Künstler-Chaos mit System

"Durch einen Kilometer Granit gebohrt" hat sich Martina Benz (Zweite von rechts), die zusammen mit (von links) Mariko Saito, Pomona Zipser, Reinhard Zabka und Willi Weiner (rechts) zu Gast ist bei den "22. Pertolzhofener Kunstdingertagen". Organisiert hat das Treffen Heiko Herrmann (mit Hut), der dafür seinen Garten zur Verfügung stellt. Bild: Bugl

Wie Perlen an einer Kette fädelt Martina Benz Pflastersteine auf Eisenstangen. Ein paar Meter weiter hämmert ein Künstlerkollege an "vagen Säulen", und im Schuppen entsteht ein "Museum für fragwürdige Dinge". Die "Pertolzhofener Kunstdingertage" nähern sich dem Finale.

Auch eine Sackkarre fügt sich in die Installation, die Pflastersteine der Schwerkraft entreißen möchte. Unter dem grünen Sonnenschirm neben dem Atelier von Hausherr Heiko Herrmann in Pertolzhofen (Landkreis Schwandorf) scheinen sich die Würfel mit einem Seufzer der Erleichterung im Schatten niederzulassen.

Die Herrin über diese Pflastersteine, Martina Benz, macht keine Pause. Bis zum Samstag muss sich der Granit perfekt fügen, denn dann werden die in 14-tägiger Arbeit entstandenen Werke der Öffentlichkeit vorgestellt. "Abbruch-Aufbruch" lautet das Motto der "22. Pertolzhofener Kunstdingertage", die am Samstag, 4. Juli, mit Ausstellung und Fest ihren Abschluss finden. Acht Künstler präsentieren dann, was in zwei Wochen harter Auseinandersetzung mit Metall, Ton, Stein, Holz oder Papier und natürlich Farbe mitten in der ländlichen Oberpfalz entstanden ist. Neben dem Hausherrn Heiko Herrmann sind das in diesem Jahr Martina Benz (Bremen), Jo Magrean (Paris), Mariko Saito (Tokio), Urs Stadelmann (Basel), Willi Weiner (Stuttgart), Pomona Zipser (Berlin) und Reinhard Zabka (Radebeul).

Acht Künstler bringen für zwei Wochen die internationale Kunstszene ins ländlichen Pertolzhofen (Landkreis Schwandorf). Was dort an moderner Kunst entsteht ist beim Abschlussfest am 4. Juli zu sehen. Bilder von Monika Bugl.

Bambus und Stahl

Jeder hat in Haus oder Garten von Künstler Herrmann eine Nische gefunden: Im Schuppen hämmert Willi Weiner an einer fast drei Meter hohen Skulptur, aus Blech, die den Titel "Vage Säulen" tragen soll. "Das ist brutal anstrengend mit der Schutzkleidung aus Leder", stöhnt der Künstler.

Etwas filigraner geht es bei Reinhard Zabka zu, der Bambusstäbe zu ästhetischen Gebilden zusammenfügt. Außerdem will der Chef eines "Lügenmuseums" in Radebeul auch Pertolzhofen mit einer "Sammlung fragwürdiger Dinge" beglücken, darunter ein Rosenkranz aus Geweihteilen. Mariko Saito setzt auf schwarze Tusche. Japanischen Papierrollen verpasst sie damit eine moderne Seite, wenn zwischen traditionellen Skizzen Gesichter und Figuren aufblitzen.

Urs Stadelmann musste früher abreisen, hat aber eine Sammlung von Tonskulpturen hinterlassen und ein paar Aquarelle, bei denen Teamarbeit gefragt war. "Er hat die Farbe Hellblau zugeteilt bekommen, ich Lila", erklärt Hausherr Heiko Herrmann. "Strenge Spielregeln für ein chaotisches System" seien die Basis für diese gemeinschaftlichen Werke, sagt Herrmann, der parallel dazu den Pinsel in kräftige Acrylfarben getaucht hat.


Ein "akuter Job" hat Fotograf Jo Magrean davon abgehalten, rechtzeitig aus Paris zum Künstler-Symposium zu erscheinen. "Als Hausaufgabe muss er deshalb eine Bildreportage liefern", berichtet Herrmann, "um dabei zu unterstreichen, dass Pertolzhofen in der Kunst durchaus auf einer Achse Moskau-Rom-Paris liegt".

"Andere Dörfer haben nur einen Brunnen, dieses hier hat einen Schatz", staunt Künstler Zabka über das, was sich in dem 400 Einwohner zählenden Ort alles tut. Immerhin steht hier auch die "kleinste Kunsthalle der Welt" (mobiler Container).

Streng geheim bis 4. Juli

Am Samstag, 4. Juli, wird das Dorf vollends zum Mekka für Kunstinteressierte: Ab 16 Uhr stellen die Künstler auf dem Anwesen von Heiko Herrmann und im Kunst-Container ihre Werke aus, die Pertolzhofener Blaskapelle spielt auf, und auch für eine Bewirtung ist gesorgt. Führungen gibt es um 18 und 19 Uhr. Nicht zuletzt wird ein streng gehegtes Geheimnis gelüftet: Pomona Zipser enthüllt das Innenleben eines umgebauten Kästchens. Ihr Ehrgeiz ist es, über technische Lösungen Schrott in noble Gebrauchsgegenstände zu verwandeln - inklusive absurder Komponente.
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