Landesverzeichnis für immaterielle Kulturerbe in Bayern aufgelegt
Erbe erhalten

Auch der Further Drachenstich wurde in das Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Bild: dpa

Bayern hat sein erstes Landesverzeichnis für das immaterielle Kulturerbe aufgelegt. Es umfasst zunächst 13 Bräuche, Feste und Handswerkstechniken. Aus der Oberpfalz gehören dazu gleich drei Traditionen.

München.(jum/esc) Neben dem Further Drachenstich und dem Kötztinger Pfingstritt wurde auch die handwerkliche Fertigung von Flachglas im traditionellen Mundblasverfahren aufgenommen, wie sie beispielhaft in der Glashütte Waldsassen betrieben wird. Im bayerischen Verzeichnis finden sich zudem überregional bekannte Bräuche.

Kultusminister Ludwig Spaenle erklärte bei der Vorstellung der Liste in München, sie enthalte Traditionen, "die die Seele einer Region ausmachen und die Selbstbewusstsein und kulturelle Identität stiften". Er sprach von "Heimatpflege mit zukunftsgewandtem Blick". Ein Ziel der Auflistung sei, dass die Bräuche und Traditionen nicht von der Bildfläche verschwänden. Ein Rechtsanspruch auf Fördermittel zu ihrem Erhalt sei damit aber nicht verbunden, betonte Spaenle. Für die erste, jetzt abgeschlossene Auswahlrunde waren 33 Vorschläge eingereicht worden, unter denen eine achtköpfige Jury unter der Leitung des Regensburger Kulturwissenschaftlers Daniel Drascek nach Kriterien wie Alter, Kontinuität oder Gefährdung die 13 nun in das Landesverzeichnis aufgenommenen auswählte. Im März 2015 soll eine zweite Auswahlrunde starten.

Folgende Feste, Bräuche und Handwerkstraditionen wurden in das Verzeichnis aufgenommen:

Bayerische Brautradition nach dem Reinheitsgebot: Das Brauwesen hat im Freistaat Bayern eine besonders lange Tradition.

Goldhaubentradition im Passauer Land:Dabei handelt es sich um eine nach Vorbildern des 19. Jahrhunderts gefertigte Kopfbedeckung.

Handwerkliche Fertigung von Flachglas in der traditionellen Technik des Mundblasverfahrens: Diese alte Handwerkstechnik wird europaweit nur noch an drei Standorten praktiziert. Eine dieser Glashütten befindet sich in Waldsassen.

Historisches Dokumentarspiel "Landshuter Hochzeit 1475": Die Fürstenhochzeit von 1475 wurde erstmals 1903 aufgeführt.

Historisches Festspiel "Der Drachenstich" zu Furth im Wald:Das historische Festspiel vereint alle Alters- und Bevölkerungsgruppen.

Historisches Festspiel "Der Meistertrunk" zu Rothenburg ob der Tauber:Das Bühnenstück feierte im Jahr 1881 Premiere und erinnert an die Rettung der Stadt vor dem katholischen kaiserlichen Heer 1631.

Historisches Festspiel "Kinderzeche" zu Dinkelsbühl: Die Dinkelsbühler Kinderzeche geht auf ein Schulfest des 16. Jahrhunderts zurück.

Innerstädtischer Erwerbsgartenbau in Bamberg: Der urbane Erwerbsgartenbau entstand im 14. Jahrhundert.

"Limmersdorfer Lindenkerwa" (Lindenkirchweih): Im oberfränkischen Limmersdorf wird zur Kirchweih in der als "Ballsaal" gestalteten Krone des 1686 gepflanzten Lindenbaumes musiziert und getanzt.

"Kötztinger Pfingstritt":Die Reiterprozession in das benachbarte Steinbühl lässt sich bis ins 17. Jahrhundert belegen.

Markttradition des "Münchner Viktualienmarktes" als Handelsbrauch: Als ständiger bestehender Markt in der Altstadt von München verkörpert der Viktualienmarkt die urbane Markttradition.

"Passionsspiele Oberammergau": Das Passionsspiel thematisiert das Leiden, Sterben und die Auferstehung Christi. Hervorzuheben ist die mit rund 380 Jahren lange Tradition.

Tradition der hochalpinen Alpwirtschaft im Allgäu:Im Allgäu werden in den Sommermonaten (hoch-)alpine Weideflächen in Gemeinschaftsbesitz von "Älplerinnen" und "Älplern" bewirtschaftet.
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