Götz Georges Bedeutung für den Film
Schimmi machte Schtonk

Götz George 1991 mit Christiane Hörbiger in "Schtonk". Bild: dpa

"Das Schwein", "Der Sandmann", "Mein Vater" "Schulz & Schulz", "Der "Novembermann" und so weiter: Götz George hat kaum eine Rolle ausgelassen und das Fernsehen geprägt.

Berlin. George hat als "Schimmi" Geschichte geschrieben. Seine kumpelhafte Art Currywurst und Bier zu konsumieren oder "Scheiße" zu sagen, war einzigartig. "Im Fernsehen war Götz George vor allem für den und durch den Kommissar Schimanski stilgebend", sagte Medienwissenschaftler Joachim Trebbe. "Eine absolut provokative Interpretation des Ermittlungsbeamten im öffentlichen Dienst. Die Rolle erlaubt ihm, Sachen zu sagen, die man vorher im Fernsehen nicht gehört hatte. Teile dieser Rolleninterpretation sehen wir heute noch in jedem ,Tatort'."

Arbeitstier und Grenzgänger


Doch es wäre falsch, Götz George, der vor gut einer Woche im Alter von 77 Jahren gestorben ist, vor allem als Ruhrpott-Rambo in Erinnerung zu behalten. Mit diversen Rollen prägte er das Kino, auch im boomenden Privatfernsehen setzte er Zeichen. George wurde zum Arbeitstier - heiß umworben und hart an der Kapazitätsgrenze. "Als Götz George sich in dem Tatort "Duisburg Ruhrort" vor einer Plakatwand mit dem Bild seines Vorgängers Hans-Jörg Felmy verbeugte, um sich die Schuhe zu binden, war dies ein Abschied von der bisherigen Tradition des Deutschen Fernsehkrimis", sagte die Medienwissenschaftlerin Joan Kristin Bleicher. "Sein Rollenspektrum war von einer großen Vielfalt gekennzeichnet." Einige Beispiele:

"Schulz & Schulz" (1989) : Ein Fünfteiler fürs ZDF, in dem George in einer Doppelrolle zwei Brüder im Westen und Osten Deutschlands verkörpert, die ihre Rollen tauschen.

"Schtonk!" (1992): Preisgekrönte Satire mit George als Skandalreporter über gefälschte Hitler-Tagebücher.

"Das Schwein" (1995) : Ein dreiteiliges Sat1-Drama. Götz George ist spielt ein Unternehmer, der ohne Rücksicht auf Verluste nur an seine Karriere denkt - und scheitert.

"Der Sandmann" (1995) : Im Thriller für RTL II gibt George einen Prostituiertenmörder, der sich nach als Autor einen Namen machen will.

"Die Bubi-Scholz-Story" (1997) : Der athletische George in einem einfühlsamen ARD-Zweiteiler als Boxer, der im Rausch seine Frau tötet.

"Mein Vater" (2003) : George schlüpfte für die ARD in eine viel beachtete Rolle als Alzheimerkranker, den sein Sohn bei sich aufnimmt.

"Die Katze" (2007) : Neuauflage seines Films mit Gudrun Landgrebe (1988) für die ARD: Die Fatale Heirat eines Ex-Häftlings und einer Fabrikantentochter (Hannelore Hoger).

"Der Novembermann" (2007) : Ein viel beachtetes Drama mit Burghart Klaußner und Barbara Auer über eine "alljährliche" Affäre.

"George" : Götz George verarbeitete 2013 seine Familiengeschichte in dem ARD-Drama über seinen Vater, Schauspieler Heinrich George (1893-1946), einen Ufa-Star zur NS-Zeit - eine der schwierigsten Rollen in Georges Schauspielerleben.

Trauer um Götz George

Berlin. (dpa) Prominente aus Politik, Film und Fernsehen haben den mit 77 Jahren gestorbenen Schauspieler Götz George als Ausnahmekünstler und großen Charakterdarsteller gewürdigt:

"Wir verlieren mit Götz George einen großen deutschen Charakterschauspieler. Für mich war er der Beste, den wir hatten." Armin Mueller-Stahl, Schauspiel-Kollege

"Sein Tod ist ein unersetzlicher Verlust für die Fernseh- und Kinokunst im ganzen deutschsprachigem Raum." Monika Grütters, Kulturstaatsministerin

"Er war so großzügig, lustig, talentiert. Seine Energie ist charakteristisch für ihn." Denise Virieux, 20 Jahre Filmpartnerin als "Schimanski-Geliebte"

"Götz George war ein Gigant des deutschen Films." Tom Buhrow, Intendant Westdeutscher Rundfunks (WDR)

"Scheisse, tut das weh." Veronica Ferres, Schauspielerin

"Ein Ausnahmekünstler, der vielseitig und intensiv die Abgründe und Hintergründe unserer Gesellschaft offengelegt hat." Frank-Walter Steinmeier, Außenminister

"Götz George war ein großer Schauspieler voller Energie und Empfindsamkeit. Mit Schimanski hat er ein Stück NRW-Geschichte geschrieben." Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalen

Letzte Götz-George-Premiere am 3. OktoberGötz Georges letzter großer TV-Auftritt ist für den 3. Oktober vorgesehen. Am Tag der Deutschen Einheit wird das Erste das 2015 produzierte und bislang noch nicht gesendete Drama "Böse Wetter" erstmals ausstrahlen, teilte die Programmdirektion in München am Montag mit. Im Krimidrama zur deutsch-deutschen Vergangenheit spielt George den Bergbau-Baron Ferdinand Türnitz im Harz. Ein zwielichtiger Unternehmer, der in den 1970er Jahren eine undurchsichtige Rolle gespielt hat, als der Vater des Geophysiker Leonard Gehras (Matthias Koeberlin) ums Leben kam. Gehras, der neue Abbaumethoden für Silber entwickelt hat und sie im Harz anwenden will, trifft auf Türnitz. Nach und nach kommt die ganze Wahrheit zum Vorschein. (dpa)
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