In ihrem Buch "Vorn rein, hinten raus" gibt Maria Kopelent Geschichten ihres Vaters Robert ...
Geschichten aus vergangenen Zeiten

"Vorn rein, hinten raus" gibt die Erinnerungen Robert Schießls wieder. Bild: hfz
Regensburg."Das Buch enthält nicht immer klassische Sätze," betont Maria Kopelent für die Leser ihres Buches "Vorn rein, hinten raus". Kopelent hat die Geschichten in ihrem Buch nicht selbst verfasst, sie hat Erzählungen ihres Vaters Robert Schießl niedergeschrieben. Mit viel Liebe zum Detail, mit akribischer Sorgfalt und tiefer Zuneigung zu ihrem Vater.

"Das Wichtigste war, Roberts Erzählton und -fluss zu erhalten." Dies ist der Herausgeberin gelungen. Ein Beispiel: "In den Schachteln sind Torten drin, die habe ich gemacht, das war die goldene Hochzeit meiner Schwiegereltern, in Rötz, oben am Bergfried. Da habe ich dann die Torte serviert. Das weiß ich noch. Woaßt, da war ich ja noch jung und hab Blödsinn g'macht."

Lustiges und Trauriges

Robert Schießl sei, so seine Tochter, schon immer ein begnadeter Geschichtenerzähler gewesen. Maria Kopelent hörte seit ihrer Kindheit gerne seine Geschichten, kannte sie alle. Des Vaters 85. Geburtstag brachte sie dann zum Entschluss, seine Geschichten aufzuschreiben. Sie unterhielt sich mit ihm, ließ ihn all seine Geschichten noch einmal erzählen, nahm sie auf Tonband auf, tippte sie in langen Stunden ab. Immer darauf bedacht, den genauen Wortlaut, Satzstellungen und Sprache des Vaters exakt zu erhalten. Störungen im Redefluss wollte sie unbedingt vermeiden, der Vater sollte einfach erzählen, wie es ihm einfiel.

Und Robert Schießl hatte viel zu erzählen, traurige und lustige Geschichten, schlitzohrige und weise Anekdoten aus einem langen, bewusst gelebten Leben. Begonnen hatte es mit seiner Geburt 1922 in Bodenwöhr, wo er mit sechs Geschwistern aufwuchs. Auch seine Frau Anna kam aus Bodenwöhr, nach ihrer Heirat lebten beide in München, bekamen dort zwei Kinder. Reichlich Stoff für viele Geschichten, Robert Schießl grübelte selbst: "Das sind ja so viele einzelne Geschichten. Wo soll man da anfangen?"

Robert Schießl fing weit zurück an, erzählt sogar von seinem Urururgroßvater, dessen Adoptivsohn, der sein Ururgroßvater werden sollte. Und von seinem Vater, der in Bodenwöhr geboren wurde. Kleiner Schwenk von der Familiengeschichte zur Wahl des Namens für seine Tochter, die viele Jahre später Herausgeberin seiner Geschichten werden sollte: "Mir gefällt der Name Maria einfach besser als irgendein anderer. Damals hat es ja auch schon, was hat es denn da alles gegeben, die spanischen Namen, womöglich die nordischen Namen. Hab ich g'sagt: Nix, da lass ich mich nicht irr machen."

"Nix für mich"

Berichtet hat Robert Schießl von vielen und vielem, von der grawottischen Großmutter, die, als es ihr einmal recht schlecht ging, statt der letzten Ölung lieber ein Bier wollte. Oder dem nicht-"kirchenanbeterischen" Vater, der Großfamilie mit zahlreichen Verwandten, Angestellten, Magd, Knecht, Metzger und Köchin. Und der Landwirtschaft. Ganz besondere Weihnacht- und Nikolausgeschichten gehören ebenso dazu wie so manche Kindheitserinnerung.

Wie die zurückreichende Erinnerung an seine Kindergartenzeit in Bodenwöhr. Am ersten Tag ging er brav an der Hand der Mutter hin. Am zweiten Tag hat es ihm schon ein wenig gestunken dort, so eingesperrt. Und am dritten Tag hatte der kleine Robert den Dreh gefunden: "Ich bin nicht innen nei, sondern bin hinten durch in den Garten und über den Zaun und furt war i! Das war schon nichts Dauerhaftes, der Kindergarten, für mich." Fast weise kommen seine Erkenntnisse daher: "Wir Kinder sind alle mal so zwischen Diesseits und Jenseits geschwebt." Mancher Lausbubenstreich hätte fast ins Verderben geführt, die Eltern mussten stets auf der Hut sein. Die Schulzeit, der frühe Tod der Mutter, die im Krieg vermissten Brüder, das Schicksal der Schwester, die Berufswahl, Rekrutenzeit, Krieg, Gefangenschaft, Rückkehr in die Heimat, der Neuanfang, das eigene Haus, vieles klingt leicht erzählt, birgt aber auch manch Nachdenkliches und Trauriges.

Und immer weder der Schwenk, ins vermeintlich Banale, mit viel Hintersinn und Innenblick: Wirtshausgeschichten, Jugendzeit, Feste und Feiern. Und auch politisch hat er sich geäußert, der Robert Schießl: "Der Strauß wollte die WAA. Daraufhin sind wir Gegner geworden."

Erst schreiben und binden

Das Buch war Maria Kopelents Idee, sie hat die Geschichten des Vaters aufgeschrieben. Ein Buch war es anfangs noch nicht. Der Vater meinte: "Es ist ja noch kein Buch. Wenn man es schreibt und bindet, na is a Buch." Also wurde 2013 das erste Buch gebunden. Und Maia Kopelent schrieb weiter. Jetzt liegt das Buch mit zahlreichen Fotos vor eine breite Öffentlichkeit bekommt so Zugang zu den Geschichten des Robert Schießl aus Bodenwöhr.

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"Vorne rein, hinten raus - Robert Schießls Geschichten seit 1922" sind erhältlich beim Gasthof Schießl in Bodenwöhr oder bei Maria Kopelent, Zieglhof 1, 93055 Regensburg oder per E-Mail, maria.kopelent@kopelent.de.
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