Liebeslieder zartbesaitet

Bei schönem Wetter erfreuten das Quartett mit (von links) Harfenistin Susanne Kaiser, den Sängern Beate und Nicholas Hariades sowie der Zitherspielerin Regina Frank das Publikum im Wurzer Pfarrhof. Bild: Tietz

Es geht um Gefühle. Mit sanften Tönen spielen die vier Musiker des Ensembles "I Zeffiretti" bei den Wurzer Sommerkonzerten im Garten des Alten Pfarrhofs eine Hommage an die Liebe.

Schon im ersten Stück zeigen Susanne Kaiser (Barockharfe/Tripleharfe), Beate Hariades (Sopran- oder Traversflöte), Nicholas Hariades (Altus/Countertenor) und Regina Frank (Cetra Nova/größere Zither) ihr Einfühlungsvermögen in die Musik der Renaissance.

"Zefiro Torna, e di soavi accenti" aus dem "Madrigalbuch" von Claudio Monteverdi erklingt in fein abgestimmtem Gesang von Sopran und Altus, wird passend einfühlsam von Harfe und Zither begleitet und hinterlässt den ruhigen Eindruck, den die behutsam gestaltete Musik erwecken will. In den Vortragsstücken geht es um Liebe. Damals war das revolutionär, da Musik und Dichtung des Mittelalters sich fast immer mit geistlichen Themen beschäftigt hatten. Die erweiterte Weltsicht gab der Epoche schließlich ihren Namen.

Beglückende Stimme

Das nächste Lied entspricht ebenfalls diesem Denken: "Delizie contente, che l'alma beate" von Francesco Cavalli trägt Nicholas Hariades mit so beglückender Stimme vor, dass die "Wonnen, die das Herz berühren" glaubhaft erscheinen. Duette von Girolamo Frescobaldi folgen. In allen drei bildet der Seelenzustand beim Verliebtsein das Thema, ob es sich um "schöne Augen", eine "sanft blasende Brise" oder die Bitte "komm zu mir" handelt.

Die Sänger ergänzen sich mit feinen Stimmen, die Instrumentalisten mit behutsamem, aufeinander abgestimmtem Klang. Wie um den starken Eindruck nachwirken zu lassen, folgt ein Duo für Zither und Harfe von Alessandro Piccinini. Die "Aria in Sarvanda in varie parte" wird nie heftig, sondern bringt ihr Anliegen stets gelinde vor. Und noch einmal Monteverdi mit dem Duett "Purti miro" aus seiner letzten Oper "Die Krönung der Poppea". Man glaubt Beate und Nicholas Hariades bei der Intensität ihres Gesangs das "dich anzuschauen ist meine Freude". Nach der Pause verlagert sich die Herkunft der Gesänge von Italien nach England.

Zunächst werden vier Musikstücke von John Dowland vorgetragen, darunter zwei mit Traversflöte. Beate Hariades meistert in "Flow my tears" und "Go nightly cares" das Blasinstrument ebenso gut wie ihren Gesang. Das dritte ist ein Instrumentalstück: "My Lord Willoughby's Welcome home" gibt Zither und Harfe Gelegenheit, ihren Zusammenklang in genau aufeinander abgestimmter Melodie nachzuweisen.

Klage der Dido

Für "Come again" werden der Aussage entsprechend alle vier Musiker gleichwertig benötigt. Schließlich vier Stücke von Henry Purcell. Schon im ersten, "Lost is my quiet for ever", zeigt sich die Kunst des Komponisten, eine leicht fugierte und deshalb unruhige Melodie auf beide Stimmen überzeugend zu verteilen. Das folgende Intrumentalstück "Two in One upon a Ground" bietet der Flöte Gestaltungsmöglichkeiten - mit Zither und Harfe zusammen. Beate Hariades singt die berühmte Klage der Dido aus "Dido and Aeneas". "Dido's Lament" erklingt bewegt und stets glockenrein. Die Instrumente verstärken den Eindruck der Verzweiflung, in der sich Dido befindet.

Da bleibt nur noch, am Schluss einen Kontrast zu setzen: "Sound the trumpet" muss zwar ohne Trompete auskommen, verbindet aber alle vier Musiker zu einer schwungvollen Einheit, welche vorangegangene Trauer abmildert. Zwei Zugaben runden ab. Einmal Henry Purcell. "For Love" heißt, dass Sopran und Flöte gemeinsam das Gefühl der Liebe gestalten. Zum anderen John Dowlands "Now, o now, I needs must part", was alle gefühlvoll und klanglich ergreifend vortragen. Fein ziselierte Musik, wer große Knaller erwartet, wird enttäuscht, wer Feinsinniges hören will, ist begeistert.
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