Indie-Rock-Festival am Störmthaler See [Aktualisiert: Bildergalerie]
Highfield lässt die Musik an

Top-Band des Indie-Rock-Festivals am Störmthaler See war Rammstein mit Sänger Till Lindemann (Mitte). Nicht zuletzt wegen des einzigen Festival-Auftritts des Publikumsmagneten in Deutschland in diesem Jahr stockten die Veranstalter das Ticketkontingent um 10 000 Karten auf 35 000 auf. Bilder: Tobias Schwarzmeier

Ein komplex choreografiertes Gewitter aus Pyro-Blitzen, Feuer-Fontänen und rußigem Nebel, viele Stahl-Elemente sowie ein herrlich energiegeladener Sound. Mit einem bombastischen Auftritt wird Rammstein zum unbestrittenen Abräumer beim Highfield-Festival. Doch für den besonderen Moment des Indie-Rock-Spektakels sorgt eine einfache Botschaft.

Großpösna. "Lass die Musik an." Es klingt trotzig, fast wütend, als Zehntausende Rockfans den Refrain des Madsen-Hits mitsingen. Ihn förmlich herausschreien. Der Hintergrund: Ein damit verbundener Appell der glänzend aufgelegten Band aus Niedersachsen, sich vom Terror nicht einschüchtern zu lassen. Zwei Acts, die am Wochenende auf der Bühne am Störmthaler See stehen, machen es vor. Denn sie haben Terrorattentate hautnah miterlebt.

Nahe am Grauen


Die Eagles of Death Metal spielten im Pariser Club Bataclan, als Attentäter um sich schossen und 89 Musikfans töteten. Der Bremer Newcomer Joris erlebte, wie vor seinem Auftritt bei einem Festival in Ansbach ein Sprengsatz detonierte. Mit konsequentem Garagenrock beziehungsweise gefühlvollen Singer-Songwriter-Texten überzeugen bei Highfield beide. Besonders Joris' "Herz über Kopf"-Endlosversion begeistert.

Auch sonst ließen die Veranstalter der Musik und den Fans freien Lauf: Die siebte Auflage des Traditionsfestivals auf einer Landzunge am Störmthaler See bei Großpösna - das 19. Highfield-Festival insgesamt - setzt mit 35 000 Zuschauern und rund 40 Bands verschiedener Stilrichtungen eine Bestmarke. Nicht zuletzt wegen Rammstein, die ihren einzigen Stopp in Deutschland bei ihrer Festivaltour am Stausee einlegen, wird das Kartenkontingent um 10 000 Tickets erweitert. Mit den Erfahrungen des "gewachsenen" Events soll diese Größe auch künftig beibehalten werden.

Wie aus einem (Stahl-)Guss


Rammsteinerweist sich dabei als Glücksgriff. Zwar verzichten die Neue-Härte-Vorreiter auf einige provozierende Titel ebenso wie auf viele Balladen - außer dem genialen "Seemann". Dafür setzen sie voll auf Power-Songs wie "Du riechst so gut", "Ich will" oder "Sonne". Als Sänger Till Lindemann nach elektrisierenden 90 Minuten als rußverschmierter "Engel" mit Flügeln aus Stahl über die Bühne schwebt, haben die Berliner eine Bomben-Show geliefert.

Auch Deichkind als - in vielen Festivals bewährter - Schluss-Act versteht sich auf Inszenierung. Die Hamburger kleiden ihre Mega-Hits wie "Leider geil" oder "Bon Voyage" in ein visuelles Kunst-Happening. Generell stehen beim Indie-Event die Hip-Hop-Crews den Metallern und Rockern in Nichts nach. Die Orsons (mit einem tiefen-entspannten Auftritt) und Fünf Sterne deluxe (mit den "Das Bo"-Covern "Türlich, Türlich" und "Morgen geht die Bombe hoch") reißen wie ihre härteren Kollegen von Wolfmother oder NOFX einfach mit. Techno-Urgestein Scooter ("Hyper, Hyper") fällt dabei mit seinem 90er-Jahre-Eurodance etwas aus dem Rahmen. Aber auch für ihn und seine Fans bleibt die Musik an.
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