Kunstfest mit zeitgenössischen und gesellschaftskritischen Werken
Weimar will sich einmischen

Das Kunstfest Weimar will sich mit internationalen Projekten zu Religion, Gewalt und Flucht in politische Debatten einmischen. Bild: dpa

Welche Aufgabe hat Kunst heute? Wo soll und kann sie sich einmischen? Diesen Fragen geht das Kunstfest Weimar in politisch brisanten Aufführungen nach. Spaß und Experimente kommen aber nicht zu kurz.

Weimar. Das Kunstfest Weimar will sich mit zeitgenössischer Kunst zu aktuellen Entwicklungen in Europa, zu Religion, Gewalt und Flucht einmischen. Viele Projekte, so die Reihe "Transit Europa", seien mit in- und ausländischen Partnern erarbeitet worden und würden in Weimar erst- oder uraufgeführt, sagte Kunstfestleiter Christian Holtzhauer der Deutschen Presse-Agentur. "Wir hätten allerdings nie gedacht, dass die Ereignisse der letzten Wochen unsere Fragestellungen derart zuspitzen würden." Welche Aufgabe Kunst habe, sei eine entscheidende Frage 2016. "Kunst bietet einen Anlass, sich darüber zu verständigen, wie wir heute miteinander leben wollen."

Attraktiver Ort für Künstler


Vom 19. August bis 4. September stehen 28 Produktionen und mehr als 100 Veranstaltungen auf dem Programm. "Wir haben ein spannendes und prall gefülltes Programm mit aufregenden internationalen Gastspielen und auch mit speziell für Weimar zugeschnittenen Angeboten. Weimar ist ein attraktiver Ort für Künstler", betonte Holtzhauer. Die Ticketzahl sei nach dem Aufwärtstrend der Vorjahre erhöht worden. Nach dem turbulenten Eröffnungsfest für jedermann vor dem Deutschen Nationaltheater gibt es an 17 Festivaltagen Tanz, Musik, Schauspiel, Lesungen und Stadtführungen. Zum Eröffnungskonzert bieten die Junge Deutsche Philharmonie und das Tanzensemble Sasha Waltz & Guests unter dem Titel "UN/RUHE" Werke von Richard Wagner, Alban Berg und Rebecca Saunders.

Israelische Tänzer werden vormittags zusätzlich mit ihrem Stück vor Schülern in Weimar-West auftreten. "Das ist uns sehr wichtig", sagte der Kunstfestleiter. Weimar-West sei eines der etwas vernachlässigten Stadtgebiete. Wie Menschen aus unterschiedlichen Regionen, Herkünften, kulturellen und religiösen Gewohnheiten miteinander umgehen und dennoch ihre Eigenheiten behalten, stehe im Fokus vieler Arbeiten.

Als Beispiel nannte Holtzhauer die Projektreihe "Transit Europa" mit Partnern aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Es gebe jetzt positive Signale, dass auch Künstler aus Afghanistan am 1. September dabei sein könnten. Gleich mehrere Projekte sind dem Autor Peter Weiss gewidmet, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre.

Politische Kunst


Holtzhauer nannte ihn einen der wichtigsten Fürsprecher für sozial und politisch engagierte Kunst. Der kroatische Regisseur Oliver Frljic kommt mit seiner Inszenierung "Unsere Gewalt und eure Gewalt" und bezieht sich dabei auf den Weiss-Roman "Die Ästhetik des Widerstands". Obwohl die Handlung in den 1930er Jahren angesiedelt ist, seien heutige Bezüge zur politischen Situation in Europa unübersehbar.

Auch die interaktive Videoinstallation "Die Ermittler" am Goethe- und Schiller-Denkmal nehme Bezug auf die Erfahrungen von Weiss in Emigration und Fremdsein, sagte der Kunstfest-Chef. Zuschauer können dabei den Dichtern Stimme und Gesicht verleihen. Krzysztof Wodiczko (Polen/USA) - ein Pionier der Projektkunst - habe das Werk gemeinsam mit der Bauhaus-Universität Weimar entwickelt. Das Festival umfasst in diesem Jahr ein Budget von etwa 1,3 Millionen Euro. Das Land unterstützt es mit 650 000 Euro, die Stadt Weimar mit 250 000 Euro. Dazu kommen etwa 400 000 Euro, die das Kunstfest selbst eingeworben hat: Die Bundeskulturstiftung unterstützte dieses Jahr vier Projekte, darunter "Transit Europa".

Wie die Zukunft des Festivals ab 2019 aussieht, ist noch ungewiss. Weimars Stadtrat soll im Herbst entscheiden, ob die Stadt das Kunstfest weiter bezuschusst. Ein Nein würde das Aus des 1990 zur deutschen Wiedervereinigung initiierten Kunstfestes bedeuten. Das Land hat seine Förderung an die der Stadt geknüpft. "Wir müssen eben weiter für das Kunstfest kämpfen." Das Positive: "Bis 2018 haben wir Planungssicherheit. Das ist heute schon viel", betont Holtzhauer.
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