Herbert Schuch beendet brillanten Schubert-Janácek-Zyklus im Amberger Stadttheater - Liebe zum ...
Wandern zwischen Himmel und Hölle

Der Kölner Pianist Herbert Schuch beendete am Sonntag im Stadttheater Amberg den Schuch-Janácek-Zyklus. Bild: Hartl
Amberg.Hüte hätte man ziehen, Flaggen hätte man hissen sollen nach diesem überwältigenden Schubert-Abend. Die akkumulierte Spannung nach sechs zyklischen Konzerten und aktuell zwei Stunden faszinierendem Zuhören entlud sich ersatzweise in herzlich-begeistertem Applaus und in festen und flüssigen Dankesgaben von Kulturreferent Wolfgang Dersch.

2014 noch Geheimtipp

Beim ersten Konzert am 12. Januar 2014 schienen die Programmidee, der Pianist Herbert Schuch und der angenehme, aber offenbar verdächtige 17-Uhr-Termin noch ein Geheimtipp. Und als ein Jahr vergangen war sind diese drei Faktoren akzeptiert, das ist ja fast schon wie bei manchen Operninszenierungen auf dem grünen Hügel in Bayreuth. Schuch hat die sechs Konzerte auswendig, technisch gleich souverän und bis ins letzte gestalterische Detail geschliffen abgeliefert. Der in Köln lebende Pianist hat sich damit einen musikalischen Ritterschlag verdient. Es war reizvoll, Schubert und Janácek alternierend auf die Bühne zu bringen. Der verwendete Steinway-Flügel aus den 1970er-Jahren rückt die Musik der beiden Autoren allerdings näher zusammen als sie es im Klanggewand ihrer Entstehungszeit waren. Das Instrument war wiederum von Marcus Pfister optimal vorbereitet.

Zum Abschied also Schubert pur: Die drei letzten großen Sonaten, geschrieben 1828, im Todesjahr des Komponisten: c-Moll D 958, A-Dur D 959 und B-Dur D 960. Musik mit klarer Struktur, mit erschütternder Emotion, mit unverwechselbarem Charakter, mit blühender melodischer Fantasie. Schuchs grandioses, hoch konzentriertes Klavierspiel und seine Liebe zum gestalterischen Detail öffnen darüber hinaus die Türen zu einem Kosmos feinster Klänge, verleiht den Motiven eine tiefere Bedeutung und bindet sie in einen übergreifenden Kontext ein.

Viele Bausteine tragen dazu bei. Die flexiblen, nie starren Tempi. Die hohe Kunst weitgreifender Phrasierung. Die sorgsame Pflege versteckter Mittelstimmen. Die individuelle Behandlung der einzelnen Akkordtöne, der die Klänge aufklart. Die sorgsam beleuchteten Oktavpassagen. Die organischen Übergänge. Das Denken in orchestralen Klangfarben. Dramatik und Emotionen, die auf dem Grat zwischen Himmel und Hölle wandern, die fast aber doch nicht außer Kontrolle zu geraten scheinen.

Musiker ohne Allüren

Schon die abschließende Tarantella der c-Moll-Sonate lässt manchmal den Schrecken von Abgründen aufblitzen. Lastend-trostlos die unerbittlich schreitenden Achtelnoten im fis-Moll-Andantino der A-Dur-Sonate. Im Andante der B-Dur-Sonate kostbare, seltene zu hörende Momente eines dreifachen Piano, beim Cis-Dur-Schluss hart an der Grenze zum Nichts. Eine magisch-schwirrende Trillerkunst, die frösteln lässt. Sehr sympathisch und hilfreich, wie bescheiden und ohne künstlerische Allüren Schuch auftritt, er braucht sie nicht.
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