Klaus Doldinger wird 80
Vitaler Groove-Greis

 
Klaus Doldinger wird 80 - und nutzt die Gelegenheit, um einige Lieblingsstücke aus seinem gut 400 Kompositionen umfassenden Werk einer Frischzellenkur zu unterziehen. Bild: Peter Hönnemann

Jazz Rock-Pionier Klaus Doldinger wird am 12. Mai 80, macht weiterhin Musik, die stilistische Grenzen ignoriert - und hat mit dem schlicht "Doldinger" betitelten 35. Album seiner Formation Passport zum Jubiläum ein umwerfendes Dokument vorgelegt.

Nach wie vor gehört der gebürtige Berliner mit jahrzehntelangem Wohnsitz in Bayern weiterhin zu den innovativsten, neugierigsten Klang-Forschern jenseits ausgetretener Pfade. Auf "Doldinger" (Warner) haben sich alte (= Passport Classic) und neue (= Passport Today) Mitstreiter ein Stelldichein gegeben, aber auch illustre Gäste wie Helge Schneider, Sasha, Max Mutzke, Dominic Miller, Nils Landgren und - nicht zu vergessen - der langjährige Weggefährte Udo Lindenberg, der ein Ständchen mit dem saloppen Titel "Der Greis ist heiß" zum besten gibt.

Auf dem Werk befinden sich ausschließlich Kompositionen, die es auf früheren Passport-Werken schon zu hören gab. Doch durch die Neubearbeitung plumpsen diese Lieder in eine Art belebenden Jungbrunnen. Der charmante Mann mit dem markanten Scheitel steht seit über einem halben Jahrhundert auf der Bühne, hat mehr als 2000 Stücke im Laufe seiner endlos scheinenden Karriere komponiert, seine Haupt-Formation Passport existiert seit 1970.

Doldinger schreibt für diese Band wie für Solo-Projekte wie für TV- und Kino-Filme ("Die unendliche Geschichte", "Das Boot", "Tatort"-Titelmelodie), alles in professioneller, etliches in brillanter Qualität. Klaus Doldinger, ein Trade Mark, wenn man so will, ein in sich ruhender Fixstern. "Und ein Ende meiner künstlerischen Reise", freut sich der bescheiden gebliebene Groove-Greis, "ist hoffentlich noch lange nicht abzusehen." Happy Birthday!

Haben Sie die Stücke von "Doldinger" einer Frischzellenkur unterziehen wollen - oder was ist sonst der Hauptanspruch der Platte?

Klaus Doldinger: Frisch sollten die Interpretationen auf alle Fälle klingen. Denn sonst macht es keinen Sinn, sie erneut aufzunehmen. Sie sollten anders klingen als die Originalversionen, ohne dass dabei ihre Grundmotive verloren gehen. Ich bin nun mal eingefleischter Jazzer. Und Jazz lebt von Spontaneität und Improvisation. Wer Jazzer ist, bleibt für immer jung. Denn jeder Jazzer liebt es, live zu spielen. Das bedeutet: Man gibt sich eine Grundmelodie vor. Und die wird auf Teufel komm raus bis zum bitteren Ende variiert.

Darf man sich die Aufnahmesessions als eine Art "Vorgeburtstagsparty" imaginieren?

Unbedingt - denn bis auf meinen alten Kumpel Udo Lindenberg waren sämtliche Musiker bei mir zu Hause im Studio vor Ort und wir haben die Lieder in klassischer Manier in wenigen Takes aufgenommen. Udo hat mir seine Vokal-Spuren per Computer geschickt. Das war in Ordnung, denn er hat gerade viel um die Ohren - während ich 80 werde, wird er 70. Das muss gebührend in der Öffentlichkeit gefeiert werden, denn der Bursche ist ein Original! Ich mag ihn, seit er Ende der 1960-er in meinem Leben als Trommler von verschiedenen meiner Bands aufgetaucht ist.

Wie wichtig ist Ihnen die Rolle des "Team-Players", wie wichtig diejenige des "Band-Leaders"?

Ich weiß, dass meine Mitstreiter gerne auf mich hören, wenn ich mir musikalisch etwas vorstelle und ich ihnen diese Idee entsprechend vermitteln kann. Aber ich spiele diesen Joker des "Anführers" selten aus. Die klassische Passport-Atmosphäre entsteht durch die Gleichberechtigung sämtlicher Beteiligter am Projekt. Okay, ich gebe die Grund-Motive der Lieder vor. Aber danach wird so heftig gejammt, dass die Lieder gerne am Schluss einen völlig anderen Charakter als geplant bekommen.

Sie sind gerade 80 geworden - wie gehen Sie mit diesem stolzen Alter als aktiver Musiker um?

Solange die Gesundheit mitspielt, mache ich mir keinerlei Gedanken über das Alter. In den frühen 1980ern war ich mal ziemlich angeschlagen, dachte sogar ans Beenden der künstlerischen Karriere. Doch danach habe ich meinen Lebensrhythmus stark verändert: Gehe seither relativ zeitig ins Bett, rauche nicht mehr, trinke höchstens mal ein Glas Wein. Ich habe seither mein Dasein ganz in den Dienst der Musik - und natürlich meiner geliebten Frau Ingrid - gestellt. Das ist extrem befriedigend. Kunst hält den Menschen jung!

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