Inerview mit Karl Valentin
Neue Couplets und Lieder „vom Opa“

Karl Valentin (1882 bis 1948) zählt zu den großen bayerischen Sprachkünstlern. Bild: privat
 
21 Lieder und Couplets sind auf der CD zu hören. Bild: hfz

Bert Brecht schätzte ihn, auch Samuel Beckett und Thomas Mann waren von ihm begeistert. Karl Valentin war ein Sprachkünstler und "Wortzerklauberer" par excellence. Jetzt gibt es Neues von ihm zu hören.

München. Die Couplet-AG zählt zu einer der erfolgreichsten bayerischen Musikkabarett-Gruppen, die man durchaus in der Tradition von Karl Valentin sehen kann. Jetzt hat sich die Gruppe um Jürgen Kirner, ein gebürtiger Oberpfälzer - er stammt aus Hemau -, an ein besonderes Projekt gewagt: Bernhard Gruber, Bianca Bachmann, Berni Filser und Kirner haben bislang ungehörte Couplets und Lieder von Valentin neu vertont.

"Der Auftrag" dazu kam von Anneliese Kühn, der Enkelin Karl Valentins: Sie trat mit der Bitte an die Couplet-AG heran, diese möge sich doch der Lieder "von Opa" annehmen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Die Kulturredaktion sprach mit Jürgen Kirner, wie diese "ungehörten Schätze" neu arrangiert wurden.

Von Woody Guthrie und Bob Dylan wurden vor kurzem unveröffentlichte Texte neu vertont, die Couplet-AG hat sich jetzt an Karl Valentin herangetraut. Wie kam es zu diesem Projekt?

Jürgen Kirner: Das Ganze gründet auf der jahrzehntelangen, tiefen Freundschaft zwischen der leider inzwischen verstorbenen Enkelin von Karl Valentin, Anneliese Kühn und mir. Sie war die treibende Kraft, dass wir die ungehörten Lieder und Couplets ihres Großvaters und genialen Komikers nun auf einer neuen CD veröffentlicht haben. 2011 ist sie an mich mit der Bitte herangetreten, damit diese Texte nicht vergessen, sondern wieder gesungen und verbreitet werden.

Bei dem ungehörten Material handelt es sich um 115 Couplets und Lieder. Wie seid ihr auf diesen Schatz aufmerksam geworden?

Anneliese hat mir immer wieder von den Couplets erzählt und mich neugierig auf diesen Schatz gemacht. Tatsächlich sind von Karl Valentin rund 115 Lieder und Couplets überliefert, die abgesehen von bekannten Titeln wie "Ja so warn's, die alt'n Rittersleut" oder das "Rezept zum russischen Salat" bis heute völlig unbekannt geblieben sind. Der große Respekt vor Karl Valentin ließ uns anfänglich zögern, diese ehrenvolle Aufgabe anzunehmen. Erst nach mehreren Gesprächen mit Anneliese Kühn haben wir uns dazu entschlossen und aus dem Nachlass von Karl Valentin 21 Titel ausgewählt.

Wie trifft man bei einer solch großen Fülle eine angemessene Auswahl?

Das war nicht ganz einfach. Schließlich sollte es auch ein Abriss über das Schaffen Karl Valentins sein, in all seinen Lebenslagen. Zudem zeitgemäße Texte, die auch heute noch gesungen werden können. Bei der Vorauswahl stand uns zu Beginn unter anderem Eva Demmelhuber zur Seite. Zudem ließen wir uns viel Zeit und wägten immer wieder ab. Bernhard Gruber, seit fast 25 Jahren Komponist der Couplet-AG, grub sich tief und leidenschaftlich in die Materie und schuf dazu wundervolle neue Melodien.

Zu einigen Arbeiten gab es wohl Notenfragmente, Melodiehinweise oder Tonaufnahmen. Sie haben sich aber trotzdem zu einer Neuvertonung entschieden.

Es handelt sich dabei um Lieder, von denen bis auf wenige Ausnahmen keine Tonaufnahmen mit Karl Valentin oder Liesl Karlstadt existieren. Valentin hat seine Gesangsnummern durchwegs ohne Noten aufgeschrieben, nur gelegentlich findet sich ein Hinweis auf die zugehörige Melodie. Wie bei den Münchener Volkssängern üblich, benutzte auch er fast ausschließlich vorhandene populäre Musikstücke als Transportmittel für seine Texte.

Bernhard Gruber hat nun bei vorhandenen Hinweisen oder noch brauchbaren Melodien Bearbeitungen und bei einer Vielzahl Neukompositionen mit absolutem Ohrwurmcharakter geschaffen. Sie haben das Zeug regelrechte Gassenhauer zu werden.

Wie sehr ist Ihnen daran gelegen gewesen, sich der Valentin'schen Musikalität zu nähern? Oder wollten Sie etwas völlig Neues gestalten?

Wir wollten Valentin nicht adaptieren beziehungsweise nachahmen. Niemand kommt an die Größe und Genialität des Originals heran. Wir haben uns darauf geeinigt, dass die "neuen" Valentin-Couplets, die eine unverwechselbare Handschrift der Couplet-AG tragen, auch in der Interpretation. Aber, immer im Wissen und sozusagen im Hinterkopf, dass es sich um Valentin-Werke handelt.

Anneliese Kühns Wunsch war, dass die Lieder ihres Großvaters wieder gesungen werden und "unter die Leut" kommen, so wie die der Couplet-AG. Sie war sich sicher, dass wir nicht nur wie damals als Initialzündung für die Renaissance der Volkssängerszene agieren könnten, sondern auch als passende Transporteure der Valentin'schen Meisterwerke. Eine überaus große Ehre, der wir uns stets bewusst waren und sind.

Werden Sie "Neues vom Valentin" auch als Programm anbieten?

Ja, es gibt ein spannendes und zugleich sehr unterhaltsames Liveprogramm unter dem gleichnamigen Titel an ausgewählten Orten in Bayern. Wir sind dabei zusammen mit Alfons Schweiggert, dem großartigen Karl Valentin-Biographen und Turmschreiber-Kollegen, auf Tour. Gastspiele sind, auch aufgrund der großen Nachfrage, in der Oberpfalz geplant.

Sie selbst werden ja am 26. Juni beim Nordgautag in Neumarkt vom Oberpfälzer Kulturbund mit dem Nordgaupreis 2016 ausgezeichnet. Wie wichtig ist Ihnen, als gebürtiger Oberpfälzer, diese Auszeichnung?

Ich fühle mich sehr geehrt und nehme den Preis gern auch stellvertretend für die vielen Volkssänger- und Kabarett-Talente in meiner Heimat entgegen. Es ist herrlich mitzuerleben, wie viele neue und vor allem junge Volkssänger sich zu Größen auf heimatlichem Boden entwickeln. Umso mehr freut es mich, ihnen eine geniale Plattform mit den Brettl-Spitzen im Bayerischen Fernsehen bieten zu können. Der BR trägt dieser Entwicklung dabei nicht nur Rechnung, sondern lässt die Regionen, ganz besonders auch die Oberpfalz, darin glänzen. Des is wunderschaij! Man ist und bleibt halt Lokalpatriot - mit Leib und Seele Oberpfälzer!

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Weitere Informationen:

www.karl-valentin.de www.couplet-ag.de
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