"Lügt's bloß nicht"

Joseph Karl öffnete die Türen der Regierung der Oberpfalz für die Öffentlichkeit und sorgte fast 38 Jahre lang für Transparenz. Für den Ruhestand kaufte er sich ein gebrauchtes Musikinstrument: Mit 65 Jahren erlernt er Klarinette. Bild: Fütterer

Joseph Karl diente als Pressesprecher sechs Regierungspräsidenten. Als deren "Lautsprecher" fühlte er sich nie. In der Rolle als Dienstleister - in der Außenwirkung - erlebte Karl den Wandel "der Regierung" von der unbeliebten Aufsichtsbehörde zum gefragten kommunalen Ratgeber. Der 65-Jährige geht am 31. August in Ruhestand.

Regensburg. Der gelernte Finanzbeamte ("Zahlen waren noch nie meine Welt") erhielt unter Ministerpräsidenten Alfons Goppel in der Staatskanzlei den Schliff als Pressesprecher. Die zehn Jahre in München ("ich möchte dort nicht gestorben sein") wappneten ihn für das Amt bei der Regierung in Regensburg: Sein beruflicher Einstieg begann mit der leidenschaftlichen, harten Auseinandersetzung um die WAA, "die Mitte der 80er Jahre die Regierung bis in die letzte Verästelung beschäftigte".

Als Mittler von Sachinformationen war Joseph Karl seitdem an allen bewegenden Ereignissen in der Oberpfalz unmittelbar dran: An der Flut von Dienstaufsichtsbeschwerden aus der nördlichen Oberpfalz gegen Oberbürgermeister und Landräte; beim fortwährenden Krach der Kommunalpolitiker mit Denkmalschützer Paul Unterkircher in den 80er und 90er Jahren; beim Umweltskandal der Bleikristallhütten; beim Gerangel um die aufwendigen Planfeststellungsverfahren für A 93 und A 6 sowie Umgehungsstraßen und aktuell bei der Unterbringung von Zehntausenden Asylbewerbern.

"Die können nur saufen"

Beim Besuch von Papst Benedikt in Regensburg nächtigte Karl in seinem Büro auf einem Feldbett: "Ich bin ein Beamter, der im Dienst geschlafen hat." Humor und eine für einen bayerischen Beamten nicht selbstverständliche Ironie und pragmatische Lebensnähe wirkten in vielen Situationen deeskalierend. Legendär haften einige Episoden in der Erinnerung. Weil eine Zeitung (nicht unsere) über die Feuerwehr lästerte ("die können nur saufen"), bewegte Karl Oberpfälzer Journalisten dazu, einen ganzen Samstag für das Bronzene Leistungsabzeichen zu üben und abends unter den Augen der Kreisbrandmeister die Prüfung abzulegen: gegen eine Gruppe von Promis u. a. mit Dr. Albert Schmid, Klaus Eder, Domkapitular Peter Hubbauer. "Diese Erfahrung ging den Journalisten in die Beine. Die haben nie mehr ein solches Pauschalurteil gefällt."

Mit den Fachreferenten der Regierung spielte Karl in den 90er Jahren "live" für angehende Journalisten ein Planfeststellungsverfahren für eine fiktive Autobahn quer durch die Oberpfalz. "Selbst 20 Jahre später beziehen sich Redakteure noch auf das, was sie damals erfahren haben."

"Lügt's bloß nicht die Journalisten an", sagte Joseph Karl an der Verwaltungsschule den angehenden Pressesprechern der Kommunen und Landratsämter. "Ich habe als Pressesprecher niemals gelogen. Manchmal durfte ich nur nicht alles sagen, was ich wusste." Journalisten seines Vertrauens erzählte Karl offen die Hintergründe, "die sie aber nicht schreiben sollten". Der Regierungsdirektor hat in seinem ganzen Berufsleben keine einzige Gegendarstellung verfasst. "Ich sage zum Journalisten: Schreib selber, dass es wieder passt. Dadurch wird er nicht desavouiert." Er habe seine Aufgabe immer darin gesehen, "den Redakteuren bei der Suche nach Fakten zu helfen". Karl stellt Veränderungen in der Medienlandschaft fest: zunehmende Geschwindigkeit, "Herunterbrechen" von Ereignissen auf Bundes- und Landesebene ("die Berechenbarkeit ist dadurch gestiegen") und schwindende Nachhaltigkeit von eigenen recherchierten Geschichten.

Markus Roth Nachfolger

Sechs Regierungspräsidenten stand Joseph Karl vertrauensvoll bei der Öffentlichkeitsarbeit zur Seite: Karl Krampol ("litt unheimlich unter der WAA"), Alfons Metzger, Wilhelm Weidinger, Wolfgang Kunert, Brigitta Brunner ("sie ist Oberpfälzerin, das sagt eigentlich alles") und derzeit Axel Bartelt. "Ich bin vor 38 Jahren leise gekommen. Es ist oft der Fall, dass ein Beamter in Pension geht", sagt Karl lächelnd. Der passionierte Gärtner und Imker, Vater und Großvater und in seinem Heimatdorf Eichhofen (120 Einwohner) verwurzelte Pensionär, sieht keine Probleme, das Mehr an freier Zeit auszufüllen. Seinem Nachfolger wünscht er, "viele echte Freunde unter den Oberpfälzer Medienvertretern zu finden".

Neuer Pressesprecher der Regierung der Oberpfalz wird zum 1. Oktober Markus Roth, bisher Pressesprecher des Landratsamts Regensburg.
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