Lebensnah-liebenswerte Hommage an den Berufsstand eines Landarztes
Patient in Weiß

Diagnose: Gehirntumor. Für Dr. Jean-Pierre Werner (François Cluzet) ist das in vielen Hinsichten ein Schicksalsschlag. Bild: Alamode Film/dpa

Paris. Volles Wartezimmer und Dienst rund um die Uhr. Jean-Pierre ist Landarzt. Seit 30 Jahren ist er für seine Patienten da, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Eines Tages wird er selber krank, die Diagnose lautet Gehirntumor. Er muss sich um eine Vertretung kümmern, was ihm sehr schwer fällt. Denn Jean-Pierre lebt seit seiner Trennung allein, sein Beruf ist sein Ein und Alles. Er hält sich für unersetzlich und macht deshalb seiner Nachfolgerin die Übernahme der Praxis nicht leicht.

In "Der Landarzt von Chaussy" beschreibt Thomas Lilti den Alltag eines Landarztes, er thematisiert damit ein seit Jahren bestehendes Problem in Frankreich: akuter Ärztemangel auf dem Land. Dr. Jean-Pierre Werner ist unermüdlich im Einsatz, ein Privatleben hat er schon lange nicht mehr. Er ist Single, sein Sohn erwachsen. Als sein Arzt ihm rät, wegen seiner Erkrankungen kürzer zu treten, gibt er nur widerwillig nach. Als mögliche Nachfolgerin stellt sich Dr. Nathalie Delezia bei ihm vor. Eine selbstbewusste Frau, aber ohne Erfahrung als Ärztin auf dem Land. Nach dem Motto: Landarzt kann man nicht erlernen, gewährt Jean-Pierre der Medizinerin keine Vorschusslorbeeren. Doch Nathalie beweist sich.

Bissige Rededuelle


Nach "Hippocrate" aus dem Jahr 2014 ist die Tragikomödie der zweite Film, in dem Lilti das Thema Arzt in den Mittelpunkt rückt. Mit viel Realismus und Einfühlungsvermögen beschreibt er die Arbeit und die zwischenmenschlichen Beziehungen. Denn bis vor wenigen Jahren war Lilti selber Arzt. Er habe lange Zeit in Frankreich Vertretungen übernommen, wie er in einem Interview sagte.

Für die Rolle des Landarztes konnte Lilti den "Ziemlich beste Freunde"-Star François Cluzet gewinnen. Mit Marianne Denicourt ("Sade") als Dr. Nathalie Delezia liefert er sich bissige Rededuelle. Doch gibt es zwischen Jean-Pierre und Nathalie nicht nur Konflikte: Aus der anfänglichen Ablehnung wird Zuneigung. Dennoch bleibt die Tragikomödie in erster Linie ein Film über den Beruf des Landarztes. In Frankreich hat Lilti damit mehr als 1,5 Millionen Besucher in die Kinos gelockt.

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Regie: Thomas Lilti - Mit: François Cluzet, Marianne Denicourt, Isabelle Sadoyan - Musik: Alexandre Lier - 102 Minuten - ohne Altersbeschränkung - Im Internet: www.alamodefilm.de
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