Großer Empfang für ESC-Sieger Måns Zelmerlöw - Deutschland und Frankreich hadern
Schweden bejubeln ihren "Hero"

Da jubelt der Schwede: Måns Zelmerlöw hat mit "Heroes of the Night" den ESC 2015 gewonnen. Bilder: dpa
Der Sieger des Eurovision Song Contest (ESC), Måns Zelmerlöw, kann sich in seiner Heimat Schweden über viel Jubel freuen. Seine Heimatgemeinde Lund plante für den 28-Jährigen, der am Sonntag bereits nach Stockholm flog, für Montagabend einen großen Empfang. Es ist bereits das sechste Mal, dass Schweden den ersten Platz beim größten Popmusik-Wettbewerb Europas belegt.

Deutschland hatte mit der Sängerin Ann Sophie und ihrem Titel "Black Smoke" keinen einzigen Punkt von Jury und TV-Publikum bekommen und war zusammen mit Österreich auf dem letzten Platz gelandet.

Als Lehre aus dem schlechten Abschneiden unter insgesamt 27 Finalisten warnt der ESC-Experte Irving Wolther vor einer Suche nach platten Erfolgsformeln. "Mit einer Formel gewinnt man den ESC nicht. Man gewinnt den ESC mit unverwechselbarer Eigenständigkeit von Lied und Künstler", sagte Wolther. Bestes Beispiel sei der Sieg von Lena Meyer-Landrut 2010 in Oslo gewesen. Hier habe Deutschland auf einen eigenständigen Charakter gesetzt. "Das hat funktioniert."

Punkte, die nicht zählen

Nach Vorliegen des Abstimmungsergebnisses von Jury und TV-Publikum in 40 Ländern ist inzwischen auch klar, dass Ann Sophie mehrfach nur knapp an den Punkten vorbeischrammte. "Auftritt und Song hatten definitiv keine null Punkte verdient", sagte Wolther.

Der langjährige ARD-Kommentator Peter Urban regte eine Diskussion über das Reglement an. Die Regel, dass nur die jeweils zehn Länder mit den meisten Stimmen Punkte bekämen, stamme aus einer Zeit mit weniger Teilnehmern. Im aktuellen Fall habe das bedeutet, dass bei jedem Voting 17 der insgesamt 27 Teilnehmer automatisch leer ausgegangen seien. "Das ist eine Ungerechtigkeit im System, die man überdenken sollte", sagte Urban, der den ESC in diesem Jahr zum 18. Mal kommentierte.

In Frankreich löste das enttäuschende Abschneiden von Lisa Angell, die mit ihrem Chanson "N 'oubliez pas" (Vergesst nicht) an den Ersten Weltkrieg erinnerte, auch grundsätzliche Kritik am ESC aus. Die Kandidatin selbst erlebte ihren 25. Platz als "Ungerechtigkeit". Ihr Produzent Jean-Claude Camus forderte sogar, dass Frankreich eine Zeitlang nicht mehr an dem Wettbewerb teilnehmen solle. "Ich denke, man müsste ein Zeichen setzen", sagte er dem Fernsehsender BFMTV und machte es den anderen Teilnehmern zum Vorwurf, nicht in ihrer Landessprache zu singen.

Frankreich: Eine Maskerade

Die Unterhaltungschefin des Fernsehsenders France 2, Nathalie André, sprach von einer "Maskerade". Man müsse sich die Frage stellen, ob Frankreich im nächsten Jahr wieder teilnehme - oder mit einer ebenso modernen Nummer antrete wie die anderen Länder, sagte sie dem Radiosender France Info. Frankreich landete in den vergangenen Jahren häufig auf den hinteren Plätzen, seinen letzten Eurovisions-Sieg fuhr das Land 1977 ein.

ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber kündigte für Deutschland eine sorgfältige Analyse an. "Wir werden jetzt genau überlegen, wie wir uns auf den ESC 2016 vorbereiten."
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