"Internationale Meistersinger Akademie" bis 14. August zu Gast in Neumarkt
In die Herzen der Zuhörer gesungen

Sopranistin Angela Vallone ist mit 21 Jahren die jüngste Teilnehmerin der IMA. Bild: Scharf
Wohlbekanntes frisch serviert an einem herrlichen Sommerabend, so ließe sich das prickelnde Eröffnungskonzert der IMA (Internationale Meistersinger Akademie) schnell zusammenfassen. Allerdings wird diese Kurzfassung der Qualität, dem großartigen Auftritt und der Bedeutung absolut nicht gerecht.

Einfühlsam leitet Matthias Foremny die hellwachen Nürnberger Symphoniker, die für zwölf Teilnehmer der Akademie den Boden bereiten für Arien von Mozart, Händel, Lehar, Donizetti, Gounod, Verdi, Rossini. Feine Ohren füreinander, technische Brillanz und spürbare Freude am Gesang erfüllen das Publikum im Reit-stadel in Neumarkt mit größtem Vergnügen. Zum fünften Mal ist Neumarkt für sechs Wochen Gastgeber der Internationalen Meistersinger Akademie, die heuer bis 14. August dauert. Schirmherr ist Kurt Masur.

Viele Länder vertreten

Insgesamt haben sich rund um den Globus 143 Sänger für diese herausragende Weiterbildungsmöglichkeit in Neumarkt beworben. Von einer IMA-Erfolgsgeschichte schwärmen Thomas Thumann, der Oberbürgermeister Neumarkts, und Präsident Professor Dr. Martin Ullrich von der Hochschule für Musik, Nürnberg. Herz, Motor und Seele der Akademie, Professor Dr. Edith Wiens, betont die große Bedeutung in der Musikwelt, die auch die "Creme de la Creme der Agenten" anlockt und für viele Teilnehmer bereits Verpflichtungen an große Häuser brachte. 13 der 15 Teilnehmer treten bei der Eröffnungsgala auf. Sie kommen aus England, Irland, Polen, Österreich/Australien, den USA und Deutschland.

Erstmals ist ein Countertenor zu hören. Jakub Josef Orlinski singt sich mit seiner geradezu popig-modernen Version der Arie des Tamerlano von Händel auf Anhieb in die Herzen der Zuhörer. In jungen Jahren übt er sich im Breakdance, jetzt ist er laut Programmtext "ein Countertenor der besonderen Klasse". Klasse beweisen sie alle: die Sopranistin Angela Vallone, die in diesem Jahr mit 21 Jahren jüngste Teilnehmerin ist. Dann der geschmeidige Tenor aus Österreich/Australien, Gerard Schneider, ein "Ausnahmesänger", dessen größter Erfolg das Verdi-Requiem in der großen Kathedrale in Canterbury war.

Großartig die deutsche Mezzosopranistin Deniz Uzun, Mitglied des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper, München. Ihre Arie der Isabella (L'Italiana in Algeri) reißt von den Stühlen. Gewaltig der Auftritt des irischen Baritons Benjamin Russell. Er ist bereits festes Mitglied im hessischen Staatstheater Wiesbaden und überzeugt bei seiner Arie des Belcore (L'Elisir d'amore) mit Professionalität und Ausstrahlung. Maren Favelas (Deutschland) Arie der Rosina (Barbier von Sevilla) changiert in allen Farben, wie der Auftritt der US-Amerikanerin Elizabeth Sutphen. Ihre Gilda-Coloraturen (Rigoletto) perlen wie Champagner im Glas.

Eleganz und Stimmvolumen

Volltönender Bass kommt von Daniel Miroslaw aus Polen. Mit seiner Arie des Figaro verzaubert er nicht nur die Damen im Publikum. Bariton Elliott Carlton Hines aus den USA steht ihm in Eleganz und Stimmvolumen in Nichts nach. Anna Gillingham (England) und Simone Easthope (Australien) - die beiden zarten Sopranistinnen - gestalten einen starken Auftritt. Wie auch Francesca Chiejina (USA), die im Terzett als Elvira (Don Giovanni) überaus charmant überzeugt.

Die Nürnberger Symphoniker rollen einen fulminanten Klangteppich aus. Immer passend zur Komposition - mal melancholisch, mal sprühend vor Farbigkeit. Maestro Foremny dirigiert mit Schwung und leichter Hand, mit viel Gefühl und Sensibilität. Hellwach und unwiderstehlich, voller Elan und mit junger Leidenschaftlichkeit bieten die Solisten ein höchst anspruchsvolles Programm, das mit Bravo-Zurufen und Mega-Applaus honoriert wird.
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