Köln:Wegen Regen wurde der Kölner Pleyel-Quartett ins ehemalige Marstall verlegt
Kein Ton geht im Gemäuer verloren

Dem Kölner Ensemble und dem Publikum kommt der Regen am Sonntag zugute. Das Konzert wird in den ehemaligen Marstall verlagert. Der Klang der Instrumente verfliegt im Raum nicht so schnell und bleibt länger in den Ohren. Bild: Kempf
Stürmischer Applaus und Anerkennungsrufe sind der Lohn des Publikums für die hinreißende Darbietung des Pleyel-Quartetts aus Köln. Werke von Ignaz Pleyel (1757-1831), seinem Lehrer Joseph Haydn (1732-1809), von Germaine Tallieferre (1892-1983) und Felix Mendelsohn Bartholdy (1809-1847) stehen am regnerisch-kühlen Sonntagnachmittag auf dem Programm der Wurzer Sommerkonzerte.

Geändertes Programm

Das Wetter ist Anlass genug, das Konzert in den ehemaligen Marstall des Anwesens zu verlegen. Eine gute Entscheidung: Der Raum kommt der Akustik unbestreitbar zugute. In der "Ton-Gefangenheit" der alten Steinwände geht kein Ton verloren, jede Klangnuance ist hörbar und nachempfindbar. So kommt die jeweilige Kompositionsschönheit voll zur Geltung. Auch wenn sich im Publikum eine Stimme leise meldet, ihr sei es zu laut. Jede Empfindung ist anders, vielleicht auch nicht falsch. Das Programm wird leicht abgeändert, soll Haydn erst an zweiter Stelle geboten werden, macht sein Streichquartett in d-Moll, das "Quintenquartett" den Anfang. Das Streichquartett D-Dur, das 12. "Preußische Quartett", von Ignaz Pleyel folgt. Nach der Pause gibt es das Streichquartett von Tailleferre, neben Pleyel eine weitere schillernde Persönlichkeit ihrer Epoche. Pleyel war sowohl als Komponist, Notenverleger und Klavierfabrikant in vielschichtiger Weise in seiner Ära berühmt und erfolgreich. Seine Quartette waren in ihrer konzertanten Schreibart so berühmt, dass sie Kompositions-Vorbild für andere Musiker wie seinen Lehrer Haydn, aber auch für Mozart wurden. Sie übernahmen Elemente seines Stils. Das Pleyel-Quartett aus Köln mit Ingeborg Scheerer, Milena Schuster (beide Violine), Andreas Gerhardus (Viola) und Andreas Müller (Violoncello) ist wegen seines spezifischen Ensembleklangs berühmt und von Kritikern hoch gelobt.

Darmsaiten und Vibrato

Ursache für diesen Klang ist die Verwendung von Darmsaiten und ein differenzierter Gebrauch des Vibrato, der periodisch wiederkehrenden, geringfügigen Veränderung der Frequenz eines gehaltenen Tons. Die lebendige Phrasierung, also Lautstärke, Rhythmik, Artikulation und Pausensetzung von Tönen innerhalb einer musikalischen Phrase, und die sprechende Artikulation sind wegweisend.

Die Akustikqualität im Marstall ermöglicht es, dass der volle Zusammenklang der Instrumente das Ohr des Hörers in unbeeinträchtigter Harmonie mit vollumfänglicher Klangfülle erreicht. Das Pleyel-Quartett wird der Klang- und Akkordfülle des namengebenden Komponisten mehr als gerecht. Die Wucht ihrer virtuos gespielten Instrumente nimmt das Publikum gefangen.
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