Junge Frau flüchtet nach sieben Jahren Gefangenschaft mit ihrem Sohn im Film "Raum"
Schaurige Welt auf engstem Raum

Brie Larson als Ma und Jacob Tremblay als Jack leben im Film "Raum" auf engstem Raum zusammen - bis Ma schließlich die Flucht plant. Bild: George Kraychyk/Universal Pictures/dpa

In "Raum" brilliert Brie Larson als junge Frau, der nach langjähriger Gefangenschaft die Flucht mit ihrem kleinen Sohn gelingt. Dafür gewann sie gerade den Oscar als beste Hauptdarstellerin.

Hamburg. Jack hat alles, was er sich wünscht: Zeit für Sport und zum Spielen, ein kuscheliges Bett, eine Badewanne, eine liebende Mutter, einen Fernseher und einen freien Blick auf den Himmel - durch ein Oberlicht von seiner Welt auf neun Quadratmetern. Nur einen Hund, den hätte er gern noch. Jack lebt sein ganzes Leben in diesem Raum. Es ist sein Universum. Wie alle Kinder besitzt er die Fähigkeit, die eigene Welt mit all ihren Bedingungen als das Normale zu begreifen.

Bestseller verfilmt


Seine Mutter Joy (Brie Larson) ist es, die diese Illusion seit fünf Jahren kreiert. Sie selbst lebt seit sieben Jahren, dem Zeitpunkt ihrer Entführung, in diesem "Raum". Für ihr eindringliches Spiel als verzweifelte, tapfere Mutter erhielt Larson nach einem Golden Globe nun auch den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Die Autorin Emma Donoghue hat ihren gleichnamigen Bestseller aus dem Jahr 2010 für die Leinwand adaptiert, Regisseur Lenny Abrahamson ("Frank") inszeniert als bedrückendes Drama, einen Thriller, in dem er vieles auslässt und damit so viel erzählt.

Mutter plant Flucht


Alles ist schäbig in diesem Raum: die kleine Kochnische, mit einem klapprigen Regal über dem Herd und einigen Lebensmitteln, daneben die Toilette, eine Badewanne, der Tisch, das Bett, die ausgewaschenen Decken und Klamotten, die 24-jährige Joy, blass, mit unreiner Haut und strähnigen Haaren. Mittendrin der fünfjährige Jack, der mit seinen großen Augen aufmerksam, fröhlich und neugierig in diese Welt blickt, eine Welt, die seine Mutter so normal wie möglich zu gestalten versucht. Aus Eierschalen basteln sie Ketten, sie lernen, lesen, machen Gymnastik.

Joy ist immer für Jack da, auch wenn er das Ergebnis einer der vielen Vergewaltigungen ihres Peinigers. "Außer an den Tagen, an denen du verschwunden bist", sagt der Junge später einmal über die Zeit, wenn sich Joy unter der Bettdecke verkriecht. Der Peiniger, das ist ein lange gesichtsloser Mann, der die beiden mehr schlecht als recht versorgt, den Jack aber niemals zu Gesicht bekommt. Denn wenn "Old Nick" den mit Stahltür und Zahlenkombination gesicherten Raum betritt, ist Jack (Jacob Tremblay) längst im Schrank verschwunden. Es ist Jacks Alltag: Er hat Spaß, langweilt sich, streitet sich mit seiner Mutter, lacht mit ihr, lernt, schaut fern, gehorcht. Ein ganz normaler Junge eben. Doch irgendwann - nach ziemlich genau der Hälfte des Films - hält Joy es nicht mehr aus. Sie schmiedet einen Fluchtplan, der allein von Jack abhängt. Eine Flucht, die so spannend inszeniert ist, bei dem die Zuschauer und Jack zum ersten und einzigen Mal einen kurzen Blick auf den Entführer erhaschen.

Wie in der Romanvorlage erzählt Abrahamson die Geschichte, die zweifelsohne von realen Fällen wie denen von Natascha Kampusch und Josef Fritzl, der seine eigene Tochter 24 Jahre gefangen hielt, inspiriert sind, aus der Sicht des fünfjährigen Jacks. Er begegnet der Welt und den Menschen mit kindlicher Unvoreingenommenheit - das aber macht es umso schmerzlicher.

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Regie: Lenny Abrahamson - Mit Brie Larson, Jacob Tremblay, Sean Bridgers - Musik: Harry McClintock - 118 Minuten - frei ab 12 Jahren - Im Internet: www.raum-derfilm.de
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