Gunther von Hagen darf "Körperwelten"-Museum in Berlin eröffnen
"Menschen-Museum" erlaubt

Die Posen der plastinierten Körper sorgten stets für Diskussionen zwischen Kritikern und Befürwortern - und bieten trotz des Urteils wohl weiter einen Ansatzpunkt für rechtliche Schritte gegen das Menschen-Museum. Bild: dpa

Nicht jeder tote Körper ist eine Leiche - zumindest nicht nach Meinung von Juristen. Der umstrittene Leichenpräparator von Hagens darf sein "Körperwelten"-Museum mitten in Berlin eröffnen. Das gefällt längst nicht allen.

Die Toten posieren als Denker, als Radfahrer oder beim Sex. Die Haut hat man ihnen abgezogen, ihre Muskeln und Nervenstränge sind gut sichtbar. Die schwarze Lunge eines Rauchers steht eindrucksvoll neben dem hellrosa Organ eines Nichtrauchers. Etwa 20 plastinierte Körper und bis zu 200 Einzelstücke will Leichenpräparator Gunther von Hagens dauerhaft in einem "Menschen-Museum" zeigen - mitten in Berlin, am Fuße des Fernsehturmes.

Der Bezirk Mitte lief Sturm dagegen. Nach seiner Auffassung handelt es sich um Leichen, und deren Ausstellung sei nach dem Bestattungsrecht nicht zulässig. Die Richter sehen das nun anders. Ende Januar soll das Museum eröffnet werden. Der umstrittene von Hagens, der das Museum als einen langgehegten Traum bezeichnet hat, braucht dafür jedenfalls keine Genehmigung nach dem Bestattungsgesetz. So urteilte das Verwaltungsgericht am Freitag.

Nach dem Willen des Gesetzgebers seien plastinierte Körper keine Leichen im Sinne der Vorschrift, begründete der Vorsitzende Richter Björn Schaefer das Urteil. In dem Gesetz gehe es um die schnelle Bestattung Verstorbener. Plastinate aber verwesten nicht und könnten damit nicht auf einem Friedhof bestattet werden. Auch eine Einäscherung sei nicht möglich. Nicht um den Tod, sondern um das Leben geht es erklärtermaßen auch von Hagens' Frau und Kuratorin, Angelina Whalley. Sie war im Gericht dabei, ihr an Parkinson erkrankter Mann nicht. Er hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Für sie als Ärztin sei die Ausstellung ein Erfolg, weil sie Menschen zum Nachdenken anrege. "Viele Menschen nehmen ihren Körper nach dem Besuch der Ausstellung nicht mehr für selbstverständlich", sagt Whalley. "Sie hören etwa mit dem Rauchen auf."

Menschenwürdige Posen?

Der Bezirk Mitte sieht das anders - für ihn verstößt die Dauerausstellung gegen die Menschenwürde. Ähnlich argumentieren seit Jahren auch andere "Körperwelten"-Kritiker. Die Körper würden in "effekthascherischen Posen" ausgestellt, die "Sensationslust" werde bedient. Spender hätten keinen Einfluss darauf, wie ihre Leichen ausgestellt würden. Für diese Bedenken lässt das Gericht eine Hintertür offen: Verstoßen die Ausstellungsmacher gegen die öffentliche Ordnung - verletzen sie etwa die Menschenwürde - könne die Behörde ein Verbot jederzeit auf das allgemeine Ordnungsrecht stützen.

Das Berliner Bezirksamt Mitte überlege dennoch, ob es so gegen das Museum vorgehen kann, sagt die Rechtsamtsleiterin Luise Geisler-Ortmann. Dem Anwalt der Klägerin - also des Unternehmens, das die Ausstellung organisiert - bereitet das keine Sorgen: Die plastinierten Körper würden nicht in lächerlich machenden Posen ausgestellt. Die Menschenwürde werde gewahrt.
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