Interview mit Scorpions-Gitarrist Matthias Jabs
Neue Härte

Der Scorpions-Gitarrist Matthias Jabs sieht seine Band „kreativ wie lange nicht mehr“. Nachzuhören ist dies auf der aktuellen CD. Bild: Oliver Rat
  Fünf Jahre später sieht die Welt des Hannoveraner Quintetts ziemlich sehr anders aus. Hunderte Konzerte quer über den Planeten wurden mittlerweile absolviert, alleine im Jahr 2012 nahmen die „Scorps“ 32,7 Millionen Dollar ein und erreichten damit im hoch-offiziellen „Pollstar“- Ranking der umsatzstärksten Tourneen den 38. Platz.

Unter diesen Umständen war es nur folgerichtig, dass die niedersächsische Formation am 18. Januar 2013 ihren „Rücktritt vom Rücktritt“ erklärte, nach Ende der Welttournee doch weitermachen wolle, allerdings keine ausufernden Touren mehr plane, höchstens noch das eine oder andere vereinzelte Konzert spielen werde. Auch an dieser Stellungnahme hat sich 2015 einiges geändert. Zum ersten ist gerade das neue Album „Return To Forever“ in den Handel gekommen. Zum anderen sind die Daten für eine umfangreiche Hallenreise im März 2016 (!) inzwischen festgeklopft.

Wie schon erwähnt, überzeugend geht anders. Und trotz allen Kopfschüttelns muss man zumindest als Anhänger von harten und härteren Rock-Tönen neidlos zugestehen: Die alten Knaben haben den Drive noch drauf! „Return To Forever“ beschwört intensiv eine „neu gewonnene Härte“, es ist das stärkste Werk der Hannoveraner seit langem und knüpft musikalisch nahtlos an die Glanzzeit der Gruppe in den 1970-ern und 1980-ern an. Trotzdem bleiben einige Fragen in Punkto „Glaubwürdigkeit“ offen.

Beantwortet werden diese von Matthias Jabs, seit 1978 zweiter Gitarrist der Scorpions. Der 59-jährige überzeugte Christ lacht viel während des Gesprächs und meint lediglich zu Vorwürfen der Unglaubwürdigkeit, dass „wir fit sind wie lange nicht, auch kreativ wie lange nicht und zudem feiert die Gruppe 50-jähriges Jubiläum, Rudolf (Schenker; d. Red.) hat den Stein 1965 ins Rollen gebracht – warum sollte man unter solch idealen Umständen mit den Scorpions nicht einfach weitermachen?“

Der Titel eures neuen Albums, „Return To Forever“ deutet es bereits an: Offensichtlich ist kein Ende der Scorpions in Sicht, richtig?

Matthias Jabs: Der Titel ist bezeichnend, das stimmt! (lacht) Eigentlich wollten wir nach der Bekanntgabe unserer Auflösung im Jahr 2010 unseren umfangreichen unveröffentlichten Back-Katalog aufarbeiten, daraus noch das eine oder andere raus bringen und uns dann ins Private zurückziehen. Doch als wir an dieser Sache dran waren, strömten stetig neue Ideen für neue Lieder auf uns ein. Soll man sich dagegen auf Dauer erwehren?

Wann stand endgültig fest, dass es zu einem brandneuen Scorpions- Werk kommen wird?

Jabs: Das war im Sommer 2013 klar. Danach hatten wir 1 1/2 Jahre Zeit, um ganz entspannt und gleichzeitig konzentriert an dieser Scheibe werkeln zu können. Beste Voraussetzungen, um eine wirklich ausgereifte Produktion vorlegen zu können.

Musikalisch kommt „Return To Forever“ bereits heute wie ein kraftvoller Scorpions-Klassiker daher. Seht ihr euch als die Hüter des eigenen Erbes?

Jabs: Obwohl wir in der jüngeren Vergangenheit auch Orchester- und „Unplugged“-Produktionen raus gegeben haben, stehen die Scorpions letztlich in der Tat für eine selbst geschaffene Nische. Ich denke, wir haben unseren endgültigen Stil, der im Heavy Rock verwurzelt ist, spätestens in den 1980-ern gefunden und bis heute beibehalten. Wenn man uns dafür Anachronismus vorwirft, akzeptieren wir das gerne. Denn wir spielen genau den Sound, den wir lieben. Und den offensichtlich auch unsere Fans lieben. Sonst wären wir nicht immens erfolgreich. Unsere Anhänger sind in Stil-Fragen genauso konservativ wie wir selbst.

50 Jahre im Rock & Roll-Zirkus – ist diese Zahl nicht etwas beängstigend?

Jabs: Diese Frage muss man Rudolf stellen, denn ich war vor einem halben Jahrhundert gerade mal Neun. (lacht) Trotzdem gebe ich zu: „50“ hat durchaus etwas Erschreckendes. Zur selben Zeit paart sich diese Erkenntnis aber mit großem Stolz auf die Vergangenheit unserer Band. Ich bin überzeugt, dass wir mit den Scorpions etwas Einzigartiges erreicht haben.
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