Letzter Abschied
Letztes Album von Runrig

 
Runrig kehren acht Jahre nach ihrem letzten Studioalbum mit neuer Energie und künstlerischem Elan für ein letztes gemeinsames Album zurück. "The Story", so der schlichte Titel des 14. Albums, an dem die Band fast das ganze Jahr über gearbeitet hat, wird also das finale Kapitel in der schillernden Geschichte von Runrig sein. Bild: Matt Liengie

Aus und vorbei: "The Story" ist nicht nur das 14. Studioalbum von Runrig, sondern auch definitiv das letzte des schottischen Sextetts um die Brüder Calum und Rory MacDonald. Wie gehabt finden sich auf den elf Liedern der seit Gründung 1973 bekannte originäre Mix aus Folk, Pop und auch mal härteren Rockklängen.

Der Runrig-Sound war und ist eigenwillig, was vor allem an der Instrumentierung liegt: Die meist epischen Melodiebögen und der sehnsüchtige Gesang von Bruce Guthro, der 1998 das nicht minder pathetisch klingende Gründungsmitglied Donnie Munro ablöste, vereinen sich neben Gitarre, Bass und Schlagzeug mit Flöten, Dudelsack und Akkorden. Am Ende steht eine Rockmusik mit mystischem Einschlag, gelegentlich auch Folkpomp.

Callum MacDonald ist stolz darauf, was mit Runrig in mehr als vier Jahrzehnten Existenz geschaffen wurde, wie er im Interview bekräftigt. "Wir lieben unsere Heimat, unsere Kultur, unsere Sprache", beteuert er. "Das alles wollen wir mit Runrig bewahren und einer jungen Generation in zeitgemäßem Gewand präsentieren. Auch auf "The Story" kommen wir diesem Anspruch hoffentlich nach."

"The Story" ist ein sehr episches, gleichzeitig recht trauriges Album geworden. Weil es eure letzte Studioproduktion sein wird?

Rory MacDonald: Ich schätze diese Platte als gar nicht sonderlich traurig ein. Aber wir von der Band sind auch zu befangen, um diese Produktion subjektiv beurteilen zu können. Ich persönlich betrachte die Platte eher als reflektierend, vielleicht auch nachdenklich, weil wir damit unsere jahrzehntelange Karriere Revue passieren lassen. Jedenfalls: Runterziehen sollen die Lieder darauf den Hörer auf keinen Fall, das lag keinesfalls in unserer Absicht.

Warum erhielt dieses Werk den schlichten Titel "The Story"?

MacDonald: Weil wir darauf unsere Band-Historie erzählen, in all ihren Höhen und Tiefen. Wir wollten diese sehr persönlich aufarbeiten. Bleibt uns nur zu hoffen, dass die Sache nicht zu emotional ausgefallen ist. Aber nun gut, wir sind Schotten, daher sehr nahe am Wasser gebaut. Bei uns weiß man nie! (lacht)

Gibt es außer der Reflektion der Band-Historie noch einen anderen roten Faden zwischen den elf Songs auf der Platte?

MacDonald: Mein Bruder Rory und ich komponieren die Lieder seit jeher gemeinsam. Dadurch können sie nicht zu intim und persönlich ausfallen. Wenn einer von uns zu sehr in den Kitsch-Eimer fällt, zieht der andere ihn wieder daraus hervor. Aber obwohl die Scheibe "The Story" heißt: Eine klassische Geschichte verbirgt sich nicht dahinter.

Warum habt ihr beschlossen, dass "The Story" euer letztes Studiowerk werden soll?

MacDonald: Als wir 2014, etwas verspätet, im schottischen Muir Of Ord, einem riesigen Gelände, ein Festival zu Ehren unseres 40. Jahrestages absolvierten, wollten wir eigentlich bereits danach aufhören. Das war ein derart gewaltiges Spektakel, durch nichts zu steigern, es ist auch auf CD und DVD eindrucksvoll dokumentiert. Aber dann lagen noch all diese Ideen für Songs herum, manche bereits sechs oder sieben Jahre alt. Die wollten wir nicht einfach in den Papierkorb werfen. Und so rollte die Runrig-Maschine ab letzten Sommer nochmals an.

Gibt es schon Nachrichten eurer nicht wenigen Fans auf die Ankündigung, dass "The Story" definitiv euere letzte Studio-Produktion ist?

MacDonald: Natürlich gab es eine Menge Reaktionen, nachdem wir auf unserer Homepage mitgeteilt hatten, dass wir keine weitere Runrig-Scheibe planen. Der Grundtenor lautete: "Uff, die Band löst sich auf, wie furchtbar!" Das ist aber so nicht ganz richtig. Denn wir bleiben locker durchaus zusammen und machen weiter gemeinsam Musik. Vor allem werden wir immer mal wieder live auftreten. Wie das konkret aussehen wird, wissen wir bislang nicht. Aber schließlich sind wir Freunde fürs Leben. Die gehen nicht profan auseinander.

Wie gestaltete sich dieses Mal die Arbeit im Studio?

MacDonald: Es war anstrengender als sonst. Gelegentlich flossen Tränen. Weil die Umstände, unter denen wir "The Story" aufnahmen, doch sehr emotional waren. Irgendwie war uns mal bewusst, mal unterbewusst klar, dass wir mit dieser Platte einen Schlussstrich ziehen werden unter eine lange Historie.

2016 seid ihr auf einer ausgiebigen Tour, die euch im Oktober und November auch nach Deutschland führen wird. Was ist davon zu erwarten?

MacDonald: Wir werden fast das komplette neue Album spielen, weil wir sehr an die Kraft von dessen Songs glauben. Und ansonsten wird wie gewohnt kein Auftritt kürzer als zweieinhalb Stunden dauern. Es gibt Party jeden Abend, die schottische Variante. Da liegen Lachen und Weinen sehr eng beieinander.

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Runrig spielen am 4. November im Zenith in München. Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0

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