Heribert Prantl liest in der Spitalkirche in Schwandorf aus seinem neuen Buch "Glanz und Elend ...
Ein Heimatabend der besonderen Art

Heribert Prantl. Bild: Götz
Schwandorf.Journalisten sollen schreiben und das Reden tunlichst anderen Leuten überlassen. Doch es gibt Ausnahmen. Zum Beispiel dann, wenn Heribert Prantl auftritt, aus seinen in großer Zahl erschienenen Arbeiten liest und dabei zeigt, dass er auch an einem Stehpult für Aufmerksamkeit sorgen kann.

Demokratie bewähren

Wieder einmal in der Oberpfalz. "Für mich ein Heimatabend", sagt Heribert Prantl in der zum Veranstaltungssaal gewandelten Schwandorfer Spitalkirche. Kein leerer Stuhl. Zur Freude der Stadtbibliothek und des Beamtenbundes, die ihn verpflichteten. Das Thema signalisiert irgendwie eine gewisse Trockenheit. Zum 65. Jahrestag der Grundgesetzgebung hat Heribert Prantl das Buch "Glanz und Elend der Grundrechte" geschrieben.

Und er versteht es, dieser Materie Spannung zu geben. Mit einer Schreibe und Gedankengängen, die ihn seit langem auszeichnen. Prantl belässt es nicht bei Zustandsbeschreibungen und Befindlichkeiten. Er seziert. Sein Skalpell ist das geschliffene Wort. Daraus resultieren Schlussfolgerungen wie diese: "Demokratie muss man lernen. Immer wieder. Demokratie findet jeden Tag statt." Sich dabei einzuordnen als Demokrat sei unerlässlich. "Es ist ungut, wenn Menschen nicht mehr mitmachen."

Gleichwohl: "Demokratie muss sich auch in Krisenzeiten bewähren." Ein Grundgesetz, das nun 65 Jahre alt ist. Reif für den Ruhestand? Keineswegs. "Ich wünsche mir die Grundrechte als verlässlichen Begleiter für alle Bürger." Es gibt auch kritische Anmerkungen. "Ein System, das nicht in der Lage ist, sich um Alte zu kümmern, gefällt mir nicht." Nach dieser überlegenswerten Feststellung kommt eine weitere: "Ich wünsche mir, dass deutsche Panzer auf ihrem Weg zum Auslandseinsatz nicht am Grundgesetz vorbeirollen."

Das Grundgesetz, unterstreicht Heribert Prantl, sei "die Hausordnung der deutschen Demokratie." Damit das fortdauernd auch so bleibe, brauche man Männer und Frauen mit Patriotismus. Dann deutet Prantl auf einen vor ihm sitzenden Zuhörer. "Der Schwandorfer Altlandrat Hans Schuierer", sagt er, "ist ein solcher Patriot."

Der Buchautor und Journalist ist bekennender Europäer, wenngleich ihm auch da momentan so einiges gegen den Strich läuft. "Fangen wir couragiert mit der Demokratie in Europa an", empfiehlt er und ergänzt: "Europa muss uns zur zweiten Heimat werden." Noch Fragen? Es gibt keine.

Angst vorm Altwerden

Die Zuhörer müssen erst einmal überdenken, was ihnen Prantl vor Augen geführt hat. Auch das: "Die Hilfsbedürftigkeit eines Menschen ist keine Störung, die behoben werden muss. Früher hatten die Leute Angst vor dem Sterben, heute vor dem Altwerden."
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