Geschichten aus dem Leben einer Zauberfrau

Einen Einblick auf die Epoche boten Barbara Wussow (von links), Stephan Matthias Lademann und Annika Gerhards. Bild: Steinbacher

Sie war ein "fesches Mäderl" und doch für ihre Zeit erstaunlich emanzipiert. Im Amberger Stadttheater sprach Alma Mahler-Werfel mit der Stimme von Barbara Wussow selbst über ihr Leben.

Amberg.Die Schauspielerin trug Auszüge aus Tagebüchern und Briefen der "Zauberfrau" vor. Nicht lesend, sondern spielend. Sie schlüpfte in die Rolle der jungen unentschlossenen Alma Schindler, die ihren Weg im Leben noch suchte und ihre innersten Gefühle zu Papier brachte. Ebenso wie in die der greisen Alma Mahler-Werfel, die lebenssatt in ihrer New Yorker Zweizimmerwohnung eine Epoche, die auch die ihre war, Revue passieren ließ.

Emotionale Frau

Wussow zeigte die Bandbreite von Gefühlen, die in den Selbstzeugnissen steckten. Unbedingte Liebe und Zuneigung oder Ablehnung und Gleichgültigkeit, und das oft gleichzeitig, prägten die Gefühlswelt von Alma Mahler. Wenn sie liebte, liebte sie vorbehaltlos. Aber genauso schnell wie die Liebe sie übermannte, verlor sie auch das Interesse am Objekt ihrer Begierde. Das musste auch ihr zweiter Mann, der gut aussehende Architekt Walter Gropius, erfahren, für den sie schon kurz nach der Hochzeit eine herzliche Abneigung empfand. "Ich bin nicht Gropius! Ich bin Alma Mahler!" ließ sie trotzig, aber bestimmt verlauten. Die Erinnerung an das Genie ihres ersten Mannes war übermächtig geworden, obwohl auch in dieser Ehe nicht immer eitel Sonnenschein herrschte.

Einen anderen Blick auf die Epoche warf Annika Gerhards. Die Sopranistin interpretierte Lieder von Alma Mahlers Zeitgenossen, mit denen diese im regen - nicht nur künstlerischen - Austausch stand, wie Alexander von Zemlinsky, Hans Pfitzner, Richard Strauss und natürlich Gustav Mahler. Auch einige Lieder von Alma Mahler selbst haben den Weg in die Auswahl gefunden. Gerhards angenehme, warme Stimme wurde den Stücken gerecht, die aus der Zeit der beginnenden Moderne stammten. Zärtlich-sanft ließ die Sängerin die Gefühlswelten der "Zauberfrau" und "Jahrhundertmuse" vor den Zuhörern erstehen. Für unschuldige Naturbetrachtungen fand sie ebenso die richtigen Töne, wie für hochemotionale Eruptionen.

Wenn die Lieder auch manchmal nicht ganz die in den Tagebüchern niedergeschriebenen Empfindungen ausdrückten, entstand doch eine Symbiose aus Geschriebenem und Komponiertem. Ein besonderes Kompliment gilt Gerhards für ihren fein akzentuierten und textverständlichen Vortrag, bei dem sie selbst in den hohen Lagen und im Forte die Vokale deutlich unterscheidbar sang. Zwischen zwei hervorragenden Könnerinnen ihres jeweiligen Fachs bleibt dem Dritten im Bunde meist nur eine Nebenrolle. Es geht die Rede, dass der Begleiter am Klavier seine Arbeit gut gemacht hat, wenn er nicht auffällt. Das gilt nur eingeschränkt für Stephan Matthias Lademann. Ja, er hielt sich dezent im Hintergrund, und Nein, er war nicht unauffällig. Mit seinem Spiel stützte er die Dramatik der Lieder und bot Gerhards seine sichere Begleitung auf dem schwierigen Weg durch die Kompositionen der anbrechenden musikalischen Neuzeit.

Zeit des Umbruchs

"Alma Mahler - Zauberfrau" entführte die Zuhörer in eine Zeit des Umbruchs. Die politischen Wirrnisse der Zeit - Weltkrieg, Ende der Monarchie, Wirtschaftskrise und aufkommender Faschismus - bargen eine noch ungeahnte und ungewisse Zukunft in sich. Die Künstler jener Jahrzehnte waren einerseits selbst Revolutionäre auf ihrem Gebiet, andererseits flüchteten sie sich in die vergangene und verklärte Epoche der Romantik. Diese beiden Pole anschaulich und hörbar deutlich gemacht zu haben, ist dem Zusammenwirken des Trios Wussow, Gerhards und Lademann zu verdanken.
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