Konzertreihe zu Ehren des gebürtigen Kohlbergers mit hochkarätigem Liederabend beeindruckend ...
Beer-Walbrunn eine Wiederentdeckung

Kilian Sprau und Angelika Huber präsentierten im Alten Rathaus Werke von Max Reger, Anton Beer-Walbrunn und Johannes Brahms. Bild: Tietz
Weiden.Etliche Besucher hatten sich eingefunden, nur die seitlichen Sitzgruppen blieben im Saal des Alten Rathauses in Weiden wenig besetzt. Als zweites Konzert der "Beer-Walbrunn-Tage 2014" war ein Liederabend angekündigt. Angelika Huber (Sopran) begleitet von Kilian Sprau am Klavier, sang Lieder von zwei berühmten Komponisten und eine Liedfolge des Oberpfälzer Komponisten Beer-Walbrunn. Und die wies nicht den geringsten Qualitätsunterschied zu den anderen Werken auf, wie sich herausstellte.

Tonfolge gemeistert

Einige "Schlichte Weisen" aus op 76 von Max Reger eröffneten den Reigen der vorzutragenden Gesänge. Wenn Reger "schlicht" meint, dann sollen Melodien etliche Takte durchhalten und nicht gleich in eine neue Tonfigur münden. Dennoch kommt die Singstimme nicht um manche komplizierte Tonfolge herum. In Angelika Hubers differenzierter Darstellungskunst ergab sich daraus kein Problem. Im Gegenteil, ihre saubere Intonation überzeugte. Noch dazu, weil Kilian Sprau sie mit exakt ausgeführten Klavierakkorden unterstützte.

Einleitend das volkstümliche Lied "Waldeinsamkeit" mit fließenden Harmonien, dann weitere Lieder mit passenden Umspielungen. Kräftiger Scherz prägt das Lied "Mei Bua", verhaltene Ironie den "Schwur", der von einem Liebesende handelt. Es sind wohl eher die Inhalte der Lieder schlicht, Singstimme und Klaviersatz haben, wie bei Reger üblich, komplizierte Tonfolgen zu gestalten. Selbst das im bairischen Dialekt gehaltene Lied "Mei Bua" enthält Tonsprünge, wie sie nur Reger pflegt.

Die danach folgenden "Shakespeare-Sonette" op 34 von Anton Beer-Walbrunn setzten die beeindruckende aber zugleich komplizierte Kompositionsweise fort. Orchestral wirkt die Begleitung, welche die gesanglich dargestellten Töne textbezogen unterstützt. Wenn gesungen wird "Mein Liebchen tritt beim Gehen auf den Pfad", dann gibt es dazu kurze Staccato-Töne im Klavier. So werden verschiedene Stimmungen in Worten und sie untermalenden Tönen zu einer glaubhaften Aussage verknüpft. Deshalb der ungestüme Beginn im Klavier, in den die Sängerin mit den Worten "Mein Lieben ist wie Fieber, stets begehrend ..." einstimmt und beide auf ihre spezielle Weise diese beängstigende Aussage fortsetzen. Dennoch ist das Leben gemäß Shakespeare ohne die Liebe nicht vorstellbar. Diese Ansicht musikalisch zu untermalen, ist Beer-Walbrunn überzeugend gelungen.

Tiefsinnige Inhalte werden jeweils in einem Lied noch eindringlicher vorgeführt. Es ist ein Glücksfall, wie der Komponist Beer-Walbrunn die Dichtung des großen englischen Dramatikers mit musikalischen Mitteln erweitert. Eine großartige Entdeckung ist diese kaum bekannte Vertonung der berühmten Sonette. Als letzter Komponist maß sich Johannes Brahms mit den vorangegangenen Werken. Zunächst in den "Sechs Liedern" op 3. Und welche "Überraschung": Der Stil des berühmten Komponisten Brahms ist bezüglich der harmonischen Gestaltung gar nicht so weit von den Tonideen des kaum bekannten Beer-Walbrunn entfernt. Auch die Handlungsideen sind ähnlich: Hier wie zuvor geht es um Liebende und deren Verhältnis zueinander, also vor allem um Liebesfreud und Liebesleid.

Liebe, Liebe, Liebe

Ausladende Gesangsmelodien und prächtige Klavierakkorde, wie beim jungen Brahms üblich, weisen auf verhaltene Stimmung oder spürbares Glück hin, und das wird musikalisch nachvollzogen. Auch in später entstandenen Liedern ist das Thema "Liebe" beherrschend, so bei den abschließenden Gesängen "Vergebliches Ständchen" op 88/4, "Therese" op 86/1 und "Salome" op 69/8. Die strahlend helle Stimme der Sängerin gestaltete auch diese Lieder tadellos. Als erste Zugabe erklang "Fliegt durch die zitternden Reben" von Anton Beer-Walbrunn. Schließlich wurden die Zuhörer mit "Mariä Wiegenlied" op76/52 aus den "Schlichten Weisen" Max Regers verabschiedet.
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