Internationales Filmfestival im westböhmische Bäderdreieck
Von Glamour bis Zeltlager-Romantik

Sinnbild der Karlsbader Festspiele: Eine Statute des Crystal-Globe-Awards ragt in den bewölkten Nachthimmel. Bild: dpa
 
Eine besondere Auszeichnung für eine besondere Leistung: Schauspielerin Judi Dench hält den Crystal-Globe-Award der Karlsbader Festspiele in den Händen. Bild: dpa

Für einige Tage wird das verschlafene Karlsbad zum hippen Mekka der Filmfans und Party-Tiere. Seit 70 Jahren pilgern sie zum Internationalen Filmfestival ins westböhmische Bäderdreieck.

Karlsbad. Es ist eines der ältesten unter den Top-Filmfestivals in Europa - und vielleicht das mit dem jüngsten Publikum. Von 1. bis 9. Juli strömen Zehntausende Gäste in die tschechische Bäderstadt Karlsbad, viele bewaffnet mit Zelten und Schlafsäcken. Legendär ist die Atmosphäre des Karlovy-Vary-International-Film-Festivals (KVIFF), die schon John Travolta, Judie Dench und Bruce Willis in ihren Bann gezogen hat.

Vornehme Variante


Seit 70 Jahren findet die unverwechselbare Filmschau statt. Fast ebenso lange wird der handgefertigte Kristallglobus als Hauptpreis vergeben. Im ersten Jahr musste sich Karlsbad die Ehre mit dem nahen Marienbad teilen, doch längst hat das Festivalbüro seinen Platz am Fluss Tepla im Hotel Thermal, einem sozialistischen Kleinod mit dem Charme der 70-er Jahre. Wer es nobel will, nächtigt stilecht im Grandhotel Pupp, einem der Drehorte für den James-Bond-Film "Casino Royale" und Vorbild für das "Grand Budapest Hotel". Doch am authentischsten ist die Zeltstadt im Stadion der Leichtathleten vom "AC Start". Hier hat auch der tschechische Filmkritiker Kamil Fila seine Festivalkarriere begonnen. "Die Zeiten, in denen ich im Zelt, in der Turnhalle oder im Schlafsack auf der Treppe vor dem Vorführsaal geschlafen habe, sind dann doch vorbei", räumt der Blogger und frühere Redakteur der Zeitschrift "Respekt" ein.

Belebendes Festival


In einer Großstadt wie Berlin würde ein solches Event eher untergehen, meint Fila. "Anders ist das in Karlsbad, wo das Festival die ganze Kurstadt ergreift und zum Leben erweckt", betont er . Besonders lobt er das Publikum: "Keiner murrt oder pfeift, es gibt immer langen Applaus." Selbst Altstars, die ihren Zenit längst überschritten hätten, würden hier noch gefeiert. "So ganz verstehe ich nicht, wie das möglich ist, denn wir Tschechen sind ewig unzufriedene Spötter", wundert er sich.

Diesjähriger Eröffnungsfilm ist ein Weltkriegs-Thriller: "Operation Anthropoid" handelt von den Attentätern, die SS-Führer Reinhard Heydrich 1942 im besetzen Prag tödlich verletzten. Der britische Regisseur Sean Ellis drehte an Originalschauplätzen wie rund um die Cyrill-und-Method-Kirche, in der sich die Widerstandskämpfer versteckt hielten, ehe sie entdeckt und umgebracht wurden. "Es ist eine unglaubliche Geschichte des Muts", kündigte Ellis an. Einen der Agenten spielt Frauenschwarm Jamie Dornan.

In sieben Jahrzehnten hat das Festival einigen Wandel erlebt. Nach der Gründung war es lange ein Aushängeschild des Sozialismus, ein "Festival des arbeitenden Volkes". Es wechselte sich jährlich mit dem Moskauer Filmfestival ab. Ein Höhepunkt war 1990 das erste Festival nach der demokratischen Wende: Exil-Regisseur Milos Forman kam ungezwungen auf dem Fahrrad angefahren, und viele bis dato verbotene Filme wurden aus dem Giftschrank geholt.Heute steht das KVIFF im Wettstreit mit den 14 anderen Filmfestivals mit internationalem Wettbewerb der sogenannten A-Klasse, von Cannes über Locarno bis Warschau.

"Das Festival kämpft nun vor allem darum, eine ausreichende Zahl an exklusiven Premierenfilmen an Land zu ziehen", erklärt Fila. Dabei versteht sich das KVIFF insbesondere als Drehscheibe zum osteuropäischen Markt. Fila lobt das Engagement: "Ich kann mir kaum vorstellen, wie man auf diesem Gebiet noch mehr machen könnte."

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Weitere Informationen:

www.czechtourism.com
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