Kommentar von Gabriele Weiß
Helmut Schmidt - und wie er die Arbeitswelt sieht

"Fernbedienungen!" Karikatur: Tomicek
96 Jahre und kein bisschen leise: Das ist Helmut Schmidt, Alt-Bundeskanzler, Publizist, Staatsmann und Raucher. Der Vollblut-Politiker denkt auch 29 Jahre nach seinem 67. Geburtstag und trotz zahlreicher gesundheitlicher Probleme nicht daran, sich aufs Altenteil zurückzuziehen. Sein jüngstes Projekt: eine Studie mit Handlungsempfehlungen für Beschäftigte und deren Personalverantwortliche in belastenden Berufen.

Denn auch wer im Stahlwerk malocht, soll nicht schon lange vor dem gesetzlichen Rentenalter so kaputt sein, dass er gänzlich aus dem Arbeitsprozess herausfällt. Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt: Das ist natürlich nicht nur für die Wirtschaft wünschenswert, sondern auch sozial. Die Menschen arbeiten doch wohl nicht nur, um zu leben, sondern sie leben auch, um zu arbeiten. Oder?

Ob das unbedingt bis zum 67. Lebensjahr sein muss? Für Helmut Schmidt ist das keine Frage. Die Frage für ihn ist nur, wie es gelingen kann, die Leute bis zuletzt an der Werkbank oder wenigstens hinterm Schreibtisch zu halten. Möglichst gesund und leistungsfähig sollen sie dabei sein. Motiviert. Stets bereit, dem Unternehmen mit ihrem reichen Erfahrungsschatz zu dienen.

Not macht eben erfinderisch. Wo der Nachwuchs fehlt, müssen nun mal alle Ressourcen restlos ausgeschöpft werden. Helmut Schmidt zeigt selbst, wie das geht: Im Nebel seiner Mentholzigaretten eingehüllt, erklärt der Fast-Hundertjährige dem unfähigen Nachwuchs regelmäßig, wie Politik geht. Und der inzwischen fünfte Herzschrittmacher gibt den Takt vor. Ein Vorbild für uns alle?

gabriele.weiss@derneuetag.de
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