Im Jubiläumsjahr zurück zu den Wurzeln

Raimund Drechsler zeigt in der Amberger Stadtgalerie "Landschaften". Für die Bilder hat der Künstler keine Vorbilder in der Natur - er malt aus seiner Fantasie. Die Gesteinsformationen und der Boden sind mit leuchtendem Farbenspiel durchzogen, er lässt nicht den blauen Himmel strahlen sondern die Erde darunter. Bild: Frischholz

Raimund Drechsler zeigt in der Amberger Stadtgalerie seine "Landschaften". Der Amberger hat für seine Bilder keine realen Vorbilder, sondern entstehen aus der Fantasie des Künstlers. Dabei sind auch so manche Überraschungen zu entdecken.

Amberg.Gleich zwei Jubiläen werden derzeit in der Stadtgalerie Alte Feuerwache gefeiert. Raimund Drechsler, der hier seine aktuelle Ausstellung "Landschaften" präsentiert, kann auf dreißig Jahre zurückblicken, die er als freischaffender Künstler in Amberg wirkt. Und darauf, dass er 1984 zu den Ersten gehörte, die in der Alten Feuerwache seine Arbeiten zeigte, und damit den Startschuss für die Nutzung der damals leerstehenden Räumlichkeiten als Galerie gab.

"Nicht stehen bleiben"

Jetzt ist er wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt, wie Künstlerkollege Wilhelm Koch in seiner kurzen Einführung in Leben und Werk Drechslers bemerkt. Und auch dies in zweifacher Hinsicht. Denn zu Beginn seiner Arbeit als freischaffender Künstler zeigte Raimund Drechsler schon ein auffallendes Interesse an der Landschaftsmalerei. Dazu inspiriert wurde er von Professor Rudolf Kügler an der Hochschule der Künste in Berlin, einem ausgewiesenen Experten für dieses Genre, der ihn 1981 zu seinem Meisterschüler ernannte.

"Die Kunst verlangt von uns, nicht stehen zu bleiben!" Kein geringerer als Ludwig van Beethoven stellte diesen Satz über sein Schaffen. Auch Raimund Drechsler ist nicht stehengeblieben. Nachdem er in der jüngeren Vergangenheit vor allem mit seinen geometrisch ausgewogenen Werken, in denen Kreise und Quadrate in eher gedeckter Farbgebung in Bezug zueinander gesetzt waren, aufgefallen ist, hat Drechsler nun das Kunststück vollbracht, zu seinen Ursprüngen zurückzukehren und dabei dennoch einen Schritt nach vorne zu unternehmen.

Die gezeigten Landschaften haben kein reales Vorbild in der Natur, sondern entstanden allein aus der Fantasie des Künstlers. In oft langwierigen Schaffensprozessen brachte Raimund Drechsler diese Kopfgeburten auf die Leinwand. Dabei übermalte er so manches Mal das bereits Entstandene, kratzte hier und da wieder die Acrylfarbe ab, ersetzte das Verworfene durch neue Ideen und Eingebungen. Bis letztendlich ein Werk vor seinen Augen stand, das seinen ursprünglichen Intentionen entsprach und von ihm für ausstellungswürdig erachtet wurde.

Ein wenig kommt bei den Bildern, die alle im vergangenen Jahr vollendet wurden, des Künstlers Hang zu ausgewogener geometrischer Strenge wieder durch. Nicht in den Landschaften selbst, aber im Format. Alle Ausstellungstücke haben die gleichen Ausmaße, nämlich 100 auf 120 Zentimeter im Querformat.

Die Landschaften selbst laden zu einer intensiveren Betrachtung ein. Da findet man Gebirgszüge, Schluchten, manchmal auch Gebäude. Wer sich auf einen zweiten Blick einlässt, kann darin auch noch ganz andere Formen erkennen. Die Drechslerschen Panoramen sind wie ein aufgeschlagenes Buch mit vielen Kapiteln. Sie wirken manchmal wie Reliefansichten aus alten Atlanten, mal wie Topografien einer sonderbaren Welt auf irgendeinem fremden Planeten in unserem Kosmos.

Ein ganz besonderer Kunstgriff wirkt zunächst irritierend, macht aber einen großen Teil des ganz speziellen Reizes der Landschaften aus. Raimund Drechsler lässt nicht den blauen Himmel strahlen, den er meist mit einem leichten graubraunen Schleier bedeckt hält, sondern die Erde darunter.

Blicke im Hier und Jetzt

Die Gesteinsformationen und der karge Boden sind mit leuchtendem Farbenspiel durchzogen und sorgen dafür, dass der Betrachter nicht den sehnsüchtigen Blick in die Ferne schweifen lässt, sondern den soliden Boden des Hier und Jetzt nicht unter den Füßen verliert - und vielleicht darin geschult wird, die Schönheiten der uns umgebenden Landschaft ebenfalls genauer zu betrachten und zu schätzen. Musik gibt es bei der Vernissage keine. Und Laudator Wilhelm Koch hat auch hierfür einen hintergründigen Kommentar bereit: "Auf Konzerten werden ja auch keine Bilder gezeigt, damit die Musik besser wirkt."

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Die Ausstellung "Landschaften" von Raimund Drechsler ist bis 8. Februar in der Stadtgalerie Alte Feuerwache (Zeughausstraße 18, Amberg) zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11 bis 16 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr.
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