Hörnerhelme und Met
Ehrenvolle Krieger und mordende Plünderer

Die Ausstellung "Wikinger" lässt ein vielschichtiges, wirklichkeitsnahes Bild der Wikingerzeit entstehen. Bilder: Andreas Jacob (6)

Die Wikinger trugen gar keine Helme mit Hörnern drauf. Das ist nur eines der Klischees, mit denen die Ausstellung über die Seefahrer aus Skandinavien aufräumen will. Bis Dezember sind in Rosenheim 500 Objekte zu sehen. Auch das Schiff aus dem "Wickie"-Film wird gezeigt.

Eine große Wikingerschau in Rosenheim will mit Klischees aufräumen. Das beginnt mit dem vermeintlichen Wikingerhelm samt Hörnern, der in Wirklichkeit eine Erfindung von Opernkostümbildnern im 19. Jahrhundert ist, wie es bei der Präsentation der Ausstellung am Mittwoch hieß. Vielmehr hätten Wikinger Lederkappen oder Mützen getragen. Für die Schau im Ausstellungszentrum Lokschuppen wurden 500 teils noch nie gezeigte Objekte zusammengetragen. Wikinger sei ursprünglich gar keine Bezeichnung für einen Volksstamm in Skandinavien gewesen, sondern vom 8. bis 11. Jahrhundert der Name für Plünderer und Seefahrer, sagte Ausstellungskuratorin Michaela Helmbrecht: "Das war eher ein Schimpfwort."

Die Schau zeigt bis zum 4. Dezember etwa die Ornament-Kunst der Wikinger, geht aber auch auf deren Dichtungen ein. Zu sehen sind zudem Waffen wie das bekannte Ulfberht-Schwert. Diese besondere Klinge stehe für den Fernhandel mit Waffen oder Waffen-Plagiaten, den die Wikinger trotz eines Exportverbots trieben. Gezeigt werden auch ein Wikinger-Schädel mit gefeilten Vorderzähnen, dem Zeichen für besonders starke Krieger, sowie Goldschmiedearbeiten.

Den Bezug zu Bayern stellt eine in Marquartstein (Landkreis Traunstein) gefundene Riemengarnitur aus der Wikingerzeit mit skandinavischer Ornamentik her. Zur Popularität der Wikinger in der jüngeren Geschichte trug nach Ansicht von Kuratorin Helmbrecht indirekt auch Bayerns König Ludwig II. als Mäzen Richard Wagners bei, der den berühmten Opernzyklus "Der Ring des Nibelungen" schuf.

Den meisten Raum im Lokschuppen nehmen freilich die Schiffe und Handelsreisen der Wikinger ein. Vor dem Ausstellungszentrum begrüßt das 17 Meter lange begehbare Original-Kulissenschiff des Films "Wickie auf großer Fahrt" die Besucher. Dieses Exponat bedient dann doch wieder das Klischee vom Wikinger, das Helmbrecht so zusammenfasste: "Wikinger stehen für Schnelligkeit, Wagemut, Abenteuerlust und Freiheitsliebe." Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen.

Die Veranstalter hoffen auf 200 000 Besucher, um die in die Schau investierten 2,5 Millionen Euro hereinzubekommen. Ohnedies sorgten die jährlichen Erlebnisausstellungen für einen zusätzlichen Umsatz von durchschnittlich zehn Millionen Euro bei Einzelhandel und Gastronomie in der 60 000 Einwohner zählenden Stadt.

ServiceAusstellung: "Wikinger!". Bis 4. Dezember.

Ort: Ausstellungszentrum Lokschuppen, Rathausstraße 24, 83022 Rosenheim.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9-18 Uhr, Samstag/Sonntag/Feiertage 10-18 Uhr .

Informationen über Telefon: 08031/3659036 oder per E-Mail:
lokschuppen@vkr-rosenheim.de

Weitere Informationen:

www.lokschuppen.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.