Lerchenberg: Intendant der Luisenburg-Festspiele Michael Lerchenberg und sein Umgang mit der Kritik
"Ich lasse mir nur nicht unfair an den Karren pinkeln"

Michael Lerchenberg (61) ist seit 2004 Intendant der Luisenburg-Festspiele. Im Gespräch mit unserer Zeitung zeigt er klare Kante - über seinen Umgang mit Kritik und Heckenschützen in Wunsiedel.

Sie waren mit der Berichterstattung über das Familienstück "Der Kleine Wikinger" in unserer Zeitung nicht einverstanden. Können Sie uns dies bitte näher erläutern?

Lerchenberg: Grundsätzlich ist das ja eine gute Kritik, wenn ich auch vermisse, dass die Namen unserer hervorragenden Schauspieler erwähnt werden. Und wenn unsere Uraufführung "Der kleine Wikinger" als "kurzweiliges Gute-Laune-Familientheaterstück" apostrophiert wird, dann ist das ja schon mal hervorragend. Sowohl die Autorin als auch die Luisenburg-Festspiele sind allerdings unglücklich über die Unterstellung, wir hätten uns da leichtfertig bei "Wickie", "Asterix" und "Riverdance" bedient. Druiden sind nun mal keine Erfindung von Uderzo und unser Barde singt im Gegensatz zu Troubadix eben doch, und das auch noch sehr gut.

Auch "Wickie" ist bei Runer Jonsson ein kleiner, ängstlicher Bub im Kindesalter. Unser Aaki (Ferdinad Schmidt-Modrow) ist schon viel reifer, er darf schon mit den Männern zur See fahren, hat eine Freundin, ist mutig, nur mit dem Töten hat er seine Probleme. Was ja schon mal grundsympathisch ist und gerade heute eine wichtige Botschaft.

Und was den angeblichen Stampftanz betrifft, da ist die Regisseurin und Choreographin sogar ganz historisch, denn die Stampftänze waren in allen Kulturen der Anfang des Tanzes. Die Bayern tun das beim Schuhplatteln heute noch und die Schotten beim Schwerttanz nicht minder. Der Luisenburg Wikingertanz ist übrigens aus einem viel umjubelten Schuhplattler, den Eva-Maria Thöny lang vor "Riverdance" zu einem Hit von Haindling choreographiert hatte.

Unsere Mitarbeiterin bleibt im Konjunktiv und unterstellt der Wikinger-Autorin nichts. Stimmen Sie dem zu?

Lerchenberg: Ich kann bei der Formulierung: "Man nehme ..." keinen Konjunktiv erkennen.

Sind Sie im Allgemeinen mit dem Start in die Saison 2015 zufrieden?

Lerchenberg: Sehr. Unser Vorverkauf läuft hervorragend. Beim "kleinen Wikinger" sind nach der Premiere die Besucherzahlen explodiert, auch unser "Sommernachtstraum", übrigens mit den Oberpfälzern Norbert Neugirg und Berthold Kellner als "Wand" und "Löwe" wird sehr gebucht. Mit "Cabaret" haben wir wieder ein Spitzenmusical im Programm mit einer Besetzung (Broadwaystar Anna Montanaro, April Hailer, Michael Kargus, Norbert Heckner), um die uns jedes Staatstheater beneidet und unser "Brandner Kaspar" ist sowieso der Renner. Und bei den Konzerten gibt es nur noch für Haindling wenige Restkarten.

Erhielten Sie schon persönliches Feedback von Besuchern?

Lerchenberg: : Als am vorletzten Sonntag "Wikinger" nach der Vorstellung die Kinder auf das große Wikingerschiff klettern durften, kamen wir mit vielen begeisterten Eltern ins Gespräch. Bei den anderen Stücken ist es ja noch die Vorfreude auf das Kommende, was uns mitgeteilt wird.

Welche Höhepunkte erwarten die Luisenburg-Fans in dieser Saison auf der Bühne?

Lerchenberg: Generell zeigen wir in dieser Jubiläumsspielzeit alles, was bei uns "Küche und Keller" zu bieten haben. Attraktive Stücke, tolle Schauspieler, Stars wie Rüdiger Joswig "Küstenwache" und Claudia Wenzel "In aller Freundschaft", Dieter Fischer "Rosenheim Cops" oder Gerd Lohmeyer "Dahoam ist Dahoam".

Picken Sie bitte Ihren persönlichen Höhepunkt heraus.

Lerchenberg: : Sicher wenn ich als Boandlkramer wieder neben Fredl Schedl im "Brandner Kaspar" auf der Bühne stehe. Aber ich wäre ein schlechter Intendant, wenn ich nicht alle meine Produktionen gleich schätzen und lieben würde.

Sie sind in Wunsiedel derzeit nicht unumstritten. Sie liegen mit dem bzw. einem Stadtrat im Clinch. Worum geht es da?

Lerchenberg: Grundsätzlich habe ich keine Probleme mit der Mehrheit des Stadtrats und meinem Bürgermeister. Ich lasse mir nur nicht von einem bestimmten Stadtrat, einem pathologischen und fanatischen Quertreiber, unfair an den Karren pinkeln. Und wenn dann auch noch ein Brief von mir an die Fraktionsvorsitzenden und Bürgermeister mit vertraulichsten Inhalten an die Presse durchgestochen wird, nur um dem Bürgermeister und mir zu schaden, da gibt es dann auch schon eine klare und deutliche Antwort. Zum Beispiel werde ich nicht mehr an nicht öffentlichen Sitzungen des Stadtrats teilnehmen. Auch viele Wunsiedler Stadträte haben übrigens in einer öffentlichen Sitzung diesem Stadtrat gegenüber ihr Missfallen und ihren Unmut über sein fortgesetztes Handeln bekundet.

Ihnen wird unter anderem Ihre eigene und die Mehrfachbeschäftigung Ihrer Frau unter Pseudonymen vorgeworfen.

Lerchenberg: Sehen Sie, das ist genauso ein Ding. Dieser Herr hat in einer für die Zukunft der Luisenburg-Festspiele wichtigen Personalangelegenheit den Kürzeren gezogen und jetzt glaubt er da, auf diese Weise unfair nachtreten zu müssen. Nur hat halt dieser ehemalige Buchhaltungslehrer von den Usancen im Kultur- und Theaterleben keinerlei Ahnung! Ich arbeite seit 1985 unter dem Pseudonym Peter Jeremias als Bühnenbildner an großen Stadt- und Staatstheatern. Warum soll ich das auf der Luisenburg dann nicht tun? Meine Leistungen, die ich für die Luisenburg zu erbringen habe, sind in meinem Dienstvertrag genau beschrieben. Alles was darüber hinausgeht, wird natürlich selbstverständlich honoriert. Aber sicher nicht zu den Honoraren, wie sie mir eigentlich zustünden. Das ist im Theaterbereich völlig normal. Wo ist also das Problem?

Und was ist mit der Beschäftigung ihrer Frau?

Meine Frau hat bereits 2004 und 2005 unter dem Namen Eva Toffol mit großem Erfolg für die Luisenburg Stücke geschrieben und unter dem Namen Eva-Maria Thöny inszeniert. Das war damals kein großes Geheimnis und hat auch niemanden gestört. Münchner Kulturjournalisten, die ihre damaligen Arbeiten gesehen haben, haben mich in den letzten Jahren geradezu bekniet, sie wieder auf die Luisenburg zu holen. Übrigens werden Theaterverträge mit dem rechtsgültigen Namen und dem Künstlernamen unterzeichnet, also da ist sowieso nichts geheim. Außerdem sind diese Verträge niemals von mir verhandelt worden, sondern von Angestellten der Stadt. Ich habe mich da also auch im juristischen Sinn sehr korrekt verhalten. Und meine Frau hat als äußerst erfolgreiche und international tätige Theatermacherin, unter anderem ausgezeichnet mit dem Bayerischen Staatspreis und dem Münchner Kulturförderpreis und mehreren internationalen Auszeichnungen, außerdem das Anrecht als eigenständige Künstlerin wahrgenommen zu werden und nicht reduziert zu werden auf die Ehefrau des Intendanten, was leider sonst der Fall ist. Zudem ist meine Frau zu Bedingungen für die Luisenburg tätig, die als "Hauspreis" deutlich unter dem üblichen Niveau liegen. Sollte sie je wieder für die Luisenburg arbeiten wollen, wird sie dieses Entgegenkommen sicher nicht mehr zeigen.

Ist diese Praxis in der Branche üblich?

Lerchenberg: Selbstverständlich. Es gibt einen Vielzahl von Künstlerehepaaren, die gemeinsam über viele Jahre erfolgreich Theater machen, wie etwa der Regisseur Hans Neuenfels und die Schauspielerin Elisabeth Trissenaar. Ob die nun verheiratet sind oder nicht, kümmert am Theater niemanden.

Nennen Sie bitte weitere Beispiele.

Lerchenberg: Nein. Im Gegensatz zu anderen respektiere ich nämlich den Schutz des Pseudonyms. Und Gegenfrage: Wieviel Journalisten schrieben denn unter einem oder mehreren Pseudonymen? Sicher mehr als es Schauspieler Pseudonyme gibt.

Wie setzen Sie sich gegen diese Anschuldigungen zur Wehr?

Lerchenberg: Im Prinzip ist da alles nur lästig und hält mich von meiner eigentlichen Arbeit ab, für die Luisenburg gutes Theater zu machen. Aber bitte, wenn man will, ich kann schon zurückbeißen.

Wer bzw. welches Gremium entscheidet überhaupt, welche Stücke auf der Luisenburg aufgeführt werden?

Lerchenberg: Der Intendant schlägt den Spielplan vor, der dann im Kulturausschuss besprochen und von der Vollversammlung des Stadtrats endgültig beschlossen wird.

Spielen Sie mit dem Gedanken, aufgrund der städtischen Querelen, sich als Intendant der Luisenburg-Festspiele trotz laufenden Vertrags zurückzuziehen?

Lerchenberg: Warum sollte ich? Wegen eines Einzelnen? Sie glauben gar nicht, wie viele Luisenburg Fans mich ermuntern, weiter diese Festspiele so erfolgreich zu führen, wie ich es bisher getan habe. Ich bin reinen Herzens und in meiner Arbeit als Intendant ist mir nicht das Geringste vorzuwerfen. Ein Zuschauerschnitt von 137 500 Besuchern in meiner bisherigen Amtszeit spricht eine deutliche Sprache.
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