Kunstmuseum Bern tritt Gurlitt-Erbe an

Deutschland, Bayern und das Kunstmuseum Bern haben sich auf eine Vereinbarung zum Umgang mit dem Erbe verständigt. Die unter Raubkunstverdacht stehenden Werke bleiben zunächst in Deutschland.

Das Kunstmuseum Bern will NS-Raubkunst aus dem Nachlass des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt restlos an die Erben der einstigen jüdischen Besitzer zurückgeben. Der Stiftungsratspräsident des Museums, Christoph Schäublin, unterzeichnete am Montag in Berlin eine entsprechende Vereinbarung mit Bayern und dem Bund. Am Wochenende hatte der Stiftungsrat in einer abschließenden Beratung die Annahme des schwierigen Erbes beschlossen.

Der gemeinsamen Vereinbarung zufolge werden die rund 500 Werke aus der Gurlitt-Sammlung, die unter Raubkunstverdacht stehen, zunächst in Deutschland bleiben. Die Taskforce "Schwabinger Kunstfund" soll ihre Herkunft weiter erforschen. Zu jedem Werk soll im Laufe des kommenden Jahres ein Bericht vorgelegt werden. Auch die Schweiz will sich mit einer Expertengruppe an der Arbeit beteiligen.

NS-Vergangenheit

Deutschland sagte im Gegenzug zu, die Kosten für die Rückgabe und mögliche Streitfälle zu übernehmen. "Unserer besonderen deutschen Verantwortung gegenüber den Opfern der NS-Diktatur wollen wir mit der Vereinbarung nicht nur rechtlich, sondern auch moralisch gerecht werden", erklärte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). "Deshalb werden alle im Nachlass enthaltenen Werke, die sich als NS-Raubkunst erweisen, ohne Wenn und Aber an die Berechtigten zurückgegeben." Gut ein halbes Jahr nach dem Tod von Cornelius Gurlitt, dem Sohn eines NS-Kunsthändlers, geht damit eine lange Hängepartie zu Ende. Gurlitt hatte das Museum überraschend als seinen Alleinerben eingesetzt, die Verantwortlichen zögerten wegen der schwierigen Rechtslage aber lange mit der Annahme.

"Die Entscheidung ist dem Stiftungsrat nicht leicht gefallen, und Triumphgefühle löste sie schon gar nicht aus", sagte Schäublin mit Hinweis auf die Verantwortung und das Leid der Opfer. In der NS-Zeit waren Juden von den Nazis ihrer Kunst beraubt oder gezwungen worden, ihre Werke weit unter Wert zu verkaufen. Die drei bereits als NS-Raubkunst identifizierten Arbeiten aus dem Gurlitt-Nachlass - "Sitzende Frau" von Henri Matisse, "Zwei Reiter am Strand" von Max Liebermann und "Das musizierende Paar" von Carl Spitzweg - sollen laut Grütters nun schnellstmöglich an die Erben zurückgegeben werden.

Der Kontakt sei bereits aufgenommen. Zudem werden für mehr Transparenz die Ergebnisse der Taskforce sowie die Geschäftsbücher Gurlitts in der Datenbank www.lostart.de öffentlich zugänglich gemacht. Von den rund 480 Werken, die von den Nazi einst als "entartet" verfemt wurden, sollen alle unverdächtigen Fälle zusammen mit dem unproblematischen Rest der Sammlung nach Bern gehen. Die Schweizer Seite sei aber bereit, Leihanfragen von deutschen Museen, denen die Kunst einst gehörte, mit Vorrang zu behandeln und ihnen möglichst zu entsprechen, sagte Grütters.

Der bayerische Justizminister Winfried Bausback (CSU) wertete die Vereinbarung als einen "entscheidenden Schritt für die Restitution von Raubkunst an die Opfer des NS-Terrors und ihre Erben". Erneut mahnte er eine Neuregelung der Verjährungsfristen an, um auch in anderen Fällen die Rückgabe von Kunst an Erbberechtigte zu sichern.

Mehr als 1500 Bilder

Die Jewish Claims Conference, die viele jüdische Erben vertritt, begrüßte die Vereinbarung ebenfalls. Zugleich forderte der deutsche Repräsentant Rüdiger Mahlo von der Taskforce eine schnellere und intensivere Bearbeitung der Fälle.

Insgesamt umfasst Gurlitts Sammlung mehr als 1500 Bilder. Kurz vor seinem Tod hatte er im April 2014 einen Vertrag mit der Bundesregierung unterzeichnet, in dem er die weitere Erforschung seiner Sammlung auf Nazi-Raubkunst zusicherte. Die Vereinbarung zwischen Bern, Bund und Bayern fußt auf diesem Vertrag. Eine Cousine zweifelt das Testament des Kunsthändlers allerdings an und beantragte beim zuständigen Amtsgericht in München einen Erbschein, wie das Gericht bestätigte.
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