"Man muss laut sein - lauter als andere"

Viele Falten kann man bei Iris Berben noch nicht entdecken, obwohl sie am 12. August 65 Jahre alt wird. Das verdankt sie guten Genen und ihrem Lebensgenuss. Bild: dpa

Iris Berben ist die Grande Dame des deutschen Films. Und eine unermüdliche Streiterin gegen Rechtsextreme sowie Antisemitismus. Am Mittwoch, 12. August, feiert sie ihren Geburtstag - sie wird 65.

Sie versucht, jede ihrer Figuren zu verstehen: "Man muss eine Person mögen, sonst kann man sie nicht spielen", sagt Iris Berben. Sie gehört zu den erfolgreichsten und engagiertesten Schauspielerinnen Deutschlands. Neben ihren Drehtagen für TV- und Kinofilme ist Berben oft mit Lesungen unterwegs. Im Jüdischen Museum Berlin liest sie im September gemeinsam mit der Auschwitz-Überlebenden Marceline Loridan-Ivens, in Donauwörth Anfang Oktober aus "Verbrannte Bücher - verfemte Musik" Texte, die 1933 verbrannt und auf die Schwarze Liste des NS-Propagandaministeriums gesetzt wurden.

Nummer in Arm tätowiert

Seit mehreren Jahrzehnten engagiert Iris Berben sich für Israel und gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Ihr Interesse am Judentum kam durch eine Reise nach Israel: Damals war sie 18 Jahre und saß plötzlich einem Menschen gegenüber, der ihr auf seinem Arm die eintätowierte Nummer eines Konzentrationslagers zeigte, wie sie einmal erzählte.

Geboren 1950 im nordrhein-westfälischen Detmold als Tochter eines Gastronomen zog sie nach der Scheidung ihrer Eltern als Vierjährige mit ihrer Mutter nach Hamburg. Vom zwölften Lebensjahr an verbrachte sie ihre Schulzeit in Internaten. Kurz vor ihrem 65. Geburtstag erzählte die Schauspielerin in einem Interview, sie sei in der Schule sitzengeblieben, habe keinen Abschluss und sei auch mal von der Schule geflogen. Das habe sie lange verunsichert. Nach Tanz- und Bewegungsausbildungen in London und einer Sprechausbildung in Berlin fasste sie im Film Fuß, mit Rollen in Rudolf Thomes "Detektive" und "Supergirl" und 1970 als Revolutionärin in Sergio Corbuccis Italo-Western "Lasst uns töten, Companeros". 1971 kam ihr Sohn Oliver zur Welt, der heute als Filmproduzent tätig ist. In den 1970ern drehte sie fast ausschließlich fürs Fernsehen. Ihr komödiantisches Talent brachte ihr den Durchbruch: 1980 an der Seite von Didi Hallervorden im Kino mit "Ach du lieber Harry" und 1984 an der Seite von Dieter Krebs mit der Kult gewordenen TV-Comedy-Reihe "Sketchup".

Rund 100 Filme

Nach eigener Schätzung hat Iris Berben in rund 100 Filmen mitgespielt. Eine ihrer Paraderollen war sicherlich die Kommissarin der Reihe "Rosa Roth" - an ihrem Geburtstag läuft auf 3sat die Folge "Rosa Roth - Bin ich tot?". Im Kinder-Fantasy-Film "Tiger Team - der Berg der tausend Drachen" war sie im Jahr 2010 die Chefin eines Geheimbundes, die das Elixier der ewigen Jugend für sich haben will.

Wer Iris Berben sieht, hat manchmal den Eindruck, als habe sie den Zaubertrank bereits für sich gebunkert. Nicht nur in den Magazinen der Yellow-Press wird sie immer noch als eine der attraktivsten deutschen Schauspielerinnen bezeichnet. Für ihr Aussehen sei neben den Genen ihrer Mutter auch ihr Lebensgenuss mit verantwortlich, sagte sie einmal. Eine Diät habe sie noch nie gemacht. Mit ihrem Lebensgefährten Heiko Kiesow lebt sie in Berlin.

Vielfach wurde Iris Berben ausgezeichnet: Bambi, Bundesverdienstkreuz, Goldene Kamera, Grimme-Preis im Jahr 2008. 2002 erhielt sie wegen ihres Engagements gegen Ausländerfeindlichkeit vom Zentralrat der Juden in Deutschland den Leo-Baeck-Preis. Viel Lob bekam sie auch für ihre Lesereihe aus den Tagebüchern des jüdischen Mädchens Anne Frank und des NS-Reichspropaganda-Minister Josef Goebbels. "Man muss laut sein. Lauter als die anderen", sagt sie.
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