Grenzenloses Musikspektakel im Audimax mit Perkussionist Martin Grubinger und Camerata Salzburg
Hey Leute, Musik macht Spaß!

Regensburg.Am Ende verlässt man leicht taumelnd den Saal. Benommen von den Eindrücken. Was zum Teufel hat man da soeben erlebt? Ein rhythmisches Feuerwerk, ja sicher, darauf war man vorbereitet. Aber da war noch so viel mehr. Musik vor den Saaltüren und brandheiße Tango-Ekstase. Singende Orchestermitglieder, ein swingender Dirigent und eine Blaskapelle, die fröhlich durch die Reihen zieht.

Ansteckungsgefahr

Und zwischendrin, auf Zack und immer dabei, ein drahtiger junger Herr in Schwarz, der mal mehr, mal weniger im Mittelpunkt die Fäden zieht. Schon allein das macht diesen Kerl so ungemein sympathisch. Denn Martin Grubinger, weltweit gefeierter Schlagzeuger und Multiperkussionist aus Österreich, ist ein Teamplayer. Und das, was er am Samstagabend im Regensburger Audimax auf die Bühne brachte, war keine One-Man-Show mit Orchesterbegleitung, sondern ein Best-of aus fünf Jahren enger Zusammenarbeit mit der fabelhaften Camerata Salzburg.

Ein atemberaubendes, mitreißendes Spektakel eines Besessenen, der auszog, um zusammen mit knapp 40 weiteren Musikbesessenen die Botschaft zu verkünden: Hey Leute, Musik macht Spaß! Und das Tolle daran, die Botschaft kommt an. Nicht nur dann, wenn Grubinger und sein Partner Manuel Hofstätter ein perkussives Feuerwerk aus Kraft, Präzision und orientalischer Sinnlichkeit zünden (Avner Dorman "Spices, Perfumes, Toxines").

Am Dirigentenpult der ebenso mitreißende wie lässig entspannte John Axelrod, der mit keiner seiner Gesten sein Faible für Pop und Jazz leugnen kann. Ihm gelingt es, das an diesem Abend bunt gemischte Publikum auch für Werke der klassischen Moderne zu begeistern. Für das "Unanswered Question", eine Raumkomposition von Charles Ives mit Fernorchester vor den Saaltüren, oder für Zoltan Kodalys ungarisch gefärbte "Tänze aus Galanta".

Und dann Bernsteins "West Side Story", wann hat man diese Themen zuletzt so taufrisch gehört, Piazzolla so kompromisslos leidenschaftlich? Beides von Grubinger perkussiv aufgepeppt, der sich uneitel in den Orchesterapparat einreiht.Grenzen gibt es nicht. Weder zwischen Solist und Orchester noch zwischen E- und U-Musik.

Umzug durchs Publikum

Getreu Bernsteins Motto gibt es an diesem Abend nur gute Musik und die, by the way, auf spieltechnisch höchstem Niveau. Schlussendlich lösen sich auch die Grenzen zwischen Bühne und Publikum auf. Grubinger gibt den Startschuss. Mit einem elektrisierenden Trommelsolo in Wolf Kerscheks "Jazz-Suite", gefühlte 100 Schläge in der Sekunde. Was dann folgt ist eine riesige Sause mit Gags, Show- und Gesangseinlagen, gekrönt vom Bläserumzug durch das Audimax. Partystimmung vor und auf der Bühne.
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