Mehr als der Penner in der Lindenstraße: Autor und Übersetzer Harry Rowohlt wird 70
Genial verschroben

Seine Stimme und sein Bart sind einzigartig. Als Hörbuch-Autor und Übersetzer hat er sich eine große Fan-Gemeinde erschrieben und erlesen. 2011 war Harry Rowohlt auch zu Gast bei den Weidener Literaturtagen. Archivbild: Wilck
Bekennender Pu-Fan, Bärenstimme, Schreiber, Penner, Botschafter des irischen Whiskeys und Held der Übersetzer-Szene. Harry Rowohlt ist mehr als ein Verlagserbe oder Nachkomme, er ist, tja, der Harry Rowohlt. Jetzt wird er 70. "Hier kommen wir Hand in Hand, Christopher Robin und ich, um Dir dieses Buch auf den Schoß zu legen."

Mit dieser Widmung beginnt die deutsche Übersetzung des Kinderbuch-Klassikers "Pu der Bär". Auf dem Buchdeckel steht nicht nur der Name des Autors A.A. Milne, sondern auch der des Übersetzers: Harry Rowohlt. Der Hamburger hat sich einen einzigartigen Ruf als Übersetzer erschrieben. Am 27. März wird er 70. Wer weniger in der Bücherwelt lebt und Übersetzungen wie die von Frank McCourts "Die Asche meiner Mutter" oder Flann O'Briens "Auf Schwimmen-zwei-Vögel" nicht kennt, weiß dennoch mit einiger Wahrscheinlichkeit, wie Harry Rowohlt aussieht. Er spielt seit 20 Jahren den Penner Harry in der Lindenstraße. Die Mähne und der eindrucksvolle Bart sind seine Markenzeichen.

Harry Rowohlt ist kein Freund von gesellschaftlichen Konventionen. Gefeiert werde der 70. nicht, heißt es in seinem Umfeld. Auf solche Feiern habe er noch nie viel Wert gelegt. Interviews wolle er auch nicht geben. Passt. Wer Harry Rowohlt blauäugig fragt, ob er etwas mit dem gleichnamigen Verlag zu tun hat, hat schlechte Karten. Früher musste der Frager sogar fünf Mark an eine gemeinnützige Organisation spenden. Er erbte 49 Prozent des Verlags von seinem Vater Ernst Rowohlt, wollte aber nicht dort einsteigen.

Sein erstes Buch war "Pu der Bär", das ihm seine Mutter vorgelesen hat. Er habe sich dann entschlossen, selbst lesen zu lernen, um es "unbehelligt von der mütterlichen Betonung" zu lesen, sagt Rowohlt. Legendär sind Harry Rowohlts Lesungen. Nicht selten dauerten sie fünf Stunden oder mehr, der Verbrauch betrug dann schon mal eine Flasche irischen Whiskeys oder zwei Flaschen Wein. Vorbei: Irgendwann diagnostizierte der Arzt bei ihm Polyneuropathie, eine Nervenerkrankung. Alkohol ist seither tabu. Seit 1995 spielt Harry Rowohlt den "Penner Harry" in der Endlos-Serie "Lindenstraße". Bislang war er in 193 Folgen zu sehen.
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