Interview mit John Densmore über die zwei Doors-Alben ohne Jim Morrison
Keine Triumphzüge

Am 13. September 1968 spielten die Doors (von links) mit Ray Manzarek, Jim Morrison, John Densmore und Robby Krieger für Fernsehaufnahmen vor dem Römer in Frankfurt. Drei Jahre später war Morrison tot, die Rest-Doors spielten zwei Alben ein und gingen damit auf Tour. Archivbilder: dpa (2)
   
John Densmore im Jahr 2011.

Organist Ray Manzarek, Gitarrist Robby Krieger und Schlagzeuger John Densmore steckten mitten in der Ideensammlung für neue Songs, die das siebte Doors-Album ausmachen sollten, da erreichte sie Anfang Juli 1971 die tragische Nachricht, dass ihr charismatischer Sänger Jim Morrison in Paris mit nur 27 Jahren verstorben war.

Nach einer kurzen Zeit des Schocks und der Trauer beschlossen die Hinterbliebenen als Rumpf-Trio weiterzumachen. Noch Ende Oktober 1971 erschien das Werk "Other Voices", bereits neun Monate später der Schwanengesang "Full Circle", während man dazwischen quer durch die Welt tourte.

Nun sind die beiden "Post-Morrison-Scheiben" samt dem raren Bonustrack "Treetrunk" digital remastert als Doppel-CD in den Handel gekommen, musikalisch durchaus abwechslungsreich, doch der kultisch verehrte Frontmann fehlt an allen Ecken und Enden. Der 70-jährige John Densmore erinnert sich zurück an eine Ära, in der bei den Doors alles im Umbruch war. Und auch an das recht unspektakuläre Ende der Formation im April 1973.

Wenn Sie sich heute die beiden letzten The Doors-Platten anhören, welche Emotionen werden da bei Ihnen ausgelöst?

John Densmore: Rückblickend kann ich nur feststellen, dass wir verbliebenen Drei immer sehr stolz auf diese beiden Alben waren. Natürlich waren sie nicht mehr so erfolgreich wie die Vorgänger, weil wir unser Zugpferd an Gevatter Tod verloren hatten. Aber wir waren trotz der Tragik um Jim's Tod festen Willens mit der Band weiterzumachen. The Doors, das war ja nicht ausschließlich Morrison! Wir wollten der Welt beweisen, dass wir auch ohne ihn musikalisch etwas drauf hatten. Ich finde, das haben wir gar nicht so übel getan.

Erinnern Sie sich an den Tag, an dem Sie von Jim Morrisons Ableben erfuhren?

Densmore: An den genauen Tag nicht mehr. Aber ich weiß, dass ich die ersten Wochen nach dieser Mitteilung deren Inhalt nicht glauben wollte. Das war alles so abstrakt für mich. Ich stand unter totalem Schock. Vor allem aufgrund des Umstands, dass Jim, ehe er nach Paris abreiste, sich mehr und mehr von Drogen und Alkohol entfernt hatte. Außerdem war der Mann erst 27. Wer rechnet da mit seinem Tod?

Wann beschlossen Sie, die Gruppe auch ohne Ihren Frontmann weiterzuführen?

Densmore: Wir haben einfach Scheuklappen aufgesetzt und stur weitergemacht, ohne uns groß um die Außenwelt zu kümmern und als wäre nichts Einschneidendes passiert. Wir haben gejamt, geprobt, irgendwann sind wir ins Studio, irgendwann auf eine Bühne gestiefelt. Rückblickend würde ich sagen, dass wir für uns nur auf diese Weise unserer Trauer über Jims Tod verarbeiten konnten. Wir wollten den Schmerz nicht in seiner kompletten Wucht an uns ranlassen. Es war wichtig, uns davor zu schützen. In einer solchen Situation ist es immer gut, sich in Arbeit zu stürzen.

War die Produktionsweise auf den letzten beiden The Doors-Arbeiten eine andere als auf denen zuvor?

Densmore: Wir haben den ursprünglichen Sound unserer Band systematisch weiterentwickelt. So gab es auf "Other Voices" und vor allem auf "Full Circle" sehr viel mehr Jazz-Einflüsse als früher zu hören. Eigentlich eine tolle Geschichte - doch der "Mythos Jim" war für uns auf Dauer unbezwingbar. Und vielleicht war es auch nicht die beste aller Ideen, dass Robby und Ray die Gesangsparts übernahmen, sie waren nicht die begnadetsten Sänger.

Angeblich haben Sie Iggy Pop und Kevin Coyne die Nachfolge für den Posten des Frontmanns angeboten. Doch Pop erschienen die Stiefel des Vorgängers zu groß. Und Coyne hat gerüchteweise mit der Begründung abgelehnt, dass ihm Lederhosen nicht gefielen und er darin lächerlich aussehe. Ist da was dran?

Densmore: Kevin Wer? Von diesem Mann habe ich meiner Lebtag nicht gehört. Muss man den kennen? Iggy Pop allerdings traf sich tatsächlich mit Ray zu einem Gespräch. Doch wurden beide Seiten nicht recht warm miteinander. Außerdem wollte Ray einen Junkie nicht durch einen Junkie ersetzen. Denn Iggy war Anfang der 1970er wirklich beinhart auf Drogen unterwegs.

Schließlich gingen The Doors 1972 als Trio auf Tournee, Konzerte wurden bevorzugt in Nordamerika absolviert. Wie war die Atmosphäre bei den Auftritten?

Densmore: Soweit ich mich entsinne, wurden wir ziemlich überall äußerst wohlwollend von den Fans aufgenommen. Okay, wir feierten keine Triumphzüge wie früher. Aber der Applaus war häufig langanhaltend, auch bei den neuen Stücken. Die instrumentale Seite wurde von uns mehr und mehr ausgedehnt, weil wir uns darüber bewusst waren, dass keiner von uns Jim als Sänger zu Hundert Prozent ersetzen konnte. Doch meine Erinnerung an die Konzerte 1972 ist durchwegs positiv besetzt.

Warum gingen The Doors 1973 endgültig in die Brüche?

Densmore: Wir hatten mit unserer Plattenfirma einen Deal über fünf Alben ausgehandelt. Dafür hatten wir einen guten Vorschuss bekommen, den wir in jedem Fall behalten durften. Doch allmählich erlosch das Interesse des Labels an unserer Band. Und wir selbst hatten damals Lust, uns ins Private zurückzuziehen. So leise und unscheinbar kann gelegentlich eine Legende einfach so verschwinden.

Was bedeutet Ihnen die Doors-Ära rückblickend?

Densmore: Ich denke, das Schlagzeug war das beste daran (lacht lange und andauernd). Aber ernsthaft: Ich bin nach wie vor fasziniert von dem Gedanken, dass vier junge, unschuldige, von der Musik vollkommen in Beschlag genommene und charakterlich sehr unterschiedliche Typen Mitte der 1960-er in einer kalifornischen Garage zusammen sitzen, nächtelang jamen und diskutieren, um sich dadurch einen eigenen musikalischen Mikrokosmos zu schaffen. Und kurze Zeit darauf stellen diese Burschen die Welt der Rock-Musik komplett auf den Kopf. Darauf bin ich verdammt stolz.

Womit sind Sie heutzutage beschäftigt, machen Sie noch Musik?

Densmore: Hauptsächlich im heimischen Kämmerchen, nur ab und an trommle ich für die Band "Tribal Jazz". Schließlich habe ich ein Alter, in dem ich mir künstlerisch nicht mehr groß etwas beweisen muss. Trotzdem lässt mich meine frühere Formation nach wie vor nicht los. Bereits vor zwei Jahren erschien mein vieldiskutiertes Buch "The Doors Unhinged", worin ich über meine heftigen Meinungsverschiedenheiten, die ich eine Zeit lang mit Ray und Robby hatte, ausführlich Bericht erstattete.

Ich hatte damals das Gefühl, die beiden wollen den "Mythos Doors" in den Schmutz ziehen, weil sie unsere Lieder zu Werbezwecken angeboten hatten, etwa dem Autohersteller Cadillac. So etwas wäre uns in der aktiven Zeit nie in den Sinn gekommen, da wir das Establishment ablehnten. Jim jedenfalls hätte das garantiert nicht gefallen. Zum Glück haben wir uns kurz vor Rays Tod 2013 wieder vertragen.

Zu Zeit bin ich kurz davor, mein nächstes Buch abzuschließen. Worum es darin geht? Um die Doors natürlich. Dieses Thema ist für mich, bleibt zu befürchten, eine unendliche Geschichte.

Weitere Informationen im Internet:
www.thedoors.com
www.johndensmore.com/

Helmi Coyne: Kevin Coyne und die Doors-Lederhosen"Kein Wunder, dass John Densmore weder Kevin Coyne kennt, noch über die Sache Bescheid weiß", erzählt Helmi Coyne, Witwe des 2004 in Nürnberg verstorbenen Rockmusikers und Malers Kevin Coyne. "Fakt ist, dass Kevin als Morrison-Nachfolger im Gespräch war. Aber die Doors waren in keinster Weise in das Vorgehen involviert." In verschiedenen Interviews hatte sich Kevin Coyne zu der Angelegenheit immer wieder geäußert: "Jim Morrison war quasi noch nicht unter der Erde, da bekam ich einen Anruf von Clive Selwood. Er war zu der Zeit der Manager vom Plattenlabel Elektra in Europa." Auf Kevin war der legendäre Elektra-Manager Jac Holzmann gestoßen. Die ersten "Siren"-Alben wurden bei Elektra veröffentlicht und so kam Holzmann zuvor schon nach Europa, um sich Coyne und seine Band anzuschauen. "Zu diesem Zeitpunkt hatte Kevin als Musiker einen Ruf wie Donnerhall und sie galten als die 'Bad Boys' der Szene", erinnert sich Helmi Coyne. Kevin traf sich mit Selwood in London, um über das Projekt zu sprechen: "Es war nicht mehr als eine Idee. Letztendlich habe ich nicht genügend Enthusiasmus an den Tag gelegt und so hörte ich nie wieder etwas davon."

Dass der britische Rockmusiker die ganze Geschichte damit kolportierte, er hätte eh keine Lust auf enge Lederhosen gehabt, ist seinem typischen Humor zuzuschreiben. "Kevin hatte kein wirkliches Interesse an der Sache. Selbst als er von Mike Oldfield angefragt wurde, Lyrics für "Tubular Bells" zu schreiben, hat er abgelehnt. Er wollte sein Ding machen, betont Helmi Coyne. (sv)

Weitere Informationen im Internet: www.kevincoyne.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.