Heitere Barockmusik bei Wurzer Sommerkonzerten im Pfarrgarten
Zum Gefallen des Königs

"Musica Bellaria" mit Gritli Kohler (Block- und Traversflöte), Jesenka Balic-Zunic (Barockgeige), Thomas Goetschel (Gambe) und Carsten Lorenz (Cembalo) in Wurz. Bild: Kempf
Dem König wäre es ein Wohlgefallen gewesen, ebenso dem höfischen Publikum. Auch die Zuhörer im 21. Jahrhundert lauschen begeistert den heiteren und ernsten Weisen, die im Hochsommer im historischen Pfarrgarten erklingen.

Das Konzert wird dem Motto der diesjährigen Wurzer Sommerkonzerte vollumfänglich gerecht: "Alte Musik - so jung wie nie" wird unter dem Titel "Les plaisiers de Roy" dargeboten. Schließt man als Zuhörer die Augen und verfügt über ein wenig Fantasie, kann man sich wie in den Gärten von Versailles zu Zeiten Ludwigs des XIV. fühlen.

Barockinstrumente gespielt

Die Melodien von Francois Couperin, Henri DuMont, Jean-Baptiste Lully, Marc-Antoine Charpentier, Martin Marais, Anne Denican-Philidor und Jean-Baptiste Senaillé präsentieren die Künstler auf traditionellen Barockinstrumenten. Die einzelnen Stücke, virtuos von "Musica Bellaria" mit Gritli Kohler (Block- und Traversflöte), Jesenka Balic-Zunic (Barockgeige), Thomas Goetschel (Gambe) und Carsten Lorenz (Cembalo) gespielt, führen den Zuhörer in einem Melodienreigen in die Welt und das bewegte Leben des Sonnenkönigs - von seiner Kindheit zur Lebensphase als "allerchristlichste Majestät, Vorbild für ganz Europa" und seinem Tod. Das Leben von Ludwig XIV. war straff durchorganisiert, er war letztendlich nicht frei in seiner Lebensgestaltung, seinem Tun und Handeln, auch in seinen privatesten Belangen.

Diese Fremdbestimmung spiegelte sich in seinen eigenen Ansprüchen wieder, er selbst verlangte nach allumfassender strenger Organisiertheit um ihn herum, nichts wurde dem Zufall überlassen. Auch die Kunst, ihre Darbietung, war organisiert und reglementiert. Spontaneität, Improvisation, Zufall waren ihm ein Gräuel. Alles war inszeniert, stilisiert, fast unwirklich. Er wollte Frankreich zum Vorbild für die ganze Welt formen. Jeder um ihn herum versuchte, seinen Wünschen gerecht zu werden.

Dramatisches Leben

Das Programm des Konzertabends in Wurz nimmt dies auf, die Musiker aus Baden-Württemberg, der Schweiz und Norwegen schaffen es, mit ihrem Spiel nicht nur in die Musik des Barocks zu entführen, sondern das dramatische Leben des Königs erlebbar zu machen. Mitunter glaubt man, sich im höfischen Garten von Versailles, erwartet, dass sich das Publikum, so wie es in Versailles üblich war, von den Plätzen zum Tanz erhebt. Die schwülheißen Temperaturen lassen das aber nicht zu. Auch wäre der Eindruck durch die moderne Sommerkleidung sicher entscheidend geschmälert worden.
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