Kindersoldaten und Rache an Nazis

Venedig putzt sich heraus: Heute werden die 72. Film-Festspiele eröffnet. Wie es sich gehört, haben sich zahlreiche Größen der Branche angekündigt. Bild: dpa

Das Filmfest Venedig ist das älteste der Welt. Dass es aber längst nicht in die Jahre gekommen ist, zeigt das Programm der 72. Ausgabe, die heute beginnt. Die Promi-Dichte ist groß.

Zu einem Filmfestival gehört das Promi-Schaulaufen einfach fest dazu. Doch mit dem Programm, das die Filmfestspiele Venedig in diesem Jahr angekündigt haben, wird es auf dem roten Teppich eine noch höhere Star-Dichte geben als für venezianische Verhältnisse üblich: Auf der Gästeliste stehen etwa Johnny Depp, Benedict Cumberbatch, Kristen Stewart sowie die Oscarpreisträger Anthony Hopkins, Eddie Redmayne, Juliette Binoche, Tom Hooper - und das sind längst nicht alle.

Den Auftakt machen am Mittwoch, 2. September, erst einmal Keira Knightley, Jason Clarke und Jake Gyllenhaal. Sie spielen in dem Eröffnungsfilm "Everest", einem Drama um einen wahren Überlebenskampf am höchsten Berg der Erde. Die Welt des Kinos verändere sich derzeit genauso stark wie die Welt um uns herum, erklärte Festivalchef Alberto Barbera vorab. Es gebe nicht mehr nur das eine beherrschende Zentrum wie Hollywood. "Wir bewegen uns auf neuem Terrain." Barbera ist sich sicher: Eine ganze Generation von Filmemachern verschwindet - weil sie schlichtweg zu alt sind oder mit wachsenden Finanzierungsproblemen zu kämpfen haben. "Das bedeutet, dass wir einen historischen Moment erleben, wo wir nach einem neuen Leitstern suchen."

Spannende Beiträge

Ob sie den dieses Jahr in Venedig finden werden, wird sich noch zeigen. Barbera scheint es mit dieser 72. Festivalausgabe aber tatsächlich gelungen zu sein, neben etablierten Regisseuren auch viele jüngere Talente in den Fokus zu stellen. Außerdem sind im Wettbewerb mit 21 Beiträgen sowie in den Nebenreihen zahlreiche mit Spannung erwartete Werke aus verschiedenen Ländern dabei. Trotz des Glamours werden die Filme also nicht zu kurz kommen.

In der Konkurrenz um den Goldenen Löwen, der am 12. September von den Jurymitgliedern wie "Gravity"-Regisseur Alfonso Cuarón und der deutschen Schauspielerin Diane Kruger vergeben wird, ist etwa "The Danish Girl" des Briten Tom Hooper ("The King's Speech"). In dem Drama verkörpert der 33-jährige Eddie Redmayne, der in diesem Jahr den Oscar für seine Darstellung des Physikers Stephen Hawking in "Die Entdeckung der Unendlichkeit" gewann, erneut eine reale Person: Die Dänin Lili Elbe war eine der ersten Transsexuellen, die sich Anfang der 1930er Jahre einer geschlechtsangleichenden Operation unterzog.

In "Rabin, the Last Day" erzählt der Israeli Amos Gitai von der Ermordung des israelischen Ministerpräsidenten Izchak Rabin 1995. Der Italiener Luca Guadagnino lässt in "A Bigger Splash" Tilda Swinton, Ralph Fiennes und "Fifty Shades of Grey"-Star Dakota Johnson auf einer Insel im Mittelmeer zusammenprallen. "Anomalisa" von Charlie Kaufman und Duke Johnson ist der einzige Animationsfilm in der Löwen-Konkurrenz, und mit "Beasts of No Nation" zeigt der US-Amerikaner Cary Fukunaga (Emmy für die gefeierte TV-Serie "True Detective") das Schicksal eines Kindersoldaten.

Deutsche Filmemacher sind nicht dabei, dafür gibt es zwei Koproduktionen: In "Remember" erzählt Atom Egoyan von der Rache an einem Nazi, besetzt mit Christopher Plummer, Bruno Ganz und Jürgen Prochnow. Auch "Francofonia" wurde mit deutschen Geldern finanziert. Darin schweift Alexander Sokurow durch den Louvre im Paris der Nazi-Zeit.

"The Audition" fehlt

Außerhalb des Wettbewerbs stehen ebenfalls einige Höhepunkte auf dem Programm. "Go with me" ist ein Thriller mit Anthony Hopkins und Julia Stiles. Das auf wahren Begebenheiten beruhende Werk "Black Mass" hingegen mit Johnny Depp und Benedict Cumberbatch erzählt von einem Gangster, der in den 70ern sein Imperium mit Hilfe des FBI stärkte. Einer der größten geplanten Star-Trümpfe wird allerdings nicht stechen: US-Regisseur Martin Scorsese zeigt seinen Kurzfilm "The Audition", mit Stars wie Brad Pitt, Leonardo DiCaprio und Robert De Niro, nun doch nicht. Der Beitrag könne wegen unerwarteter technischer Probleme nicht rechtzeitig nach Venedig gebracht werden, teilte das Festival am vergangenen Wochenende mit.
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