"Harmony Prague" lässt sich bei Wurzer Sommerkonzerten von Windböen nicht beeindrucken
"Musik ist eine Himmelsgabe"

"Harmony Prague" fühlten sich auch auf der grünen Wiese des historischen Wurzer Pfarrhofs wohl und begeisterten das Publikum. Bild: ske
Aus Sorge um die Sonnenempfindlichkeit der kostbaren Streichinstrumente rückte das Kammerorchester "Harmony Prague" beim Konzert am Sonntagnachmittag nach vorne. So entsteht eine unmittelbare Nähe zum Publikum, manch einer im Auditorium kann fast in den Notenblättern mitlesen. Sofern diese nicht, wie kurz vor der Pause, von einer kräftigen Windböe fortgeweht werden. Die Veranstalter haben vorgesorgt: Ein Körbchen mit Wäscheklammern steht griffbereit, kurzerhand werden die Noten festgeklemmt.

Mit großem Enthusiasmus gelingt es den Streichern, die zugleich anspruchsvolle wie verspielt-leichte Musik aus der Zeit des Barock darzubieten. Die "Sonata Spiritus Sancti" von 1666 für Violine und Viola des böhmischen Komponisten und Barocktrompeters Pavel Josef Veivanovský, die Werke von Antonio Vivaldi, Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart oder die "Sonata da chiesa op. 1, Nr. 4 a-moll" des italienischen Komponisten und Barock-Violinisten Arcangelo Corelli lassen die Zeit wie im Flug vergehen.

Melodische Führung

Mögliche Vorbehalte gegen die Musik des Barock sollten nicht nur "erfahrene und leidenschaftliche" wie auch neue Wurz-Besucher schon jetzt zu Beginn der diesjährigen Konzertreihe aufgeben oder erst gar nicht aufkommen lassen, sich vielmehr auf die Werke einlassen, ihnen eine Chance geben.

Ist es doch gerade die frische melodische Führung bei spürbar straffem formalem Aufbau der Weisen, die unbestreitbar gut in die Atmosphäre des historischen Pfarrhofs passt. Das Kammerorchester Harmony Prague wird von Musikern des Orchesters Symphony Prague gegründet. Mit seiner flexiblen Besetzung kann es sich hervorragend an die jeweiligen Anforderungen des Konzertprogramms anpassen.

Miroslav Vilimec ist künstlerischer Leiter des Kammerorchesters und zählt zu den führenden Violinisten in Tschechien. Die Musiker folgen seiner Aussage "Musik ist eine Himmelsgabe. Es ist für mich Auftrag und Verpflichtung, diese mit Anerkennung darzubieten."

Das harmonische Spiel unterstreicht und begleitet wohltuend die Ruhe des Sommernachmittags. Die Natur im Pfarrhof, der Wiesenboden, die Bäume nehmen der Klangfülle der Streichinstrumente nichts, tragen vielmehr zum Wohlklang bei. Als ob sich die Natur freut, in ihrer Schönheit begleitet zu werden. Die Klänge verhallen oder verblassen nicht, sondern sind in angemessener Klangreinheit zu hören. Zumindest in der näheren Umgebung der Musiker. Aber auch aus größerer Entfernung ist die Virtuosität der Musiker nicht nur spürbar, sondern direkt erleb- und nachvollziehbar. Anstrengungen der vergangenen Woche, zu erwartender Druck der folgenden Tage lösen sich in der perlend-leichten Musik des Barock förmlich auf.

Besondere Stimmung

Immer wieder sind es in Wurz die besonderen Gegebenheiten der Kulisse, die die ganz besondere Stimmung schaffen, jedes Konzert zu einem Erlebnis werden lassen. Beim Allegro der "Sinfonia C-Dur" von Vivaldi ist es ein kleiner Vogel im Baum über den Musikern, der sich bravourös ins Konzert einmischt. Taktsicher begleitet er die Melodie bis nach dem "Presto", dann überlässt er die Arbeit wieder den Musikern.
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