Interview mit Dr. Thomas Bäumler - Erstlingswerk auf Leipziger Buchmesse vorgestellt
Tiefstes Vertrauen zerstört

Bild: dpa
 
Auf der Leipziger Buchmesse, nach der Frankfurter die zweitgrößte Deutschlands, präsentiert Dr. Thomas Bäumler seinen Kriminalroman "Priester - Neffe - Tod". Bild: Hartl

Altenstadt. Den Missbrauch von Kindern in der katholischen Kirche thematisiert der Altenstädter Dr. Thomas Bäumler in seiner Kriminalerzählung "Priester - Neffe - Tod". Sein Erstlingswerk mit Schauplatz nördliche Oberpfalz stellt der Gynäkologe in dieser Woche bei der Leipziger Buchmesse vor.

Der 53-jährige Mediziner arbeitet schon an seinem zweiten Buch. Dabei geht es wieder um einen sehr spannenden Fall, verriet der Autor Redakteur Martin Staffe.

Herr Bäumler, wie sind Sie darauf gekommen, einen Roman zu schreiben?

Bäumler: Das geistert schon seit einigen Jahren in meinem Kopf herum. Es war zunächst die reine Neugierde herauszufinden, wie das wäre, ein Buch zu schreiben. Das Thema hat sich dann so langsam herauskristallisiert.

Worum geht es in dem 200-seitigen Buch?

Bäumler: Meine Intention war es, mit meinem Roman einem fiktiven Opfer sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Umfeld eine Stimme zu verleihen und aufzuzeigen, welche religiösen wie gesellschaftlichen Biotope das Gedeihen derartiger Umtriebe fördern und wie die sprichwörtliche Hölle unvermittelt in das unschuldige Leben eines jungen Menschen einzubrechen vermag und dieses Leben in seinen Grundfesten erschüttert wird. Ich habe dafür das Vehikel einer Kriminalerzählung gewählt, die sowohl Anteile eines klassischen Kriminalromans als auch die Mittel einer Erzählung im eigentlichen Sinne verwendet.

Verraten Sie doch etwas über die Handlung.

Bäumler: Der Roman beginnt mit einem rituellen Mord an einem Priester und entwickelt die Vorgeschichte zu diesem Drama mit Hilfe eines Tagebuches des Missbrauchsopfers, das einer Volontärin einer fiktiven Heimatzeitung in die Hände fällt, woraufhin sie auf eigene Faust zu recherchieren beginnt und letztendlich die gesamte verworrene Geschichte auflöst.

Warum haben Sie die Missbrauchsproblematik ausgewählt?

Seit Jahren verfolge ich mit zunehmender Fassungslosigkeit die Vorgänge und Diskussionen rund um die Missbrauchsproblematik in der katholischen Kirche. Selbst in der kirchlichen Jugendarbeit (Ministranten, KJG) groß geworden, mag ich mir gar nicht vorstellen, was in den Seelen der Kinder und Heranwachsenden vorgeht, die zum Opfer derartiger Übergriffe wurden. Hier wurde tiefstes Vertrauen, ja Urvertrauen zerstört. Menschen, die für die Kinder Sinnbild und Vertreter der Liebe Gottes zu den Menschen sein sollten, haben diese Liebe pervertiert und verhöhnt. Gerade diese Diskrepanz zwischen hehrem Anspruch und gelebter Realität ist es, was diese Vorkommnisse gerade im kirchlichen Bereich so überaus erschütternd macht, selbst wenn man zugrundelegt, dass wir alle sündige Menschen sind.

Schauplatz der Kriminalerzählung ist Waidbuch. Der fiktive Ort steht wohl für eine Gemeinde in der nördlichen Oberpfalz. Gibt es noch andere Orte, die auf die Region oder das Umland hindeuten?

Bäumler: Waidbuch ist ein fiktiver Ort in der nördlichen Oberpfalz unweit der tschechischen Grenze. Im Roman kommen am Rande auch noch Waldsassen, Weiden und Regensburg vor, weite Teile der Handlung sind in Prag angesiedelt, daher auch das Titelbild. Auch der Pragser Wildsee und der Seekofel in Südtirol spielen eine Rolle in der Geschichte.

Ihr Buch hat der Größenwahn-Verlag in Frankfurt veröffentlicht. Wie kam der Kontakt zustande?

Bäumler: Ich hatte neben anderen auch diesem Verlag ein Exposé und die ersten 20 Seiten des ersten Entwurfs zugeschickt, daraufhin hat sich nach relativ kurzer Zeit der Verleger telefonisch bei mir gemeldet und um den Rest des Manuskripts gebeten und nach dessen Lektüre wohl beschlossen, diesen Roman herauszubringen.

Wie hoch ist die Auflage?

Bäumler: Da es sich um einen kleinen Verlag handelt, der wirtschaften muss, ist die erste Druckauflage bei allen dessen Veröffentlichungen nicht sehr hoch. Ich denke mal so um die 500 Exemplare. Dafür hält es der Verlag so, dass je nach Nachfrage äußerst kurzfristig nachgedruckt wird. Zeitgleich gibt es den Roman als E-Book. Am 14. März hat der Verlag einen Größenwahn-Krimiabend in Leipzig organisiert, wo ich lesen werde. Am 15. März lese ich direkt auf der Buchmesse im Literaturkaffee in Halle D.

Bleibt es bei dem einen Roman, oder werden weitere Werke folgen?

Bäumler: Ein zweiter Kriminalroman mit der selben Protagonistin Gerti Zimmermann, die übrigens ursprünglich Neustädterin ist, vom Felixberg stammt und wieder in einem sehr spannenden Fall ermittelt, steht kurz vor dem Abschluss.
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