Günter Grass sorgt sich um neue Art von Krieg und Machtschwund der Politik
Unüberschaubare Lage

Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat sich besorgt über die weltweiten Konflikte geäußert. Er frage sich manchmal, ob nicht bereits ein dritter Weltkrieg begonnen habe, "auf eine ganz andere Art, als wir es vom Ersten und Zweiten Weltkrieg her kennen", sagte er der in Bielefeld erscheinenden "Neuen Westfälischen" (Montagsausgabe).

Es seien "neue Kampfformen" entwickelt worden: "Allein über das Internet können heute Systeme blockiert und Wirtschaftskriege geführt werden." Das laufe parallel zu den klassischen kriegerischen Konflikten etwa in der Ukraine und in Syrien ab, sagte der 87-jährige Schriftsteller. Es sei "eine unüberschaubare Lage entstanden, die mich sehr sorgenvoll stimmt".

Grass kritisierte, dass der Handlungsspielraum der Politik immer weiter verkleinert worden sei: "Immer mehr Macht geht von Banken und Lobbygruppen aus, dadurch verkommen die demokratisch gewählten Parlamente zu Spielstätten ökonomischer Interessen." Das mache es für Politiker deutlich schwieriger und führe auch zu geringen Wahlbeteiligungen und Zulauf für Gruppen wie die islamfeindliche "Pegida"-Bewegung.

In der aktuellen Situation vermisst Grass eine friedensstiftende Kraft in Europa, die die weltweiten Konflikte lösen helfen könnte. "Es gab eine Zeit, in der mit Olof Palme in Schweden, Willy Brandt in Deutschland und Bruno Kreisky in Österreich drei Politiker in Europa gewirkt haben, die wirklich staatsmännisch handelten", sagte er: "Staatsmänner von diesem Format fehlen uns heute."
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