Liedermacher Herman van Veen
Holländischer Clown mit Blues

Der niederländische Musiker Herman Van Veen kommt mit seinem aktuellen Album am 23. Oktober in die Nürnberger Meistersingerhalle. Bild: Danny van Kolck

"Warum bin ich so fröhlich?", fragte sich Musiker und Komponist Herman van Veen schon Anfang der Neunziger im Titelsong zur Zeichentrickserie Alfred J. Kwak. Auch auf seinem neuem Album widmet er sich verschiedenen Gefühlszuständen und fühlt sich als musikalischer Stimmungsaufheller berufen.

Nürnberg. Herman van Veen ist ein Ausnahme-Künstler oder ein Auslaufmodell, das kann jeder sehen wie er will. Das eine schließt das andere in emotional kalt gewordenen Zeiten wie den unseren nicht aus. Letzteres mag daran liegen, dass der selbst ernannte "Holländische Clown mit der Glatze" seit mehr als vier Jahrzehnten im Geschäft ist, weit über hundert Alben aufgenommen hat und dabei niemals auch nur einen Augenblick daran dachte, sich von seinem künstlerischen Anspruch zu verabschieden und modischen Trends unterzuordnen.

Ersteres liegt daran, dass der heute 70-jährige sich in seiner Arbeit durchgehend und rigoros menschlichen Kardinal-Tugenden wie Warmherzigkeit, Toleranz, Respekt oder einfach nur emotionaler Liebe ohne Wenn und Aber verschrieben hat.

Auf seinem aktuellen Album "Fallen oder Springen" frönt Van Veen diesen Leitfäden seiner ureigenen Philosophie einmal mehr intensiv, obwohl "ich mir darüber im Klaren bin, dass solche Werte in der Gegenwart nicht wirklich angesagt sind", weiß der Liedermacher-Pionier. "Doch was soll ich tun? All diese Werte aufgeben, nur damit ich von mehr Menschen gehört werde?", fragt der Mann aus Utrecht mit eindringlichem Raunen in der sonoren Stimme. "Das wäre ein Verrat an allem, wofür ich praktisch seit meiner Geburt stehe."

Abwehr gegen Traurigkeit


Herman van Veen ist der Clown mit dem Blues, so schätzt er sich selbst ein. "Und der Blues wird größer, Tag für Tag", stöhnt er, "ich habe keine Chance, der Gegenwart zu entkommen. Aber auf der anderen Seite bin ich ein Charakter, gestärkt in mir selbst. Ich habe die Kunst tief in mir verinnerlicht, um mich gegen die große Traurigkeit in der Welt zu wehren. Mein Leben ist das Dasein des Gesamtkunstwerks. Ich will mit meiner Arbeit das schwere Buch des Lebens für den Außenstehenden leicht machen. Ich suche in allem immer das Lächeln. Und dieses Lächeln gebe ich weiter. An dich. An euch. Und immer ein wenig auch an mich." "Fallen oder Springen", wenngleich das mittlerweile 178. (!) Album des Ausnahmekünstlers aus Utrecht, ist für Herman van Veen ein immens wichtiges, da es eine Art kreativen Neuanfang signalisiert.

"Kersvers" nennt sich die holländische Schwester der Produktion, in Hermans Heimat bereits im Herbst letzten Jahres erschienen. Die niederländische Presse hat das Werk durchgehend mit Begeisterung, ja Euphorie aufgenommen: "Phänomenale Texte", attestiert das renommierte Internetportal "McSharq". "Eines der relevantesten Popalben des Jahres", bestätigt das "NRC Handelsblad" nüchtern.

Unabhängig davon: Ist "Fallen oder Springen" für den niederländischen Großmeister der Poesie, radikal persönlich, alles in allem eine traurige Platte geworden? "Traurig ist der falsche Begriff - diese Stücke sind realistisch", meint Herman van Veen. "Ich befinde mich mit 70 Jahren im Winter meines Lebens. Das bedeutet, ich muss mich überhaupt nicht mehr verbiegen in meiner Arbeit, nirgendwohin. Ich muss mir nichts mehr beweisen, denn ich habe viel erreicht, auf das ich stolz bin. Außerdem habe ich Enkel, der Älteste ist 15 - durch die Kleinen bleibe ich jung. Ich bin ein glücklicher, wenn auch gleichzeitig nachdenklicher Mann. Traurig bin ich definitiv nicht. Dass diese Welt zumindest merkwürdig ist, erkenne ich unbedingt."

Licht ins Dunkel


Und zu guter Letzt: "Ich schicke den Menschen mit jedem meiner Lieder einen Brief - was der Empfänger damit anfängt, darauf habe ich keinerlei Einfluss", ist sich der Holländer bewusst. "Ich erwarte auch keine Antwort, so eine Herangehensweise wäre absolut vermessen. Trotzdem hoffe ich, ein wenig Licht in die mancherorts dunklen Zimmer des Daseins zu bringen.

Zum Beispiel sehe ich eine große Chance in der wirtschaftlichen Krise, in der wir uns derzeit befinden: Die Krise existiert, damit wir über unsere Existenz prinzipiell nachdenken, um das Negative aus unserem Denken zu verbannen und die Gesellschaft ins Positive zu verändern. Das ist natürlich die Perspektive des naiven Clowns. Doch ich bin mir sicher, so eine naive Perspektive tut uns allen richtig gut."

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Hermann van Veen kommt mit seinem neuen Album "Fallen oder Springen" am 23. Oktober in die Meistersingerhalle nach Nürnberg. Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0.
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