Intendant der Bayerischen Staatsoper
Neue Opern können sich nicht etablieren

Thomas Hampson (rechts) als Roald Amundsen und ein Mitglied seines Teams agieren im Nationaltheater in München während einer Probe für die Oper "South Pole". Das Stück des Komponisten Miroslav Srnka unter der musikalischen Leitung von Petrenko feiert am 31. Januar Premiere. Bild: dpa

München. Wenn die Bayerische Staatsoper eine neue Oper herausbringt, lässt sich das Theater nicht lumpen. Besetzung, Regisseur, Dirigent - für die am Sonntag (31. Januar) vorgesehene Uraufführung von "South Pole", der ersten abendfüllenden Oper des tschechischen Komponisten Miroslav Srnka, ist alles vom Feinsten. Doch oft verpufft das Ergebnis dann wieder ziemlich schnell. Neue Opern haben es schwer. Warum viele nur wenige Male aufgeführt werden und ob es dennoch herausragende zeitgenössische Komponisten gibt, erläutert Nikolaus Bachler, der Intendant der Bayerischen Staatsoper in München.

Es scheint, als wenn die allermeisten Uraufführungen neuer Opern nach der ersten oder zweiten Aufführungsserie wieder in der Versenkung verschwinden und nicht mehr oder nur selten noch einmal aufgeführt werden. Stimmt dieser Eindruck?

Nikolaus Bachler: Ein großes Haus wie die Bayerische Staatsoper hat die Pflicht, lebende Komponisten mit Kompositionsaufträgen zu unterstützen. Die Bayerische Staatsoper präsentiert übrigens auch abseits der großen Uraufführungen im Nationaltheater jedes Jahr mindestens zwei weitere neue Werke, wie zum Beispiel in dieser Saison "Tonguecat" (Saskia Bladt/Thorsten Herrmann) oder "Mauerschau" von Hauke Berheide.

Schaffen es heute Opern generell schwerer ins Repertoire als in früheren Epochen?

Bachler: Es gibt hier wenig Unterschied zu Opern aus dem klassischen Repertoire, der Ablauf ist derselbe: Eine Oper feierte auch zu Zeiten Mozarts Premiere, wurde ein Erfolg oder Misserfolg, wurde eventuell bearbeitet, lag einige Jahre in der Schublade und wurde dann Schritt für Schritt zu einem fixen Bestandteil des Opernkanons - oder eben nicht.

Würde die Bayerische Staatsoper an anderen Häusern entstandene Auftragswerke gegebenenfalls übernehmen? Oder verspricht man sich nur von Uraufführungen die entsprechende Aufmerksamkeit?

Bachler: Nur zwei Beispiele: Die Bayerische Staatsoper hat im Sommer 2013 George Benjamins "Written on Skin" aus Aix-en-Provence übernommen, zu den Festspielen 2015 stand Poul Ruders' "Selma Jezkova" in einer Neuinszenierung auf dem Programm.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es viele brandneue Opern, die sehr schnell zu Welterfolgen wurden. Wäre so etwas heute noch möglich?

Bachler: Davon bin ich überzeugt. Herausragendes wurde damals wie heute komponiert. Die Zeit wird zeigen, welche dieser Werke uns wieder begegnen werden. Darüber zu spekulieren, wäre zu früh.
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