Machosprüche und sensible Filme

Doppelt hält besser: Clint Eastwood, der am Sonntag seinen 85. Geburtstag feiert, sahnte während seiner langen Karriere als Schauspieler und Regisseur die begehrte Oscar-Trophäe ab. Jetzt schickt sich sein Sprössling Scott an, in die riesigen Fußstapfen seines Vaters zu treten. Bild: dpa

Eastwood ohne Ende: Jenseits der 80 bringt der Hollywoodstar einen Film nach dem anderen raus. Dazu klopft er Machosprüche, zeigt sensible Seiten und ist auf seinen Nachfolger stolz. Mit 85 ist Clint Eastwood nicht zu bremsen.

Clint Eastwood ist voller Widersprüche: knallharter Großstadt-Cop, wortkarger Westernheld und einfühlsamer Regisseur von Psychodramen. Er unterstützt die Republikaner und setzt sich gleichzeitig für liberale Anliegen wie die Homo-Ehe ein. Auf "politische Korrektheit" legt der Ex-Bürgermeister des kalifornischen Ortes Carmel keinen Wert. Gemessen an seiner Vielseitigkeit, Beliebtheit, Schaffenskraft und der Größe seiner Trophäensammlung reicht kein anderer Hollywoodstar an den 1,88 Meter großen Schauspieler, Regisseur, Produzenten und Komponisten heran.

Eastwood, der am Sonntag, 31. Mai, 85 Jahre alt wird, steht ungebremst im Rampenlicht. Das Scharfschützendrama "American Sniper", sein 34. Regiewerk, spielte im Frühjahr allein in den USA fast 350 Millionen Dollar ein. Es ist Hollywoods erfolgreichster Kriegsfilm und Eastwoods bester Verdienst in seiner langen Karriere. Der Film über den hochdekorierten US-Scharfschützen Chris Kyle ist auch Stoff für eine heftige Debatte. Für das liberale Lager war es ein patriotisches Heldenepos. Regisseur Michael Moore heizte die Debatte mit der Bemerkung an, dass die meisten Amerikaner wohl nicht glauben, dass Scharfschützen Helden seien.

Clinch mit Moore

Eastwood feuerte jüngst in bester Westernhelden-Manier zurück. "Alle sagten, dass ich damit gedroht hätte, Michael Moore zu töten, aber das stimmt nicht", erklärte der Regisseur. "Aber das ist gar keine schlechte Idee", fügte er augenzwinkernd hinzu. Nur Eastwood kann sich solche Machosprüche erlauben, ohne wirklich Ärger zu bekommen.

Auch seine bizarre "Stuhl"-Rede beim Parteitag der US-Republikaner vor drei Jahren konnte dem Image kaum schaden. Auf der Parteitags- Bühne hatte Eastwood zu einem leeren Stuhl gesprochen und einen unsichtbaren US-Präsidenten Barack Obama scharf angegriffen. Später scherzte er in der Talkshow von Ellen DeGeneres über sein Alter und seine Senilität. Er wollte einfach nur "ein bisschen Spaß haben", entschuldigte er den schrägen Auftritt und outete sich gleich dazu als Liberaler. Der Staat solle sich aus dem Privatleben der Bürger heraushalten, das gelte auch für die Homo-Ehe, betonte Eastwood.

Der Mann, der zu Beginn seiner Karriere als unbarmherziger Rächer in Italo-Western ("Für eine Handvoll Dollar") oder als knallharter Polizist ("Dirty Harry") Furore machte, zeigt als Regisseur längst eine einfühlsame Seite. Im April erklärte Hollywoods sensibler Held das Westernepos "Erbarmungslos" (1993) und das Box- und Sterbehilfedrama "Million Dollar Baby" (2005) zu seinen Lieblingsfilmen. Seine vier Oscars gewann er als Produzent und Regisseur mit diesen beiden Werken.

Neun große Spielfilme hat er seither inszeniert, darunter die Kriegsdramen "Letters From Iwo Jima" und "Flags of our Fathers", das Polit-Drama "Invictus - Unbezwungen", über Nelson Mandelas Kampf gegen die Apartheid. In seinem sensiblen Regie-Werk "Hereafter - Das Leben danach" nahm er die Zuschauer auf eine Reise ins Jenseits mit.

"Natürliche Neugier" gab er als Grund für den Wechsel hinter die Kamera an. Offensichtlich dachte er auch ans Alter. "Eines Tages schaust du auf der Leinwand auf Eastwood und du sieht einen Kerl, den du eigentlich nicht mehr sehen willst. Dann kannst du Regie führen", witzelte der ergraute Star. Doch vor drei Jahren meldete er sich mit der Sportkomödie "Back in the Game" als bärbeißiger, verwitweter Baseball-Scout zurück. Seine Figur ist deutlich in die Jahre gekommen, aber felsenfest davon überzeugt, noch nicht zum alten Eisen zu gehören. Das trifft auch auf Eastwood zu. Der Sohn eines Stahlarbeiters aus San Francisco ist im Herzen ein Rebell, der keine Ruhe gibt.

Wie der Vater, so der Sohn

Nun bekommt er allerdings vom eigenen Nachwuchs Konkurrenz. In der Filmromanze "Kein Ort ohne dich" macht Eastwoods jüngster Sohn Scott (29) in Jeans und Holzfällerhemd derzeit Furore. In der Cowboy-Rolle zwinkert er manchmal so verschmitzt wie sein Vater früher. Er wollte den Film zwar sehen, sich aber mit Ratschlägen zurückhalten, sagte Eastwood Senior. "Es scheint ihm ohne mich gut zu gehen. Ich habe ihn in der letzten Zeit mit einigen Dates gesehen, das macht er viel besser als ich", witzelte er über das Liebesleben des Sprößlings.

Da mag er Recht haben. Eastwood ist Vater von sieben Kindern mit fünf Partnerinnen. Im vorigen Jahr wurde er nach 18 Jahren Ehe von seiner zweiten Frau Dina geschieden. Die Nachrichtensprecherin und Journalistin fand allerdings nach der Trennung noch nette Worte. "Ich möchte keine schlechten Dinge über Clint lesen", schrieb sie via Twitter. "Er ist ein wundervoller, gutmütiger, geistreicher Mensch." Das bestätige sie - was auch immer passiert sei.
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