Grimme-Preise
Preis-Gala ohne Jan Böhmermann

Wo steckt Böhmermann? Der Schauspieler Max Mauff ("Patong Girl") hielt vor der Verleihung der Grimme-Preise am Freitagabend in Marl ein Plakat mit dem Gesicht des ZDF-Moderators in den Händen. Bild: dpa

Marl. (dpa/epd) TV-Satiriker Jan Böhmermann (35) blieb der Grimme-Preis-Gala am Freitag in Marl fern. Er habe mit der Institutsdirektorin Frauke Gerlach gesprochen und dann per SMS die Absage geschickt, sagte Grimme-Sprecher Lars Gräßer. Böhmermann hatte auf Facebook geschrieben: "Ich fühle mich erschüttert in allem, an das ich je geglaubt habe. Mein Team ... und ich bitten um Verständnis, dass wir heute Abend nicht in Marl feiern können." Böhmermann wurde in Abwesenheit für einen Beitrag über den damaligen griechischen Finanzminister Gianis Varoufakis ausgezeichnet.

Gerlach fordert Sachlichkeit


Frauke Gerlach hat den wegen seines Schmähgedichts über den türkischen Präsidenten Erdogan in der Kritik stehenden Böhmermann am Abend in Schutz genommen. "Wir haben zu Recht ein Grundgesetz, das die Meinungsfreiheit, die Pressefreiheit und die Kunstfreiheit schützt", sagte sie zu Beginn der Verleihung der Fernsehpreise. "Es besorgt mich sehr, mit welcher Hitzigkeit die Debatte geführt wird. Ich würde mich freuen, wenn die ganze Debatte wieder versachlicht würde." Die Mainzer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Satiriker, weil er in seiner ZDF-Sendung "Neo Magazin Royale" vor gut einer Woche in dem Gedicht über Erdogan mit Begrifflichkeiten unterhalb der Gürtellinie gearbeitet hatte.

Preise für Kika, Vox und RTL


Insgesamt wurden 14 Preise in den Kategorien "Fiktion", "Unterhaltung", "Information und Kultur" sowie erstmals für "Kinder- und Jugendproduktionen" vergeben. Erste Preisträger in dieser neuen Kategorie sind die Kika-Sendung "Ene Mene Bu" und der Mehrteiler "Club der Roten Bänder" (Vox) über krebskranke Jugendliche im Krankenhaus.

In der Kategorie "Information und Kultur" erhielt die deutsch-arabischsprachige N-tv-Sendereihe "Marhaba - Ankommen in Deutschland" für Flüchtlinge einen Preis. "Schorsch Aigner - der Mann, der Franz Beckenbauer war" (WDR) mit Olli Dittrich bekam einen Grimme-Preis in der Kategorie "Unterhaltung". In der Kategorie "Fiktion" befand die Jury unter anderem die Reihe "Deutschland 83" (RTL) über einen jungen Stasi-Spion im Westen für preiswürdig.
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