Leipzig feiert seinen 1000. Geburtstag
Leben und Leiden in Leipzig

Die Innenstadt hat Leipzig einst den Namen "Klein-Paris" eingebracht. Nun haben sich in "Hypezig" der Blickwinkel und der Ton geändert. Bild: dpa

Leipzig feiert seinen 1000. Geburtstag. Die alte Stadt präsentiert sich jung und hip, ganz "Hypezig" eben. Aber nicht alle haben Lust auf Party.

"Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen" - dieses Bonmot hat sich für die Statistiker in Leipzig in den zurückliegenden Jahren bewahrheitet. Ihre Bevölkerungsprognosen wurden von der Realität übertroffen. Leipzig wächst jedes Jahr um 10 000 Einwohner. Nun will es mit einer Festwoche den 1000. Jahrestag seiner Ersterwähnung groß feiern. Seit vor etwa zwei Jahren plötzlich ein Medien-Rummel um "Hypezig" ausbrach, lebt die sächsische Metropole mit einem nicht enden wollenden Hype. Damit ist nicht jeder glücklich.

Sprung um 150 Jahre

Die Tourismusmanager der Stadt haben eine kleine Notiz in einer dicken Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg zum Anlass genommen, um den 1000. Geburtstag der Stadt zu feiern. 1015 erwähnte dieser Bischof den Ort erstmals. Das Stadtrecht wurde Leipzig freilich erst viel später verliehen - nämlich um 1165 von Markgraf Otto dem Reichen. Das führt zu der kuriosen Situation, dass ältere Leipziger sich noch gut an eine 800-Jahr-Feier 1965 erinnern können. Ersterwähnung oder Stadtbrief - "Hypezig" hat das Kunststück vollbracht, in 50 Jahren 200 Jahre älter zu werden.

Jetzt wird die 1000 gefeiert - unter dem Motto "Wir sind die Stadt". An diesem Freitag gibt es dazu einen Festakt in der mit Millionenaufwand sanierten, historischen Kongresshalle. Am Samstag folgt dann ein "StadtFestSpiel": Riesige Löwenskulpturen - ein Löwe ziert das Leipziger Wappen - ziehen in einem Straßentheater-Spektakel durch die Stadt. Alle Bürger sind eingeladen.

Allerdings regt sich Widerstand. Im Internet wird zu einer "Parade der Unsichtbaren" aufgerufen. "1000 Jahre Leipzig? This Party is not our Party! Zwar sind wir eingeladen, zu tanzen, aber kommen werden wir nur als ungebetene Gäste", heißt es in einem Aufruf linker Gruppen zur Gegendemo. Darin werden steigende Mieten beklagt, Verdrängung, Neoliberalismus, und es wird auch "die Leier vom kreativen Hypezig, in dem noch Platz für Mensch und kulturelle Vielfalt ist", gegeißelt. Veränderung, Verdrängung und das böse Wort Gentrifizierung machen die Runde, seit aus "Klein-Paris" "Hypezig" wurde.

Der Erfinder des Begriffes "Hypezig", Blogger und Autor André Herrmann (29), wird diese Entwicklung nur noch aus der Ferne miterleben. Herrmann sammelte die Hype-Texte in einem Tumblr-Blog als kreativer Protest. Im Sommer zieht er nach Brüssel: "Vieles, was vor ein paar Jahren noch rau war, ist heute glatt. Vieles, was zerschlissen war, ist heute vintage." Die 1000-Jahr-Feier findet er den idealen Zeitpunkt, um aus der Stadt wegzuziehen.
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