Grubendrama über 33 chilenische Bergleute
"69 Tage Hoffnung" startet im Kino

Antonia Banderas (vorne), der in "69 Tage Hoffnung" Mario Sepúlveda spielt, ist eindeutig der Star des Films. Bild: Alcon Entertainment/dpa

Berlin. Selbst ein sehr fantasiebegabter Drehbuchautor hätte sich diese Geschichte nicht ausdenken können: 33 chilenische Bergleute werden im Sommer 2010 in einer Mine verschüttet, bleiben 69 Tage lang in fast 700 Metern Tiefe eingeschlossen, und werden dann einzeln mit einer Rettungskapsel wieder ans Tageslicht gebracht. Der hochkarätig besetzte, aber konventionell inszenierte Spielfilm "69 Tage Hoffnung" der mexikanischen Regisseurin Patricia Riggen erzählt diese bewegende Rettungsaktion durchaus berührend nach, und setzt dabei vor allem auf die Strahlkraft seiner renommierten Darsteller.

Allen voran ist es natürlich Antonio Banderas, der in der Rolle des charismatischen Leitwolfs Mario Sepúlveda das Grubendrama dominiert. Dieser Bergmann ohne Furcht und Tadel hält die Gruppe der Eingeschlossenen zusammen und verteilt gerecht die spärlichen Essensrationen, bestehend aus etwas Milch und Dosen-Thunfisch. Zwangsläufig wirken die anderen Eingeschlossenen neben diesem strahlenden Protagonisten fast wie Statisten.

Leider fehlen die kritischen Zwischentöne. Riggens heroisches Drama, in dem das Unglück in der uralten Kupfer-und Goldmine "San José» wie ein Naturereignis daherkommt, interessiert sich nicht für die Schlamperei der Bergwerksbetreiber, die Profit weit über Grubensicherheit gestellt hatten. Auch die Instrumentalisierung des Unglücks durch die Politiker wird nicht hinterfragt, der Präsident darf sich im Glanze des fürsorglichen Landesvaters sonnen.

Während des Abspanns sehen wir zum ersten Mal die echten Bergleute am Strand. Sie feiern und umarmen sich, aber in ihre Gesichter hat sich das Trauma der 69 Tage eingeschrieben. Grund zum Jubeln haben sie nicht: Erst zum vierten Jahrestag der Rettung hat die Regierung Chiles jedem der 33 eine monatliche Rente von gut 400 Euro zugesprochen, die Hälfte ihres Einkommens als Arbeiter in der Mine.

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Regie: Patricia Riggen - Mit Antonio Banderas, Juliette Binoche - Musik: James Horner - 127 Minuten - freit ab 12 Jahren - Im Internet: www.warnerbros.de/kino/69_tage_hoffnung.html
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