonders eindrucksvoll auf eine Hausfassade in Andalusien oder auf ein Fischernetz in Portugal fällt. Oder dann, wenn ein Junge vor einem Kriegerdenkmal seine Hand in genau der gleichen Position zum Kopf hebt wie der steinerne Soldat vor ihm.

Humor, das ist es wohl, was Michael Bry auszeichnet. Dies zeigte sich auch bei seinem Auftritt in der Galerie Peter Bäumler. Ständig wiederkehrende Scherze über sein Alter ertrug Bry geduldig. 90 Jahre sind das mittlerweile - und es lässt sich getrost sagen: Die Lebensgeschichte Michael Brys ist auch die Geschichte der Fotografie.

Begonnen hat der Fotograf mit Schwarz-Weiß-Abzügen. Er war beeinflusst vom "Magnum"-Mitbegründer Henri Cartier-Bresson. Er fand zur Farbe und schließlich zur Digitalfotografie. Michael Bry erlebte die Entwicklung der Fotografie zur eigenständigen Kunstform hautnah mit.

Flower-Power miterlebt

1924 wurde Bry in Breslau geboren. Die lebenslange Wanderschaft, die den Betrachtern seiner Bilder Einblicke in so viele fremde Kulturen beschert, begann für den jungen Mann unfreiwillig. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten zwang ihn und seine Familie zur Flucht in die Tschechoslowakei. In Chile, wo Bry anschließend landete, studierte er Fotografie. Es folgten 30 Jahre in Kalifornien - mit Flower Power und einer auf den Straßen tanzenden Beat Generation eine gute Zeit für den Fotografen.

Seine Rückkehr nach Deutschland gestaltete Michael Bry etappenweise: Dem europäischen Kontinent näherte er sich zunächst über Spanien und Portugal. 2005 steuerte Bry dann seinen alten VW-Bus Richtung Regensburg. Und hier ist er immer noch. Dem Kunstforum Ostdeutsche Galerie hat er zahlreiche Bilder geschenkt. Für die Ausstellung in der Galerie Peter Bäumler fertigte er eine Installation aus Fahnen, die der Gegend rund um den Dom huldigen. Ansonsten ist Michael Bry auf seinem Fahrrad in der Stadt unterwegs. Und bei der nächsten Ausstellungseröffnung wird er mit Sicherheit auch wieder mehr fotografieren.

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Die Ausstellung "Bleibende Augenblicke" läuft bis 7. März in der Galerie Peter Bäumler (Obere Bachgasse 16, Regensburg). Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, 11 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung. Infos unter Telefon 0941/89939801.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.galerie-baeumler.de
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