Germanisches Nationalmuseum Nürnberg wartet 2015 mit zwei Sonderschauen auf
Monster, Mythen und Modewelten

Das Germanische Nationalmuseum wartet heuer mit zwei Sonderschauen auf. Eine davon beschäftigt sich mit Monstern und Mythen. Bild: Kusch
Nürnberg.Am Anfang war der Rüffel. "Beim Neujahrsempfang der Stadt sind die Kulturvertreter diesmal gar nicht begrüßt worden", kritisierte Ulrich Großmann bei der Jahrespressekonferenz des Germanischen Nationalmuseums (GNM). Dabei denke die Metropolregion Nürnberg derzeit darüber nach, sich als Kulturhauptstadt Europas 2025 zu bewerben, fügt der Direktor hinzu. Wobei er es gar nicht schlecht fände, wenn man statt schnell verrauchender Strohfeuer die Kultur vor Ort lieber solide finanziere. Viele Events seien ja eher nicht nachhaltig.

Luther-Freund Cranach

Im Großen und Ganzen ist Großmann aber, der seit 20 Jahren die Geschicke des GNM leitet, mit der Stadt als Partner sehr zufrieden. Auch wenn man von der Hauptarbeit seines Teams weniger mitbekommt, weil die Forschung im Mittelpunkt steht: Auch 2015 gibt es zwei interessante Sonderschauen und einen aktuellen reformatorischen Schwerpunkt: Passend zur Lutherdekade wird beispielsweise ein besonderes Augenmerk auf Lucas Cranach d. Ä. (um 1472-1553), einen Freund Luthers, geworfen. Mehrere seiner Gemälde sind in der Dauerausstellung zu bewundern und werden ein Jahr lang im Begleitprogramm berücksichtigt. Schließlich spielten Bilder für die Verbreitung der lutherischen Lehre eine entscheidende Rolle.

Als erste Sonderschau werden vom 7. Mai bis 6. September Monster das Museum unsicher machen. Unter dem Titel "Fantastische Bilderwelten zwischen Grauen und Komik" sind faszinierende Darstellungen von Drachen, Dämonen, wütenden Teufeln, höllischem Getier und nach Blut dürstenden Vampiren zu sehen. Rund 200 Exponate laden ein, sich auf die Spuren von Monstermythen zu begeben, die vom Mittelalter bis in die Gegenwart Menschen das Gruseln lehrten. Das christliche Mittelalter sah in ihnen vor allem eine Verbildlichung des Teufels und des Bösen. Die Spanne der Objekte reicht vom Echternacher Codex bis zu Edvard Munchs "Vampir".

Die zweite Sonderschau widmet sich ab 3. Dezember der Mode und präsentiert "Kleider und Bilder aus Renaissance und Frühbarock". Rund 50 Kostüme aus der Zeit von 1560 bis 1650 werden im Kontext zeitgenössischer Gemälde und grafischer Blätter zur Schau gestellt. Hinzu kommen seltene Zeugnisse aus dem Kleideralltag des 16. und 17. Jahrhunderts, darunter die erstmals ausgestellten Funde aus einer Bremer Schneiderwerkstatt, Nadeln, Scheren, Fingerhüte und Kleiderbürsten. Die Stücke erlauben Nahsichten auf Formen, Materialien und Machart.

Internationale Arbeit

Außerdem werden Antworten gesucht auf die Frage, wie verlässlich erhaltene Exponate als Zeugen der Vergangenheit gelten können, denn selten haben die Originale die Jahrhunderte schadlos überstanden. Diese Ausstellung wird übrigens von internationalen Sammlungen wie dem Metropolitan Museum of Art in New York und der Königlichen Leibrüstkammer Stockholm unterstützt. Letztere steuert ein als Zuschnitt erhaltenes Wams von 1610 bei - ein einzigartiges Dokument historischer Schneiderpraxis.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.gnm.de
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