Leadbelly kein typischer Blues-Mann

Der wunderbar gestaltete Bildband im LP-Format entführt auf 140 Seiten mit zahlreichen Bilddokumenten und Abbildungen der Plattencover in die Anfänge der populären Musik Amerikas. Auf fünf CDs sind insgesamt 105 Titel zu hören, 16 davon waren bisher unveröffentlicht. Drei CDs enthalten die wichtigsten Aufnahmen, die einst auf dem Folkways-Label veröffentlicht wurden.

Eine CD ist mit Radiosendungen bestückt, und eine Disk enthält eine Auswahl aus den berühmten "Last Sessions", die allerdings bereits in einer Vier-CD-Box komplett vorliegen. Die Tonqualität entspricht dem technischen Stand der 30er- und 40er-Jahre, die Aufnahmen wurden durchwegs hervorragend "remastered" und Leadbellys kraftvolle Stimme und sein rhythmisches Spiel auf der zwölfsaitigen Gitarre kommen voll zur Geltung. Wie bei Smithsonian gute Tradition, sind zu den jeweiligen Songs detaillierte Informationen abgedruckt.

Die Sammlung macht auch deutlich, dass Leadbelly kein "typischer" Blues-Mann war, wie er oft dargestellt wird. Sein Repertoire umfasst Balladen, Field Hollers, Worksongs, Prisonsongs, Spirituals, Square Dance Tunes und sogar Kinderlieder, die er gerne zusammen mit Kindern sang. Auch "Topical Songs", die sich aktuellen Tagesthemen widmen, wurden übernommen oder neu getextet: "The Hindenburg Disaster", "The Titanic" oder der "Hitler Song" sind nur drei Beispiele.

Als ideale Ergänzung zu dieser Luxus-Ausgabe bietet sich auch das Buch "Lead Belly - A Life in Pictures" an. Hier finden sich auf 256 Seiten handschriftliche Briefe von Leadbelly und Woody Guthrie, Fotos und Dokumente, die an ein höchst spannendes Kapitel der Musikgeschichte erinnern - Bilder und Klänge für Feinschmecker als Gegenpol zur schnelllebigen und oberflächlichen Cyberwelt. (lr)
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