"Ich glaube an die Gelbwurst"

Salami, Schinken, Leberwurst - das ist nichts für Alfred Mittermeier: Die Gelbwurst muss es sein, denn die sorgt dafür, dass mehr Hirn in Politik und Gesellschaft Einzug erhält.

Windischeschenbach.Es geht um die Wurst. Genauer gesagt um zwei besondere Würste - nämlich um die abstrakte "Extrawurst" und die doch recht konkrete Gelbwurst. Manchmal, besonders in der Kindheit, sind sie auch deckungsgleich. "Die Welt braucht mehr Gelbwurst", so der Appell von Kabarettist Alfred Mittermeier am Samstagabend bei der Futura in Windischeschenbach. Und zwar aus einem ganz einfachen Grund - denn schließlich heißt die Gelbwurst auch Hirnwurst.

Mangel an Wurstkonsum

Als Kind werde man praktisch ja gezwungen, Gelbwurst zu essen. In jeder Metzgerei werde sie seit Jahrzehnten als "Extrawurst" angeboten. "Und klar, da denkt die Mutter praktisch", weiß Mittermeier mit Blick auf die Hirnentwicklung. Millionen Mütter könnten sich schließlich nicht irren, und außerdem könne man dem Ehemann auch noch etwas Gelbwurst mitbringen. Nicht immer schlägt der Gelbwurstkonsum allerdings positiv durch, eventuell liege es auch an einer Mangelernährung, wenn ausgerechnet ein Franzose in der EU für Wirtschaft und Finanzen zuständig ist und ein Brite die Währungsstabilität überwachsen soll. "Das ist, als ob ich dem Ottfried Fischer sage, er soll mal auf den Schweinshaxen aufpassen", stellt Mittermeier klar. Und wenn die Bundeskanzlerin davon spreche, dass sich südeuropäische Länder gesund sparen müssen, dann komme ihm das so sinnvoll vor, wie wenn ein halbes Hähnchen zum Tierarzt gehe.

Gut zwei Stunden schaut Mittermeier genau hin, seziert Politik und Gesellschaft, überzeichnet, hintersinnig - alles so, wie man sich gutes Kabarett vorstellt. Er spricht über die "Verarmung der Zahnärzte", die sich keine gesetzlich Versicherten mehr leisten können, in den Untergrund abwandern und sich radikalisieren.

Er berichtet vom Export deutscher Waffen, schließlich sei man ja eine Friedensnation und die Waffen würden in Deutschland nur herumliegen. Am Vorabend des Berliner Mauerfalls klärt er über historische Fakten auf: "Nach dem Krieg haben die Russen uns den Osten genommen, um uns zu schwächen. 40 Jahre später haben sie uns den Osten wiedergegeben, um uns zu vernichten." Die Bundeswehr müsse aufgrund ihrer Ausstattung heute damit zufrieden sein, dass sie im Kriegsfall ein Unentschieden gegen einen österreichischen Schützenverein erreiche. Weinerliche Soldaten würden um Steinschleudern betteln, um nicht marode MGs benutzen zu müssen.

Gene nach Amerika

Innovative Lösungen hält Mittermeier für die "Energie-Pirouette" in Bayern parat, das derzeit für die nötigen 2000 Windräder einfach zu klein sei: Ein um Österreich gewachsenes Bayern, Minarette mit Propeller oder im Garten einen "Seehofer", weil der immer so viel Wind macht. Für Vieles bräuchte es eben einfach mehr Gelbwurst auf der Welt. Ausgiebige Watschen bekommen auch die Fifa und Sepp Blatter mit, die die WM 2022 nach Katar vergeben haben. "Ein Land, das halb so groß ist wie Hessen", wettert Mittermeier. Wahrscheinlich werden dort die Stadien als Reihensiedlung entstehen und benennen werde man sie wohl nach den Erbauern und den Arbeitsbedingungen - beispielsweise "Bimbo-Stadion" und "Onkel Toms Hütte".

Eine besondere Freude will Mittermeier den USA machen, damit diese künftig nicht mehr umständlich herumspionieren müssen. "Geben wir denen einfach unsere DNA", fordert er und ruft zu einem (im wahrsten Sinne des Wortes) "Shitstorm" mit 80 Millionen Tütchen über die US-Botschaft in Berlin auf.
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