Liedermacher Alex Diehl
Mehr als nur ein bißchen Frieden

Mit seiner Handykamera hat Alex Diehl "Nur ein Lied" aufgenommen und aus einem emotionalen Impuls heraus auf Facebook hochgeladen. Keine 24 Stunden später hat das Lied über eine Million Aufrufe, mittlerweile sind es fast 6 Millionen. Jetzt geht der Liedermacher mit seiner CD "Bretter meiner Welt" auf Tour. Bild: Dominik Beckmann
 

Es ist weit mehr als "Nur ein Lied", wie der Chiemgauer Liedermacher Alex Diehl seine Komposition betitelt hat, mit welcher der introvertierte Brummbär im Februar beim Vorentscheid zum "Eurovision Song Contest" angetreten war. Hinter "Nur ein Lied" steckt tatsächlich eine ganze Geschichte.

München. Eine Geschichte der Menschlichkeit. Der Empathie. Der Wut. Der Ohnmacht. Denn wie Millionen anderer Menschen hat sich der 28-jährige aus dem deutsch-österreichischen Grenzort Rupertiwinkel am - ausgerechnet - Freitag, dem 13. November 2015 das Fußball-Freundschaftsspiel zwischen der deutschen und französischen Nationalmannschaft im Fernsehen angeschaut. "Auch ich hörte während der ersten Halbzeit laut krachende Explosionen über den Lautsprecher", erinnert sich Alex Diehl an diesen TV-Abend.

"Ich dachte zunächst, da haben sich irgendwelche verrückten Fans einen schlechten Scherz mit dröhnenden Knallkörpern erlaubt. Doch als kurz vor 22 Uhr eine wuchtige dritte Explosion am "Stade de France" in Paris zu hören war, wurde mir klar, dass es sich dabei nicht um das Werk von wild gewordenen Hooligans handeln kann.

Ich rief meine Freundin an und sagte zu ihr: "Mach die Glotze an, da passiert was Historisches, was Furchtbares!" Ich habe im Anschluss die ganze Nacht lang vor Schreck wie erstarrt die weiteren Geschehnisse im Fernsehen wie in Internet-Liveblogs mitverfolgt. Als irgendwann raus war, dass es sich bei dem Geschehen um entsetzliche Anschläge von Islamisten handelt, mit 130 Todesopfern und mehreren Hunderten von Verletzten, das Ganze im Herzen von Paris, war ich zunächst erschüttert und paralysiert. Irgendwann am frühen Morgen schlug dieses Gefühl in Wut um. Also habe ich spontan einen Text geschrieben, damit ich ein Ventil für meine Emotionen finde. Danach habe ich meine Gitarre gepackt, eine Handy-Kamera laufenlassen und meinen Song verzweifelt in die Welt hinaus geschrien. So entstand "Nur ein Lied".

Scheuer Mann


"Ich habe den Clip aus einem Impuls heraus ins Netz gestellt. Er ist mein Beitrag gegen eine Horror-Aktion wider jegliche Vernunft. Eine Aktion, die ich bis heute nicht verstehen kann. Irgendwann ging ich ins Bett und wollte nur noch schlafen, so kaputt war ich.", erzählt er.

Was bei vielen Künstlern wie eine widerwärtige Kampagne in eigener Mission verstanden werden würde, in der ein grauenvoller Terrorakt für den Erfolgs-Selbstzweck missbraucht wird, greift nicht bei Alex Diehl als Vorwurf. Denn der eher scheue, grüblerische Mann mit dem struppigen Vollbart und der beeindruckenden Leibesfülle fühlt sich als Künstler wie als Mensch ausschließlich der Humanität verpflichtet, hehren Werten wie Toleranz und Mitgefühl.

Nachzuweisen durch die Lieder seines bislang einzigen Albums "Ein Leben lang", das 2014 in den Handel kam. Bereits in den Texten darauf zeigt Diehl, dass er sich mit Haut und Haar gegen Missstände in einer immer gnadenloseren Gesellschaft zwischen kapitalistischer Gier und staatlichem Überwachungswahn ausspricht, während er beständig das menschliche Miteinander dagegen setzt.

Und weil Alex Diehl fest an seine authentische Vision glaubt, hatte er sich dafür beworben, dass er als einer von zehn Künstlern beim deutschen Vorentscheid für den "Eurovision Song Contest" mit "Nur ein Lied" teilnehmen durfte - und wurde auserwählt. Er wurde Zweiter, musste sich letztlich nur einer 17-jährigen selbst ernannten Manga-Königin namens Jamie-Lee Kriewitz geschlagen geben. "Mir ging es nie darum, dass ich als Sieger aus diesem Wettbewerb hervor gehe", beteuert Diehl eindringlich. "Aber ich wäre natürlich gerne für Deutschland zum Austragungsort des ESC in Stockholm gefahren. Weil ich mit meinem Stück einen Beitrag dazu hätte leisten können, dass in Europa Menschlichkeit die Oberhand gewinnt. Diesen Anspruch verfolge ich mit Kultur seit jeher."

Mit neuem Album


Die Chancen für den Oberbayern waren nicht schlecht. Immerhin hatten bis dato weit mehr als acht Millionen Menschen seinen spartanischen Clip angeklickt. Unabhängig von all dem "Eurovision Song Contest"-Wirbel hat Diehl vor wenigen Tagen die Arbeiten an den Stücken zu seinem zweiten Soloalbum abgeschlossen, das Mitte April das Licht der Welt erblicken wird - musikalisch ganz in der Tradition von Barden-Größen wie Franz-Josef Degenhardt, Hannes Wader oder Hans Hartz. Und sonst? "Gehe ich ab Mitte April auf kleine Tournee. Und weiterhin will ich mit meinen Liedern versuchen, für etwas Positives in der Welt zu sorgen", erklärt Diehl. "Vom Bösen gibt es schließlich viel genug, oder nicht?"

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Axel Diehl spielt am 22. September im VAZ in Burglengenfeld. Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0.

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