Kris Kristofferson wird 80
„Ich singe wie ein Frosch“

Auf seinem Rasentraktor fühlt sich Kris Kristofferson wohl, noch mehr aber auf der Bühne: Dort feiert er auch seinen 80. Geburtstag und gibt in Lawrence im US-Bundestaat Kansas ein Konzert. Bild: dpa

Musiklegenden wie Elvis Presley, Jerry Lee Lewis, Janis Joplin und Ray Charles haben seine Lieder gesungen: Kris Kristofferson ist einer der wichtigsten Songwriter aller Zeiten. Jetzt wird er 80 - und tourt auch selbst als Sänger weiter.

New York. Zum Geburtstag am heutigen Mittwoch macht sich Kristofferson selbst das größte Geschenk: Ein neues Album namens "The Cedar Creek Session" und eine Tour. Bis Ende des Jahres tritt die Songwriter-Legende in Nordamerika und Skandinavien auf. Seinen Geburtstag feiert er bei einem Konzert in Lawrence im US-Bundesstaat Kansas.

Wenn er nicht auf der Bühne steht, mäht er am liebsten den Rasen seines Anwesens auf Hawaii, bekennt der Musiker dem US-Radiosender NPR. "Das ist meine Therapie. Auf meinem Rasentraktor kann mir keiner was." Jahrelang kämpft Kristofferson gegen Gedächtnisverlust, schreibt darüber und nennt sein letztes Album "Feeling Mortal" ("Ich fühle mich sterblich").

Ständiger Kampf


Dann diagnostiziert endlich ein Arzt Borreliose und behandelt ihn. "Auf einmal war er wieder da", berichtet Kristoffersons Frau Lisa dem "Rolling Stone". "Es gibt immer noch schlechte Tage, aber an manchen Tagen ist er ganz normal und es ist einfach zu vergessen, dass er da gegen etwas gekämpft hat."

Konzerte beginnt Kristofferson wie immer mit dem Song "Shipwrecked in the 80's". Aus Aberglauben, das Lied soll ihm Glück bringen. Dass er überhaupt als Sänger mit seinen Songs Hallen füllt, überrascht wohl ihn selbst am meisten. "Jeder Künstler, der meine Songs gesungen hat, hat das besser gemacht als ich. Ich singe wie ein Frosch", gibt er zu.

Die "New York Times" sieht das ähnlich: "Mr. Kristofferson ist über drei Akkorde nie hinausgekommen." Trotzdem lieben ihn die Fans, für die er mit seiner Gesellschaftskritik und Melancholie das gebrochene Lebensgefühl der Vietnam-Generation verkörpert. Geboren wurde der Enkel schwedischer Einwanderer 1936 in Brownsville, ganz im Süden von Texas. Mit einem Stipendium für Hochbegabte studierte er im britischen Oxford und wollte Autor werden. Er blieb aber erfolglos und wurde Hubschrauberpilot beim US-Militär. Von 1962 bis 1965 war er in Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) stationiert. Danach sollte er an der berühmten Militärakademie West Point bei New York Literatur unterrichten, doch er folgte seinem Herzen und ging in die Hochburg der Countrymusik, nach Nashville.

"Die Sache verblüfft mich immer noch", erzählt Kristofferson dem "Rolling Stone". "Ich war auf dem Weg in ein komplett anderes Leben. Und plötzlich habe ich meine ganze Zukunft, meine Familie und alles andere dem untergeordnet. Das war ziemlich angsteinflößend."

Der Weg nach oben


Seine Mutter war entsetzt und sprach jahrelang kein Wort mehr mit ihm. "Sie hat gesagt, dass ich eine Schande für die Familie bin. Ich habe ihnen stolze Momente gegeben, zum Beispiel mit meinem Stipendium, aber sie sagte: ,Das wird niemals die riesige Enttäuschung aufwiegen, die du schon immer warst'. Warum sagt man so etwas zu seinem Kind?"

In Nashville scheuerte er im Studio Böden, während Bob Dylan Aufnahmen machte. Um Johnny Cash von seinem Talent zu überzeugen, landete er mit einem Hubschrauber in dessen Garten. "Ich wusste lange Zeit nicht, ob ich jemals Songs verkaufen würde. Ich habe mir dann gesagt, dass ich es für mich und die Befriedigung mache, die ich daraus ziehen kann. Irgendwann konnte ich dann doch davon leben." Bald steht Kristofferson neben Dylan auf der Bühne und schreibt einen Hit nach dem anderen, darunter "Sunday Morning Coming Down" und "Help Me Make It Through the Night". "Schließlich stand ich mit meinen Helden auf der Bühne. Es war unglaublich."

Das ist meine Therapie. Auf meinem Rasentraktor kann mir keiner was.Sänger Kris Kristofferson
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